Staat übernimmt knapp 900.000 € Hotelkosten nach Berliner Stromausfall
Nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten hat der Staat betroffenen Menschen insgesamt knapp 900.000 € an Hotelkosten erstattet. Das geht aus einer Bilanz des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf hervor.
Seit dem mehrtägigen Stromausfall im Januar gingen Tausende Anträge von Menschen ein, die wegen Dunkelheit und großer Kälte in Hotels unterkamen. Der Berliner Senat hatte die Kostenerstattung beschlossen, das Antrags- und Auszahlungsverfahren obliegt dem Bezirk.
Mehr als 3.000 Anträge geprüft
Nach Angaben des zuständigen Bezirksstadtrats Tim Richter wurden 3.116 Anträge geprüft, die sich öfter auf mehrere Personen bezogen. 2.933 Anträge wurden ausgezahlt. Mitunter mussten Antragsteller zuvor Unterlagen nachreichen. Die durchschnittliche Summe betrug 52 bis 55 € pro Person und Nacht.
129 weitere Anträge wurden abgelehnt, etwa weil die Übernachtungen außerhalb des fraglichen Zeitraums lagen oder nicht in gewerblichen Unterkünften wie Hotels oder Pensionen stattfanden. In 54 Fällen zogen Antragsteller ihr Ansinnen zurück.
Nach Angaben Richters gehen weiterhin vereinzelt neue Anträge ein, die ebenfalls bearbeitet werden. Er zog dennoch eine positive Gesamtbilanz des Hilfsangebotes. „Schnelle und pragmatische Hilfe hat funktioniert“, sagte er. „Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das ganze Verfahren mit viel Einsatz gewuppt haben.“
„Bisher einmaliges Verfahren“
Richter erinnerte daran, dass das Bezirksamt innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ein rechtssicheres und möglichst unkompliziertes Verfahren zur Bearbeitung der Anträge aufsetzen musste. „Dies ist in dieser Größenordnung in Berlin erstmalig so in diesem Tempo umgesetzt worden.“
Für die Bearbeitung der Anträge waren diverse Beschäftigte des Bezirksamtes extra abgestellt worden, denn jeder Einzelfall wurde geprüft. „In Einzelfällen kam es vor, dass Erstattungsposten nicht freigegeben wurden, obwohl sie erstattungsfähig waren – etwa bei unklaren Hotelrechnungen“, erläuterte Richter.
Betroffene konnten fehlende Nachweise nachreichen, woraufhin die Beträge nachgezahlt wurden. „Zudem gab es drei Fälle doppelter Auszahlungen, die jedoch erkannt und zurückgefordert wurden“, so Richter.
Brandanschlag löste Stromausfall aus
Auslöser des Stromausfalls war ein mutmaßlich von Linksextremisten begangener Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am 3. Januar. Im Berliner Südwesten waren daraufhin 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe vielfach tagelang ohne Strom und damit oft auch ohne Heizung. Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder für alle hergestellt.
(dpa/ SAHO)