Hühnerposten Hamburg

Aus für Hamburger Eventlocation?

Der Hühnerposten am Hauptbahnhof Hamburg kämpft ums Überleben. Seit nun über 15 Jahren ist der Hühnerposten ein fester Bestandteil der Hamburger Innenstadt, der durch Veranstaltungen verschiedenster Art immer wieder ein buntes Publikum anlockt. Zu spät ausgezahlte Überbrückungshilfen könnten jetzt zur Räumung führen.

Montag, 28.06.2021, 12:22 Uhr, Autor: Karoline Giokas
Hüphnerposten Eventlokation

Am morgigen Diensttag wird am Landgericht Hamburg verhandelt, ob die Kündigung des Hühnerposten Hamburg rechtmäßig war. (Foto: © Hühnerposten)

Ob große Musikveranstaltungen, Vintage-Märkte oder die Firmenfeiern nationaler, wie auch internationaler Konzerne – der Hühnerposten im Hambureger Münzviertel ist Gastgeber für viele Events und Gäste. Die Enttäuschung beim Inhaber der Hühnerposten Event GmbH Timo Kollmeier ist groß: „15 Jahre habe ich das Haus durch verschiedenartige Veranstaltungen mit Leben gefüllt – jetzt nutzt der Vermieter die Pandemie aus und versucht mich vor die Tür zu setzen“.

Hilfen kommen zu spät

Die vor eineinhalb Jahren einsetzende Corona-Pandemie war und ist ein schwerer Schlag für die gesamte Kultur- und Veranstaltungsbranche, so auch für den Hühnerposten. Die hohen monatlichen Mieten für die große Fläche in bester Hamburger Lage und der plötzliche Umsatzeinbruch um 100 Prozent, bedingt durch die staatliche Schließungs-Anordnung, brachten den Eventlocation-Betreiber von Beginn an in eine prekäre Situation. Während viele Vermieter mit ihren Mietern am gemeinsamen Strang ziehen und sie durch die Pandemie begleiten, muss der Hühnerposten sich auch gegen den eigenen Vermieter wehren.

Die Unterstützung der Politik mittels verschiedener Maßnahmen, beispielsweise die Stundung dreier Monatsmieten sowie verschiedene Hilfsprogramme wurden viel zu spät ausgezahlt. Dies könnte dem Hühnerposten nun zum Verhängnis werden. „Dass es bei meinen Vermietern keine Beachtung findet, dass ich auch in diesem Jahr alle Mieten bereits zur Hälfte angezahlt habe, obwohl die Überbrückungshilfe III vom Bund noch nicht geflossen ist, macht mich sprachlos,“ so Kollmeier weiter. Der Vermieter des Hühnerposten, die Immobiliengesellschaft einer Milliardärs-Familie aus dem Ruhrgebiet, versuchte bereits mehrfach, den Mietvertrag vorzeitig zu beenden und die Fläche räumen zu lassen.

 

 

Mehrfache Räumungsversuche

Zwei Versuche der Räumung konnten nur in letzter Minute abgewendet werden. Die Versuche der Räumung waren nur möglich, weil der Vermieter die Vorkehrungen des Gesetzgebers für eine Mietpreisreduzierung wegen Wegfall der Geschäftsgrundlage für nicht anwendbar erklärt. Die vom Staat zu spät ausgezahlten Überbrückungshilfen nahm der Vermieter zum Anlass, die schnelle Räumung des Hühnerpostens zu versuchen. „Durch die verspätete Auszahlung der Beihilfen gab es eine Schutzlücke, die der Vermieter gnadenlos auszunutzen versucht. Das müssen wir verhindern!“ – so Rechtsanwalt Michael Semder von der Kanzlei Dr. Schreier & Partner Rechtsanwälte, der die Hühnerposten Event GmbH anwaltlich vertritt.

Es ist nur ein Gerücht, dass der Vermieter sich einen neuen Mieter sucht. Einen Mieter, der nicht von der Corona-Pandemie betroffen ist und die volle Miete zahlen kann und muss. Damit wird der Vermieter die finanzielle Belastung der Corona-Pandemie los – Hamburg jedoch verliert die am zentralsten gelegene Eventlocation. Am Diensttag den 29.06.2021 um 13:00 Uhr wird am Landgericht Hamburg verhandelt, ob die Kündigung rechtmäßig war.

(Hühnerposten Events/KG)

 

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