Nahrungsmittel

Neues aus Knollywood: „Grüne Woche“ preist die Kartoffel

Bier, Schnaps, Puffer, Suppe – die „Grüne Woche“ zeigt die Vielfalt der Kartoffel. Auf einer französischen Insel kostet das Kilo 500 Euro. Warum? Dies und was die Messe vom 20. bis 29. Januar sonst noch bietet, lesen Sie hier.

Mittwoch, 11.01.2017, 12:28 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Kartoffeln mit Wackelaugen

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Als Abgesandter des Vereins Vogtländischer Knollenring wirbt Ulrich Gündel auf der Grünen Woche in Berlin (20.-29. Januar) für die Vielfalt der Kartoffel. „Wir machen Kultur mit Kartoffeln“, sagt der Landwirt. Das Programm wollen er und seine Mitstreiter auch unter dem Funkturm aufführen. „Wir haben die Kartoffel im wahrsten Sinne des Wortes zum Kulturgut erklärt.“ Hinter ihm steht der Knollenring mit seinen rund 30 Mitgliedern. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Sortenvielfalt der Kartoffel zu pflegen. Darum geht es auch bei der Grünen Woche“, sagt Vereinschef Ulrich Wenzel. Zum vierten Mal sind die Vogtländer bei der weltgrößten Agrar- und Verbrauchermesse.

Ulrich Gündel von Gündels Kulturstall baut mehr als 130 historische Kartoffelsorten an, 80 bis 90 davon gehen in die Vermarktung. Auf der Messe wird er 60 Sorten dem breiten Publikum präsentieren. Das Vogtland gilt in Deutschland als Wiege des Feldanbaus von Kartoffeln. Kartoffelschnaps, Kartoffelbier, Kartoffelpuffer, Kartoffelsuppe und noch vieles mehr – die Bandbreite der Erzeugnisse scheint unerschöpflich. „Kartoffeln sind mehr als Pommes“, sagt der Vereinschef. Es wird geschätzt, dass es weltweit rund 5000 Sorten gibt. Normale Supermarktkunden bekämen laut Wenzel nur sechs angeboten – und dazu würden sie nicht nach Namen unterschieden, sondern zwischen mehlig, überwiegend festkochend und festkochend. Diese Neuzüchtungen schmeckten alle gleich, moniert Wenzel.

Erotisch, blaufleischig oder königlich
Die historischen Kartoffeln hätten neben dem weit besseren Geschmack noch einen großen Vorteil. „Die alten Sorten sind gegen Viren resistenter“, sagt der Vereinschef. Und auch Sammler würden auf dem weiten Feld der Knollen auf ihre Kosten kommen. „Das ist unter Freaks wie Briefmarken sammeln“, meint Wenzel. Gündel hat eine Urkartoffel von den Kanarischen Inseln, „so, wie die Seefahrer sie mitgebracht haben“. Daneben gibt es die „Rosa Tannenzapfen“ („Unsere erotischste Kartoffel“), die blaufleischigen „Vitelotte“ und „Blaue Neuseeländer“ oder auch die rote „Königspurpur“. Kehrseite der Medaille: Mit 1,99 Euro für den 2,5-kg-Sack Kartoffeln wie im Supermarkt kommt man nicht weit. Für die teuerste Kartoffel der Welt, die mit Seetang gedüngte „La Bonnotte“ von der französischen Atlantikinsel Noirmoutier, wurden schon 500 Euro für ein Kilo gezahlt.

Die Grüne Woche in Berlin
Was sonst noch auf der Grünen Woche geboten wird? Die Internationale Grüne Woche Berlin zählt zu den traditionsreichsten Berliner Messen und zu den bekanntesten Veranstaltungen in Deutschland überhaupt. Im Jahr 2017 blickt sie auf eine 91-jährige wechselvolle Geschichte zurück und öffnet nun schon zum 82. Mal ihre Pforten. Keine andere internationale Ausstellung mit direkter Einbindung von jährlich hunderttausenden Konsumenten fand häufiger in Deutschland statt als die Grüne Woche. Aus einer schlichten lokalen Warenbörse hat sich die weltgrößte Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau entwickelt. Seit 1926 präsentierten sich fast 87.000 Aussteller aus 128 Ländern den 32,4 Millionen Fach- und Privatbesuchern mit einem umfassenden Produktangebot aus allen Kontinenten.

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(dpa/Grüne Woche/ph)

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