degefest-TrendAnalyse

Restart aus der Corona-Krise

Die aktuelle Studie des Degefest beschäftigt sich mit der Zukunft der Tagungswirtschaft mit Corona. Klar ist, Veranstaltungshäuser und deren Angebote müssen künftig vor allem flexibler werden.

Dienstag, 03.11.2020, 12:38 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Tagung während der Corna-Pandemie

Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Veranstaltungshäuser darzustellen, hat der Verband der Kongress- und Seminarwirtschaft eine Studie initiiert. (Foto: © iStockphoto)

In den letzten 30 Jahren erlebte der Veranstaltungsmarkt einen Boom – der nun von der Corona-Pandemie gestoppt wurde. Der Degefest Verband der Kongress- und Seminarwirtschaft hat daher eine Studie initiiert, um die Auswirkungen der Krise zu untersuchen. Die „Degefest TrendAnalyse – Restart 2020/21: Via Best Practice aus der Krise“ wurde durch Prof. Dr. Jerzy Jaworski von der Fakultät für International Business an der Hochschule Heilbronn erstellt.

Im Fokus der Studie stehen der Umgang mit beziehungsweise die Erfahrungen aus der Pandemie sowie die Einschätzungen zur Zukunft durch Tagungsstätten wie Kongress- und Veranstaltungszentren, Bildungszentren sowie Häuser der Tagungshotellerie. Ganz oben rangiert hierbei die Frage, wie Kunden für die Präsenzveranstaltung vor Ort gewonnen werden können, wenn im Zuge der Pandemie reine Online-Veranstaltungen das originäre Kerngeschäft der Veranstaltungshäuser bedrohen.

Bei einem Viertel dominiert der Optimismus

Laut zwei Drittel der Befragten liegt die größte Chance für das Veranstaltungsgeschäft in neuen Formaten – besonders in partizipativen und hybriden Events. 33,9 Prozent halten verstärkte Akquisitionsbemühungen für ausreichen und ein Viertel geht sogar davon aus, dass Präsenzveranstaltungen aus sozialen Gründen „schon bald“ wieder vermehrt stattfinden – etwa im Rahmen geschlossener Veranstaltungen.

Die Zukunft liegt in der Differenzierung

Einig ist sich die Mehrheit (70,4 Prozent) jedoch darin, dass das Veranstaltungsangebot in Zukunft differenzierter gestaltet werden muss. Differenzierungsmerkmale sich laut der Studie etwa das wirtschaftliche Potential von Kunden und Hygienekonzepten sowie ein stärkerer Fokus auf lokale Firmen und Verbände. Im Bereich der Dienstleistungen liegt das Potential neben dem Streaming in mehrere Räume vor allem bei Reinigungs- und Sicherheitsdiensten.

Das Aus für große Bankettveranstaltungen

Den erhöhten Hygieneaufwand können Veranstalter jedoch nur bedingt weitergeben: Jeder Dritte gibt an, dass die Kunden nicht bereit sind, deshalb höhere Rechnungen zu bezahlen. Und auch der gastronomische Bereich stellt die Veranstaltungshäuser vor Herausforderungen. Um nicht auf diesen wirtschaftlichen Beitragsfaktor verzichten zu müssen sind portioniertes Essen, mehr Platz sowie Abstand und weniger Exklusivität im Gespräch. Darüber hinaus steht das Aus für große Bankettveranstaltungen, Buffets und Selbstbedienung im Raum. Die Befragten gehen zudem davon aus, dass Rahmen- und Begleitprogramme, Teambuilding- und Incentive-Angebote sowie der Barbetrieb in Zukunft schrumpfen werden.

Hybride Veranstaltungen im Schnell-Check

Trotz vieler Änderungen lebt die Branche vom persönlichen Miteinander auf Präsenzveranstaltungen. Die hybriden Alternativen standen daher die letzten Monate ausgiebig auf dem Prüfstand, sodass die Befragte der Degefest-Studie bereits zahlreiche positive, aber auch negative Aspekte ausmachen konnten.

Positiv zu bewerten sei etwa die Erweiterung der Teilnehmerkreise über die Raum- beziehungsweise Bestuhlungskapazitäten hinaus, die Generierung weiterer Umsätze durch das Anbieten von zusätzlichen IT-Leistungen sowie die schnellere Amortisierung von Investitionen in die Kommunikationstechnik. Veranstaltungen, die unter Umständen abgesagt werden müssen, können darüber hinaus zumindest online stattfinden. Dadurch werden auch die Personal- und Reinigungskosten geringgehalten und die Terminierung der Raumbelegung gestaltet sich flexibler.

Dem gegenüber stehen jedoch die Umsatzverluste im Vermietungsgeschäft – etwa durch geringere Teilnehmerzahlen – sowie ein Rückgang der Einnahmen im F&B-Bereich. Gleichzeitig erhöht sich der finanzielle und technische Aufwand erheblich, da neue Prozessabläufe zunächst in Mitarbeiterschulungen erlernt werden müssen und hohe Investitions- und Betreuungskosten in der IT-Technik entstehen. Durch das Risiko, das die Technik versagen könnte, entsteht zudem eine Abhängigkeit von externen Dienstleistern.

Rein digitale Veranstaltungen kaum profitabel

Die Gefahr, dass hybride Veranstaltungen künftig komplett von rein digitalen Formaten verdrängt werden, sehen die Befragten tendenziell nicht. Das liegt vermutlich daran, dass rein digitale Veranstaltungen lediglich für 16,3 Prozent der Veranstaltungshäuser profitabel sind. Dennoch sehen viele die Notwendigkeit, ihr Haus in den Bereichen Technik, Internet-Geschwindigkeit und Fachwissen des Personals aufzurüsten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Kunden werden im Hinblick auf den Hybrid-Tool-Einsatz oft (48,1 Prozent) noch als unerfahren angesehen, was einen intensiven Beratungs- und Betreuungsaufwand erfordert.

Datenerhebung

Die Daten zur Studie wurden im Rahmen einer Online-Befragung im Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte August 2020 erhoben. Befragt wurden Geschäftsführer oder Personen, die in leitenden Funktionen in deutschen Veranstaltungshäusern tätig und zugleich auch Mitglieder des Verbands degefest sind. Allen ist gemeinsam, dass sie sich seit dem Ausbruch der Covid19-Pandemie tagtäglich mit dem Management diverser Veranstaltungen unter komplett veränderten Bedingungen konfrontiert sehen.

Die Studie können Degefest-Mitglieder kostenlos beziehen. Alle Infos – auch für Interessierte – gibt es per Mail unter info@degefest.de.

(Degefest/NZ)

 

Zurück zur Startseite

Weitere Themen