„O’zapft is!“ – Oktoberfest 2026 ist gestartet
Das 191. Oktoberfest ist eröffnet. Bei sonnigem Herbstwetter kamen nach Angaben der Festleitung allein am ersten Tag rund 450.000 Gäste auf die Münchner Theresienwiese. Trotz des dichten Gedränges sprachen Polizei und Rettungskräfte von einem insgesamt ruhigen Verlauf.
Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause eröffnete die Wiesn am Samstag mit zwei Schlägen. Damit gelang ihm seine erste Anzapfpremiere. Die erste Maß erhielt traditionsgemäß Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Die Stadt München bestätigt den Anstich mit zwei Schlägen sowie den Beginn des 191. Oktoberfests am 19. September.
Fahrgeschäft bleibt mit Besuchern kopfüber stehen
Für einen Schreckmoment sorgte am ersten Abend das Fahrgeschäft „Predator“. Mehrere Besucher blieben darin für einige Minuten kopfüber hängen. Die Evakuierung habe fünf Minuten gedauert, berichtete der Betreiber des „Predator“.
„Die Leute standen etwa 120 Sekunden über Kopf“, sagte Betreiber Willy Kaiser dem Bayerischen Rundfunk. Die restliche Zeit habe man gebraucht, um alle Personen aus den Sitzen zu holen und auf den Boden zu bringen.
Grund für den Stillstand war demnach ein Sensor, der das Karussell gestoppt hatte. Dieser wurde ausgetauscht. Nach erneuter Prüfung durch den TÜV ohne Beanstandung wurde das Fahrgeschäft noch am selben Abend wieder freigegeben. Vor allem Jugendliche klagten laut der Wiesn-Sanitäter nach der Fahrt über leichten Schwindel und Kreislaufprobleme.
Der Sanitätsdienst der Aicher Ambulanz behandelte am ersten Festtag insgesamt 666 Patienten. Zu den häufigsten Gründen gehörten Alkoholvergiftungen, chirurgische Verletzungen und Kreislaufprobleme. Ein 25 Jahre alter Besucher aus Berlin brach sich zudem beim Armdrücken den Arm.
Oberbürgermeister sagt Auftritt ab
Auch Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hatte am Sonntag mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Er sagte deshalb das Anzapfen in der Bräurosl beim traditionellen Gay Sunday ab und ging nach Angaben seines Sprechers nach Hause.
Seine Anstich-Premiere im Schottenhamel hatte Krause am Vortag mit zwei Schlägen absolviert. Es gab tosenden Applaus, Lob und versöhnliche Töne vom CSU-Kontrahenten und Ministerpräsidenten Markus Söder – und dann auch noch perfektes Wiesn-Wetter. Die Stadt München bestätigte den Anstich und Krauses erstmalige Eröffnung des Oktoberfests.
„Ein Bilderbuchstart“
Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) spricht von einem „Bilderbuchstart“ in das Millionen-Spektaktel. „Für das erste Wochenende rechnen wir mit knapp einer Million Gäste. Einen besseren Auftakt kann man sich nicht wünschen.“
Das 191. Oktoberfest dauert bis zum 4. Oktober, jährlich kommen mehr als sechs Millionen Besucher auf das Volksfest, das als größtes der Welt gilt. Bereits am ersten Tag herrschte auf dem Gelände dichtes Gedränge. Mehrere Festzelte wurden am Nachmittag wegen Überfüllung geschlossen. Einige Besucher hatten bereits in der Nacht vor den Eingängen gewartet.
Krause und Söder werben gemeinsam für Olympia
Auch wenn es eine politikfreie Zone sein soll: Zum Auftakt am Samstag war das Zusammentreffen des grünen OB und des schwarzen Ministerpräsidenten mit Spannung erwartet worden. Söder, der traditionsgemäß vom Oberbürgermeister die erste Maß Bier bekommt, zeigte sich zufrieden über das Miteinander – nicht nur in der Anzapf-Boxe, sondern vor allem bei der Bewerbung Münchens als deutsche Olympia-Stadt. „Wir arbeiten da sehr gut zusammen.“ Auch Krause lobte „sehr gute und sehr verlässliche“ Zusammenarbeit.
Zur Entscheidung über die Bewerbung am 26. September fahren beide nach Baden-Baden – und wenn München das Rennen macht, hat Krause eine gemeinsame Fahrt in der Olympia Looping-Achterbahn vorgeschlagen – Söder dazu: „Dann fahren wir nicht nur Looping, dann fahren wir auch zusammen in der Geisterbahn.“
Viele Promis feiern mit
Zahlreiche Prominente feierten in den Zelten mit: Spieler, Trainer und Verantwortliche des FC Bayern stießen im Käferzelt auf die sieben Tore gegen Union Berlin an, mit dabei auch Harry Kane und Ex-Präsident Uli Hoeneß.
Unter den Gästen im Schottenhamel waren Prominente wie FC-Bayern-Star Joshua Kimmich, der mit seiner Frau Lina, Herzog Franz von Bayern und dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Lahav Shani, nach dem Anstrich an Krauses Tisch saß.
Moderator Florian Silbereisen, DJ Ötzi und das Schlager-Duo Marianne und Michael mischen sich ebenfalls unter die Feiernden – und ein paar Zelte weiter zapft Schauspieler Ralf Moeller ein erstes Fass an, auch mit zwei Schlägen.
Trachtler und Schützen ziehen zur Wiesn
Traditionell begann der zweite Festtag mit dem Trachten- und Schützenzug. Rund 9.000 Teilnehmer zogen durch die Münchner Innenstadt zur Theresienwiese. Zehntausende säumten die Straßen, um das farbenprächtige Spektakel mit Schützen, Brauereigespannen, Musikkapellen und Spielmannszügen zu sehen.
Sicherheitskonzept wurde erweitert
Nach gefährlichen Situationen infolge von Überfüllung im Vorjahr hat die Stadt das Sicherheitskonzept angepasst. Eine neue Koordinierungsstelle soll die Besucherströme auf dem Gelände beobachten, bewerten und bei Bedarf steuern.
Mehr als 50 KI-gestützte Kameras sollen größere Menschenansammlungen frühzeitig erkennen. An stark besuchten Tagen kommt zudem ein sogenannter Crowdspotter zum Einsatz, der die Besucherströme im Blick behält – und bei Bedarf Durchsagen macht.
Rund 600 Polizeibeamte sowie Hunderte Ordner sind rund um das Oktoberfest im Einsatz. Am ersten Tag registrierte die Polizei nach Angaben eines Sprechers gut 55 Straftaten und damit etwas weniger als im Vorjahr.
(dpa/SAKL)