Verbraucherschutz

Neues Tierwohl-Label schon in der Kritik

Immer mehr Verbraucher interessieren sich dafür, wie das Fleisch auf Ihren Tellern zu Lebzeiten gehalten und behandelt wurde. Das neu geplante staatliche Tierwohl-Label wird jedoch bereits vor seinem Start kritisiert.

Donnerstag, 19.01.2017, 09:53 Uhr, Autor: Markus Jergler
Schwein

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt will auf der grünen Woche sein neues Tierwohl-Label vorstellen (Foto: © agnormark / fotolia)

Die Grüne Woche vom 20. bis 29. Januar in Berlin bildet den Jahresauftakt der Agrarbranche. Pünktlich dazu will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU sein bereits lang angekündigtes Tierwohl-Label präsentieren. Damit sollen zukünftig höhere Standards auf breiter Front vorangebracht werden. Erste Grundzüge wurden von Schmidt bereits veröffentlicht – und schon machen die Kritiker mobil.

Warum ein neues Label?
„Der Verbraucher soll verlässlich wissen, dass mit dem, was er bezahlt, ein höherer Tierwohl-Standard umgesetzt wird“, so Schmidts zentrale Maxime. Gemeint sind beispielsweise mehr Platz im Stall bei der Schweinezucht oder mehr Spielmaterial für die Tiere. Das Siegel soll hierbei in die Breite des Marktes vordringen und nicht nur für einzelne Nischenprodukte gelten.

Bereits jetzt findet man auf manchen Packungen kleine Logos, die auf eine verbesserte Tierhaltung hinweisen. Große Bekanntheit haben diese im Markt jedoch noch nicht erlangt. Für den Chef der Verbraucherzentrale des Bundesverbandes Klaus Müller heißt das, „dass immer der niedrigste Preis das ausschlaggebende Kaufkriterium ist.“ Auch wenn es für die Endkunden nicht immer gleich die „teure“ Biostufe  sein müsse, wären diese prinzipiell bereit mehr Geld für einen besseren Tierschutz auszugeben. Ein staatliches Siegel, mit dem Anbieter nicht „wild durch die Gegend werben“ können, sei daher wichtig.

Wann soll das Label starten?
Küken in Bodenhaltung

Das neue Label soll für mehr Platz im Stall sorgen (Foto: © chris74 / fotolia)Einen festen Starttermin gibt es noch nicht. Auf der Grünen Woche will Minister Schmidt jedoch Eckpunkte und einen Fahrplan für die Umsetzung vorstellen. „Spätestens 2018“ soll das Label kommen, zunächst nur für Schweine und Mastgeflügel. Auch für Fertiggerichte und Wurst soll das Siegel verwendet werden können – freiwillig und nicht per Gesetzesverordnung. Geplant seien mehrere Stufen, es gehe aber nicht um ein „Premium-Luxus-Label“.

Es gibt bereits ähnliche Vorstöße in Richtung Tierschutz. Bei einem vom Ministerium und dem Tierschutzbund „Initiative Tierwohl“ unterstützten Siegel, zahlen Supermarktketten in einen Fonds ein, aus dem freiwillig teilnehmende Landwirte Geld bekommen. Dieses Siegel funktioniert jedoch ohne Logo auf den Verpackungen. Dieses Projekt dürfe durch das neue Tierwohl-Label nicht gefährdet werden, zeigt sich Bauernpräsident Joachim Rukwied besorgt. Immerhin wurden durch das Siegel bereits 13 Millionen Schweine in bessere Haltungsformen gebracht.

Es gibt bereits Kritik
Der zentrale Kritikpunkt von Tier- und Umweltschützern sowie von der Opposition ist die geplante Freiwilligkeit des Labels. „Wenn der Minister das Leben der Tiere in den Ställen tatsächlich verbessern wollte, wäre die Kennzeichnung verbindlich“, meint Grünen-Verbraucherexpertin Nicole Maisch. Zumindest das gesetzliche Niveau der Nutztierhaltung solle insgesamt aufgehoben werden, fordert der Deutsche Tierschutzbund. So müsse das routinemäßige Kürzen der Schwänze bei Ferkeln nicht nur freiwillig in „gelabelten“ Ställen ein Ende haben.

Auch von der Verbraucherorganisation Foodwatch kommt Kritik. Siegel würden immer nur für einen Teil der Nutztiere Verbesserungen bringen. Mit diesem Statement beruft sich Foodwatch auf das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Danach werde einem Tierwohllabel ein Marktanteil von 20 Prozent vorausgesagt. „Es ist nicht akzeptabel, wenn die Bundesregierung weiterhin vermeidbare Krankheiten, Schmerzen und Leiden für 80 Prozent der Nutztiere duldet“, so Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Foodwatch-Geschäftsführer auf einer Pressekonferenz in Berlin. (dpa / MJ)

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