Conona-Maßnahmen

„Ein Strategiewechsel muss her“

Dirk Iserlohe, Aufsichtsratsvorsitzender der Dorint-Gruppe, hat sich in einem Interview erneut kritisch über das Vorgehen der der Bundesregierung geäußert – und damit ist er längst nicht mehr alleine.

Donnerstag, 26.11.2020, 11:17 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Dirk Iserlohe

Dirk Iserlohe fordert eine Klarstellung durch den Gesetzgeber. (Foto: © Honestis AG)

In den Krankenhäusern werden bereits die Intensivbetten knapp. Die Angst, entscheiden zu müssen, wer beatmet werden soll, wächst beim medizinischen Personal täglich. Dennoch nimmt auch das Unverständnis für die Corona-Maßnahmen zu, wie aus einem Beitrag von Frontal 21 hervorgeht. Vor allem Branchen und Betriebe, die große Summen in Hygienemaßnahmen investiert haben, fühlen sich gelinde gesagt im Stich gelassen.

Dirk Iserlohe fordert eine Klarstellung vom Gesetzgeber

So hat beispielsweise die Dorint Gruppe rund 1 Millionen Euro investiert, um einen kontaktlosen Check-in zu garantieren – gebracht hat es nichts. Dreiviertel der Belegschaft ist in Kurzarbeit, die Auslastung liegt bei gerade einmal 7 Prozent. „Wir haben 2019 einen Umsatz von 280 Millionen Euro verzeichnen dürfen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Dirk Iserlohe. „Dieses Jahr werden wir etwas mehr als 100 Millionen Euro Umsatz erzielen.“ Weit weniger als die Hälfte also. Die Fixkosten würden jedoch allein für die Pachten bereits 55 Millionen Euro betragen und „das kann man nicht verkraften“.

Iserlohe hatte daher bereits über 20 Beschwerdebriefe an die Bundesregierung geschickt und die Bundesländer auf Schadensersatz verklagtohne Erfolg. Nun fordert er die Bundesregierung auf, eine Klarstellung zu formulieren, aus der hervorgeht, dass die Geschäftsgrundlage im gewerblichen Mietraum gestört ist. Immerhin drohen aufgrund der Pachten 45 Millionen Euro Verlust. „Würde sich der Gesetzgeber dazu durchringen, könnten wir uns mit den Verpächtern diese Summe teilen und der Verlust würde sich halbieren.“

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden ist klar, sollten sich die Umstände für die Hotellerie und Gastronomie nicht schnell bessern, „werden wir auf eine Insolvenzwelle zwischen April und Juni nächsten Jahres schauen“.

Unterstützung kommt von Gesundheitsexperten

Auch Gesundheitsexperten wie Prof. Matthias Schrappe, ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrats für Gesundheit, kritisieren das Vorgehen der Bundesregierung. „Man muss anfangen das Problem überhaupt zu erkennen und das Problem wird nicht dadurch weggehen, dass man den Shutdown verkürzt, verlängert, verstärkt oder abschwächt, sondern es wird immer wieder kommen.“ Für Schrappe ist daher klar: „Ein Strategiewechsel muss her.“

Man müsse lernen, mit der Infektion zu leben und dafür – statt mit Verboten zu arbeiten – Eigenverantwortung fördern. „Es gibt berechtigte Fragen, warum wir in unserer Gesellschaft nicht in der Lage sind, das differenziert zu steuern. Warum Einrichtungen, die ein super Hygienekonzept haben, zu machen müssen. Fachlich ist das nicht zu begründen.“

(Frontal 21/NZ)

 

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