Schutzmaßnahmen

„Niemand verreist, wenn die Kinder in Quarantäne müssen“

Reisewarnung und Europaflagge
Nach Totalausfall der Wintersaison im Vorjahr drohen nun erneut massive Umsatzeinbrüche für österreichische Betriebe. (Foto: © bluedesign – stock.adobe.com)
Die deutsche Reisewarnung ist in Österreichs Hotelbranche als Hiobsbotschaft aufgenommen worden. Der Schritt treffe die Unternehmen „in Mark und Bein“, sagte Susanne Kraus-Winkler vom Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich.
Montag, 15.11.2021, 09:50 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz

Deutschland hat Österreich als Hochrisikoland eingestuft. „Auch wenn es vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Entwicklung zu befürchten war, trifft uns die Reisewarnung aus Deutschland nach dem kompletten Ausfall der letzten Wintersaison in Mark und Bein“, erklärt Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Reisewarnung als Hiobsbotschaft. Bereits durch Spekulationen und Ankündigen in den vergangenen Tagen waren zahlreiche Betriebe bereits von Stornierungswelle getroffen, berichtet die Branchensprecherin und unterstreicht die enorme Bedeutung ausländischer Gäste in der heimischen Wintersaison.

Dringend Lösung zu Quarantänepflicht für Kinder finden

Als ein massives Problem bezeichnet Kraus-Winkler die Auswirkungen der deutschen Reisewarnung aufgrund der damit verbundenen Quarantänebestimmungen für Kinder: „Geimpfte und Genesene dürfen zwar nach wie vor bei uns urlauben und wir hoffen inständig, dass dies viele auch in Anspruch nehmen, aber deutsche Kinder unter 12 Jahren müssen nach der Rückreise fünf Tage in Quarantäne, Kinder über 12 Jahren die noch nicht geimpft sind sogar zehn Tage. Die Weihnachts- und Schiurlaubssaison ist natürlich die Familienreisezeit schlechthin. Niemand verreist, wenn die eigenen Kinder nach dem Urlaub noch in Quarantäne müssen. Ein Großteil unserer Betriebe hat auch ihre Zielgruppen genau dort. Wir hören jetzt schon von Betrieben, die mit einem Verlust von rund 50 Prozent ihrer Buchungen rechnen, andere sogar noch viel mehr, sodass es sich für sie diesen Winter schwierig werden wird, den Betrieb überhaupt noch wirtschaftlich zu führen.“ Die oberste Branchensprecherin drängt daher auf ein rasches Verhandlungsergebnis auf politscher Ebene: „Wir brauchen dringend eine Lösung mit dem Ziel, eine quarantänefreie Rückreise zu ermöglichen, wenn die Kinder in eine Teststrategie eingebettet sind. Dies würde auch der EU-Empfehlung entsprechen.“

Weitere Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen für Betriebe gefordert

Aufgrund der dramatischen Entwicklungen fordert Kraus-Winkler weitere Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen für die Branche. „Wenn wir aufgrund der Pandemie-Situation, nach dem Komplettausfall der letzten Wintersaison, heuer erneut mit hohen Umsatzverlusten rechnen müssen, bringt das viele Betriebe an den Rand ihrer Existenz“, warnt Kraus-Winkler und schließt sich den dringlichen Impfapellen von Virologen und Experten an: „Jede Impfung entlastet das Gesundheitssystem, ermöglicht Kindern und Jugendlichen ohne Einschränkungen zu leben und erspart uns einen neuerlichen Lockdown, der für Betriebe und ihre Mitarbeiter schwerwiegende Folgen hätte.“ Zudem brauche es österreichweit dringend einheitliche, klare Regelungen und Maßnahmen, wie etwa eine einheitliche Maskenpflicht für Alle, so Kraus-Winkler abschließend.

(WKÖ/NZ)

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