Kennzeichnung

EU-Parlament stimmt gegen Namen wie „Veggie-Hühnchen“

Veggie-Burger
Pflanzliche Alternativprodukte dürfen grundsätzlich weiter mit Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“ beworben werden. Bestimmte Begriffe mit Bezug zu Tierarten oder Fleischteilen sollen in der EU aber tabu werden. (Foto: © Magdalena Bujak/stock.adobe.com)
Ein „Veggie-Burger“-Namensverbot ist vom Tisch. Einige andere Namen sollen aber von Speisekarten in der EU verschwinden. Was das Europaparlament jetzt plant. 
Dienstag, 16.06.2026, 14:19 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Vegetarische Produkte dürfen in der EU nach der Vorstellung des Europaparlaments künftig nicht mehr mit Begriffen wie „Speck“, „Hühnchen“ oder „Rippchen“ beworben werden. Mit 560 Ja-Stimmen, 75 Nein-Stimmen und 25 Enthaltungen stimmten die Abgeordneten in Straßburg für einen Gesetzesvorschlag, der unter anderem diese Regelungen vorsieht. 

Das entspricht einem Kompromiss, den Abgeordnete Anfang März mit Vertretern der EU-Staaten vereinbart hatten. Bevor die Regeln in Kraft treten, müssen die Mitgliedstaaten noch formell zustimmen. 

Kritik am ""Veggie-Burger"-Verbot

Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr ein Verbot von Begriffen wie „Tofu-Wurst“, „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Burger“ für vegetarische Produkte ins Spiel gebracht. Konkret sollten demnach Begriffe wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ nur noch für Tierprodukte verwendet werden dürfen. Dies wurde mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten begründet – und stieß auf viel Kritik, unter anderem aus Deutschland.

Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Firmen müssten Produkte umbenennen und könnten sie womöglich nicht mehr so einfach vermarkten, argumentierten sie. 

Auch aus der Gastronomie kam damals Kritik. Branchenvertreter warnten vor zusätzlichem Aufwand mehr Bürokratie sowie Verunsicherung bei Gästen. So müssten Speisekarten, Aushänge, Webseiten, Online-Bestellsysteme, Kassensoftware und POS-Materialien angepasst werden, wenn etablierte Produktnamen nicht mehr genutzt werden dürfen. Auch Schulungen für Servicemitarbeiter hätten nötig werden können, um neue Bezeichnungen gegenüber Gästen verständlich zu erklären.

Was nicht mehr auf der Speisekarte stehen darf

Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für pflanzliche Alternativen verwendet werden. Dies soll nach dem Beschluss des Parlaments auch weiter grundsätzlich möglich sein.

Tabu sind dann künftig aber Bezeichnungen, die sich auf Tier- bzw. Fleischarten und einzelne Teilstücke ("Cuts") beziehen: zum Beispiel Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Leber, Kotelett oder Speck. Sie dürfen auch nicht für im Labor gezüchtete oder zellbasierte Produkte verwendet werden. Fleisch wird in dem Text als „genießbare Teile von Tieren“ definiert. 

Rainer sieht Licht und Schatten

Bundesernährungsminister Alois Rainer sah nach der Einigung im März Licht und Schatten. „Die Verbraucher sind schlau und mündig. Sie wissen längst, dass im Veggie-Schnitzel kein Fleisch ist“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Rainer äußerte sich zugleich kritisch zur Liste mit Begriffen, die künftig Fleischprodukten vorbehalten sind. „Wir hätten uns gewünscht, dass diesbezüglich gar keine Neuregelung kommt“, sagte der Minister. Sie bedeute für die Branche unnötigen Mehraufwand.

Eigentlich sollte es bei dem EU-Vorhaben vor allem darum gehen, die Verhandlungsposition von Landwirten zu stärken. Schriftliche Verträge zwischen Erzeugern und Abnehmern sollen Pflicht werden, damit Produktionskosten berücksichtigt werden und es Verlässlichkeit gibt. Die Staaten müssen die Vorgaben nach der Bestätigung in nationales Recht umsetzen und können dabei auch Sektoren und Produkte ausnehmen.

(dpa/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Veggie-Burger
Gutachten
Gutachten

Foodwatch: EU-Verbot für „Veggie-Burger“ wäre rechtswidrig

Foodwatch sieht das geplante EU-Verbot für Begriffe wie „Veggie-Burger“ als rechtswidrig. Die Organisation geht mit einem Gutachten kurz vor einer wichtigen Verhandlungsrunde an die Öffentlichkeit.
Vegane Burgerpatties
Namensstreit
Namensstreit

Nach EU-Verbot: Parlamentskantine serviert „Veganen Burger“

Das EU-Parlament stimmte für ein Verbot von mehreren Bezeichnungen für Veggie-Produkte, die nach Fleischlebensmitteln klingen. Einen Tag später gibt es eine Überraschung in der Straßburger Kantine.
Veggie-Burger
Veggie-Debatte
Veggie-Debatte

Keine Entscheidung zu EU-„Veggie-Burger“-Verbot

Veggie-Burger bleibt vorerst Veggie-Burger: EU-Unterhändler sind sich uneins, was ein Verbot der Bezeichnung angeht – nun ist die Frage, wie die Debatte weitergeht.
Veggie-Burger
Veggie-Debatte
Veggie-Debatte

Heiße Phase: Verhandlung über EU-Verbot für „Veggie-Burger“

EU-Politik auf dem Teller: Wieso ein neues Verbot pflanzlicher Produktnamen gerade Deutschlands Firmen und Kunden besonders treffen würde. Die Verhandlungen gehen in eine entscheidende Phase.
Bundesernährungsminister Alois Rainer
Kritik
Kritik

CSU-Agrarminister Rainer warnt vor „Veggie-Burger“-Verbot

Verbraucherschützer und Wirtschaftsvertreter, aber auch Branchenverbände des Gastgewerbes lehnen ein Verbot von Begriffen wie „Veggie-Schnitzel“ ab. Auch Bundesernährungsminister Alois Rainer sieht ein solches Verbot kritisch und warnt vor den Folgen, die der Vorstoß haben könnte.
endori hack
Veggie-Vielfalt
Anzeige
Veggie-Vielfalt

Lifehack für Profis – Veggie-Herbstküche mit endori

Gefülltes Gemüse, Lasagne oder Spaghetti Bolognese – wenn der Sommer sich so langsam in den Herbst verabschiedet, kommen wieder herzhafte Gerichte auf den Tisch. Jetzt darf es wieder etwas üppiger werden – aber bitte ohne tierische Produkte. Mit endori hack und endori kebab gelingen herbstliche Seelenschmeichler ohne zusätzlichen Mehraufwand in jeder Profi-Küche.
Plant-based Baby Burger von Burger King
Sortimenterweiterung
Sortimenterweiterung

Burger King bringt Plant-based Bacon nach Deutschland

Noch mehr Auswahl beim Essen: Erst vor kurzem hat Burger King drei seiner Klassiker im Mini-Format in seine Restaurants gebracht. Jetzt gibt es die Mini-Burger auch in einer pflanzlichen Variante – mit einer Neuheit. 
Veggie-Burger mit Gemüse und pflanzlichen Zutaten als Beispiel für Fleischalternativen
Fleischersatzprodukte
Fleischersatzprodukte

EU erlaubt weiter „Veggie-Burger“ und „Tofu-Wurst“

Nach monatelangem Streit gibt es eine Einigung zur Kennzeichnung pflanzlicher Fleischalternativen. Einige Bezeichnungen bleiben erlaubt, andere sollen künftig tabu sein.
Veggie-Burger
Auswirkungen
Auswirkungen

EU-Verbot für „Veggie-Burger“? Das sind die Folgen für die Gastronomie

Wenn es nach dem Willen des EU-Parlaments geht, sollen Bezeichnungen wie „Steak“, „Schnitzel“ oder „Hamburger“ bald nur noch tierischen Produkten vorbehalten sein. Für die Gastronomie könnte ein solches Verbot weitreichende Folgen haben.