Koalitionsvertrag

Mindestlohnerhöhung in der Kritik

Die Mindestlohnerhöhung hat einen sprunghaften Anstieg der Personalkosten zur Folge. Das stößt nicht bei allen auf Begeisterung – auch weil Auswirkungen auf darüber liegende Lohngruppen befürchtet werden.

Freitag, 26.11.2021, 07:47 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Hosentasche mir Geldscheinen und einem Zettel mit der Aufschrift Mindestlohn

Die Mindestlohnerhöhung führt zu 15 bis 25 Prozent höheren Personalkosten in Gastronomie und Hotellerie. (Foto: © blende11.photo – stock.adobe.com)

Die Pläne der Ampel-Koalition für eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns lassen Hoteliers und Gastwirte deutlich höhere Personalkosten fürchten. Die staatliche Heraufsetzung von derzeit 9,60 auf 12 Euro je Stunde bedeute laut einer Umfrage für die Mehrzahl der Betriebe eine Personalkostensteigerung von 15 bis 25 Prozent, kritisierte der Dehoga. Der Handelsverband HDE warnte, die sprunghafte Steigerung sei ein Eingriff in die Tarifverträge zahlreicher Branchen. Nur die Tarifvertragsparteien könnten die wirtschaftliche Belastbarkeit der Unternehmen in ihrer Branche beurteilen.

8,6 Millionen Menschen profitieren

Der Hans-Böckler-Stiftung zufolge gibt es in Deutschland etwa 8,6 Millionen Arbeitsverhältnisse, in denen die Entlohnung unter 12 Euro brutto liegt. Es geht um 7,3 Millionen Hauptjobs und 1,3 Millionen Nebenjobs. Nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung würde ein höherer Mindestlohn nicht nur in Branchen mit traditionell vielen Niedriglohnbeschäftigten wie dem Gastgewerbe, der Gebäudebetreuung oder dem Einzelhandel zu einer besseren Bezahlung führen.

Stärker Lohndruck auch in anderen Lohngruppen befürchtet

Kritisch zu einer Anhebung des Mindestlohns hatte sich jüngst auch die Bundesbank geäußert. Dies hätte „nicht zu vernachlässigende Ausstrahlungseffekte“ auf die darüber liegenden Lohngruppen, erläuterte die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. „Auch hierdurch dürfte sich der Lohndruck künftig verstärken.“ Dahinter steht die Sorge vor einer Spirale aus steigenden Preisen und steigenden Löhnen, für die Ökonomen aber bislang noch keine Anzeichen sehen.

(dpa/NZ)

Weitere Themen