2G-Plus in der Gastronomie

„Schwierig, Branche immer wieder in ‚Geiselhaft‘ zu nehmen“

Erich Nagl
ETL Adhoga-Leiter Erich Nagl (Foto: © ETL Adhoga)
ETL ADHOGA-Leiter Erich Nagl befürchtet aufgrund der 2G-Plus-Regel erneut eine harte Zeit für die Branche und kritisiert die Ungleichbehandlung sowie mangelhafte Hilfen. Eine sinnvolle Alternative würde gegenwärtig zu selten diskutiert.
Donnerstag, 13.01.2022, 11:10 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz

Die vor wenigen Tagen beschlossene bundesweite 2G Plus-Verordnung für die Gastronomie begründete die Bund-Länder-Konferenz mit dem Vordringen der Omikron-Variante in Deutschland und Europa und den damit einhergehenden explodierenden Infektionszahlen. ETL Adhoga-Leiter Erich Nagl sieht nun erneut bittere Zeiten auf die ohnehin schwer gebeutelte Branche zukommen. „Was die Auswirkungen auf die Betriebe angeht, sieht 2G Plus in der Praxis einem Lockdown zum Verwechseln ähnlich“, so Nagl, der zudem durch die fehlende langfristige Perspektive ein beispielloses dauerhaftes Ausbluten bei Fachkräften befürchtet. Dabei habe die Gastronomie seit dem Beginn der Corona-Pandemie ihre Flexibilität unter Beweis gestellt und die jeweiligen Hygienevorschriften von Anfang an vorbildlich umgesetzt. „Daher finde ich es schwierig, die Branche immer wieder in ‚Geiselhaft‘ für politische Versäumnisse der Vergangenheit zu nehmen“, kritisiert der ETL Adhoga-Leiter. „Ich hoffe, dass man dem Gastgewerbe im Gegenzug bei den wirtschaftlichen Hilfen entgegenkommt und eine Perspektive gibt.“

Kritik an der Überbrückungshilfe IV

Doch gerade in Sachen wirtschaftlicher Hilfen müsse dringend nachgearbeitet werden. „Die Überbrückungshilfe IV, mit der die Bundesregierung auch weiterhin von den Corona-Maßnahmen betroffene Betriebe unterstützen will, ist in einigen Abschnitten deutlich weniger attraktiv als die Überbrückungshilfe III Plus – und die hätte schon nicht gereicht, den nächsten Winter zu überleben“, betont Erich Nagl. So mute etwa die Streichung der Förderung baulicher Maßnahmen zur Umsetzung eines Hygienekonzeptes sowie die der Digitalisierungsmaßnahmen widersinnig an, solange die Pandemie laufe.

Alternative: befristeter Lockdown?

Einem von verschiedenen Seiten in die Debatte gebrachten zeitlich befristeten Lockdown bei voller Entschädigung für die Betriebe hält Erich Nagl für den sinnvolleren Weg. „Dafür fehlt aber der rechtliche Unterbau. Zudem will man vonseiten der Entscheidungsträger eine solche Alternative für die Gastronomie nicht. Begründet wird es nicht – es liegt nahe, dass es am Geld liegt.“

Zum kompletten Interview mit ETL ADHOGA-Leiter Erich Nagl.

(ETL ADHOGA/NZ)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Hamburger Gastronomie
Diskussionsrunde
Diskussionsrunde

Hamburg als Vorreiter?

Welche Auswirkungen hat 2G und ist das Modell rechtlich überhaupt zulässig? ETL ADHOGA-Leiter Erich Nagl hat mit Kerstin Rapp-Schwan, Schwan Restaurants in Düsseldorf, und Dr. Uwe Schlegel, ETL Rechtsanwälte Köln, über die Folgen der Beschlüsse gesprochen.
Niclas Nußbaumer
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

Zwei Sterne auf Anhieb für „the dune“: „Außergewöhnliche Orte schafft man durch Kontinuität“

Nach nur sechs Monaten ist das Restaurant im The Florentin by Althoff Collection vom Guide Michelin mit gleich zwei Sternen ausgezeichnet worden. Im Interview mit HOGAPAGE spricht Küchenchef Niclas Nußbaumer über den schnellen Erfolg, steigende Erwartungen und die Bedeutung Frankfurts als Genussdestination.
Daniel Schimkowitsch
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

Dritter Michelin-Stern für L.A. Jordan: „Es ist schwer in Worte zu fassen“

Es kam unerwartet: Als einziges Restaurant steigt das „L.A. Jordan“ in den Drei-Sterne-Olymp des Guide Michelin auf. Im Interview mit HOGAPAGE spricht Executive Chef Daniel Schimkowitsch über den Moment danach, ein Team, das zur Familie wurde, und die neue internationale Strahlkraft für Deidesheim und die Pfalz.
Nachhaltigkeit im Restaurant
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

Nachhaltigkeit als langfristiger Wettbewerbsvorteil in der Gastronomie

Im Angesicht von Klimawandel, Ressourcenknappheit, Energiekrise und Co. sollten Gastronomiebetriebe immer stärker auf Nachhaltigkeit setzen. Wie Restaurants nachhaltige Konzepte erfolgreich umsetzen können, verrät Philip Gutschke, Bereichsleiter für Energiebeschaffung bei der wattline GmbH, im Interview mit HOGAPAGE.
Chef Akademie der Block Menü in Zarrentin
Weiterbildung im Wandel
Weiterbildung im Wandel

Block Menü Chef Akademie: „Eine feste Anlaufstelle für die Branche“

Mit einem neuen Schulungszentrum setzt die Block Menü auf praxisnahe Weiterbildung und zukunftsfähige Küchenkonzepte für Gastronomie, Hotellerie und Catering. Wie die Akademie Betriebe konkret unterstützen soll, erklären Geschäftsführer Michael Postinett und Akademieleiter Tobias Arnold im HOGAPAGE-Interview.
Karoline Klezl, Geschäftsführerin Kaffeehäuser, Restaurants und Consulting der Familie Querfeld
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

„Frauenförderung stärkt die Zukunft des Gastgewerbes“

Themen wie Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Familie und Karriere stellen im Gastgewerbe immer noch zentrale Herausforderungen dar. Zum Weltfrauentag spricht Karoline Klezl, Geschäftsführerin der Kaffeehäuser und Restaurants der Familie Querfeld, mit HOGAPAGE über weibliche Führung, ihre persönlichen Erfahrungen und warum gezielte Frauenförderung für die Branche entscheidend ist.
Kemal Üres
Interview
Interview

Kemal Üres über die Zukunft der Gastronomie

Inflation, hohe Lebensmittelpreise, steigende Energie- und Mietkosten sowie Fachpersonalmangel und fehlende innovative Konzepte bringen viele Gastronomen in Existenznot. Kemal Üres ist motiviert, sich der aktuellen Krise entgegenzustellen. Im Interview spricht der „Gastroflüsterer“ über seine Mission, die Herausforderungen der Branche und über den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Graffiti-Sprayer
Schutzmaßnahmen
Schutzmaßnahmen

Graffitis an der Fassade: So schützen sich Hotels und Restaurants

Ob gemalt oder gesprüht, ob ein Schriftzug oder Bild – auch Fassaden von Hotels oder Restaurants können Opfer von unerlaubten Graffitis werden. Worauf es dann ankommt und was vorbeugend hilft.
Matthias Firgo
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

7-Prozent-Mehrwertsteuer ab 2026: Warum Restaurants ihre Preise nicht anpassen

Ab 2026 soll wieder der ermäßigte Steuersatz von 7 % auf Speisen gelten. Entsprechende Gesetzesänderungen wurden jetzt auf den Weg gebracht. Viele Gäste erwarten dann sinkende Preise. Warum Gastronomen ihre Preise aber trotz der Steuersenkung nicht anpassen müssen, erklärt Matthias Firgo von der Hochschule München im Interview mit HOGAPAGE.