Gasspeicher verfehlen Winterziel
Die deutschen Gasspeicher haben die Füllvorgaben zum 1. November 2026 verfehlt. Nach den am Stichtag veröffentlichten Daten der europäischen Plattform AGSI waren sie zu rund 61,2 % gefüllt. Aus den unterschiedlichen Vorgaben für die einzelnen Speicher ergibt sich rechnerisch ein bundesweites Ziel von etwa 70 %. Für das Gastgewerbe stellt sich damit vor allem die Frage, wie verlässlich sich die Energiekosten im Winter planen lassen.
Betroffen sind insbesondere Hotels und Gastronomiebetriebe, die Erdgas zum Heizen, zur Warmwasserbereitung oder in der Küche einsetzen. Die Energiekampagne Gastgewerbe verdeutlicht die Bedeutung der Wärmeversorgung: In einem Hotel entfällt demnach mehr als die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs auf Heizung und Warmwasser.
Gasversorgung gilt weiterhin als gesichert
Die niedrigen Speicherfüllstände bedeuten nach Einschätzung der Bundesnetzagentur derzeit keine akute Versorgungskrise. In ihrer Lagebewertung vom 30. Oktober bezeichnet die Behörde die Gasversorgung als stabil. Das Risiko einer angespannten Versorgung schätzt sie weiterhin als gering ein.
Entscheidend seien neben den Speichern auch Pipelineimporte, Flüssigerdgasimporte über LNG-Terminals, die Infrastruktur und die Nachfrage. Aus dem verfehlten Füllziel allein lässt sich deshalb keine bevorstehende Einschränkung des Hotel- oder Restaurantbetriebs ableiten.
Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Anlage: Zum 1. November gilt grundsätzlich ein Füllziel von 80 %. Für sechs Speicher liegt es bei 45 %. Die häufig genannten 70 % sind somit eine rechnerische Gesamtgröße.
Was die Lage für Gaspreise im Gastgewerbe bedeutet
Für Hoteliers und Gastronomen bleibt die Preisentwicklung ein Unsicherheitsfaktor. Der Speicherverband Initiative Energien Speichern warnt laut dpa vor geringeren Sicherheitsreserven. Außergewöhnliche Kälte oder zusätzliche Störungen der Gasimporte könnten die Versorgung stärker belasten. Zum Winterende können niedrige Füllstände zudem die täglich verfügbare Ausspeicherleistung begrenzen.
Höhere Großhandelspreise führen allerdings nicht automatisch zu einer sofort höheren Gasrechnung. Nach Angaben der Bundesnetzagentur hängt die Weitergabe von Preiseffekten unter anderem von der Beschaffungsstrategie des Lieferanten und den vertraglichen Regelungen ab.
Lieferverträge bestimmen das Kostenrisiko
Für die betriebliche Planung folgt daraus: Entscheidend sind die vereinbarte Preisbindung, mögliche Anpassungsklauseln und das Ende der Vertragslaufzeit. Bei marktpreisabhängigen Tarifen können Schwankungen schneller relevant werden. Bei auslaufenden Verträgen stellt sich die Kostenfrage spätestens mit dem Anschlussangebot.
Wie stark das Thema die Branche bereits beschäftigt, zeigt eine zum Jahresauftakt 2026 veröffentlichte Mitgliederumfrage des Dehoga Bundesverbands. 65,7 % der befragten Betriebe nannten Energiekosten als drängendes Problem. Zusätzliche Unsicherheit trifft damit auf eine ohnehin belastete Kostenstruktur.
Warum die Gasspeicher weniger gefüllt sind
Ein wesentlicher Grund liegt nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft in den Marktbedingungen. Im Sommer 2026 lagen die Gaspreise über den damals erwarteten Preisen für den Winter. Dadurch war es für Händler wirtschaftlich weniger attraktiv, Gas einzukaufen, kostenpflichtig einzuspeichern und später zu verkaufen.
Hinzu kam ein bereits niedriger Speicherstand nach dem vorherigen Winter. Der BDEW verweist außerdem auf Unsicherheit und Preisschwankungen infolge des Kriegs im Nahen Osten und der Sperrung der Straße von Hormus.
Energieverbrauch in Hotels und Restaurants gezielt prüfen
Neben den Lieferkonditionen bleibt der eigene Verbrauch ein Ansatzpunkt für die Kostenkontrolle. Die Energiekampagne Gastgewerbe bietet dafür branchenspezifische Leitfäden und Checklisten, etwa für Heizung, Warmwasser, Küche und Energiemanagement.
Ein gemeinsamer Leitfaden von Dehoga und Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe empfiehlt, Energieeinsatz und Kosten regelmäßig zu erfassen. Als Ansatzpunkte nennt er unter anderem die Wartung der Gebäudetechnik, passende Raumtemperaturen und die Dämmung von Heizungs- und Warmwasserleitungen.
(Bundesnetzagentur/ Dehoga/ dpa/ Tagesschau/ SAHO)