Gericht gibt grünes Licht für Aufbau der Wiesn-Zelte
Die Zelte für das Münchner Oktoberfest können trotz eines Gerichtsstreits wie geplant aufgebaut werden. Das Bayerische Oberste Landesgericht lehnte den Eilantrag eines Münchner Wirtes ab, wonach die Betreiber zweier Festzelte zunächst nicht zur Wiesn zugelassen werden sollten, wie das Gericht mitteilte.
Die Stadt könne das Paulaner-Festzelt und die Schottenhamel-Festhalle für das Oktoberfest 2026 wie vorgesehen zuteilen, erläuterte das Bayerische Oberste Landesgericht. Am 29. Juni soll der Aufbau der Festhallen starten.
Wirt: Zelte nach europäischem Vergaberecht ausschreiben
Wirt Alexander Egger hatte beantragt, die Vergabe-Praxis der Stadt München für die beiden großen Zelte zu prüfen. Aus seiner Sicht muss die Vergabe der Oktoberfest-Zelte, über die die Stadt München entscheidet, nach einem EU-Vergabeverfahren ausgeschrieben werden.
Die Vergabekammer Südbayern hatte das zurückgewiesen. Gegen diese Entscheidung legte Egger beim Bayerischen Obersten Landesgericht Rechtsmittel ein – und forderte zusätzlich in einem Eilantrag, dass die Betreiber von Schottenhamel- und Paulaner-Zelt nicht zur Wiesn zugelassen werden dürfen, bis in der Hauptsache über das Vergabeverfahren entschieden wurde. Diese Hauptsache-Entscheidung kann sich aber bis nach dem diesjährigen Oktoberfest hinziehen.
Zu der Frage, ob die Zulassungsverträge für die gastronomischen Großbetriebe für das Oktoberfest 2026 europaweit ausgeschrieben werden müssten, positionierte sich das Gericht vorerst nicht. Diese Frage bedürfe einer weiteren fundierten Prüfung und sei derzeit offen.
Allerdings sei die von Egger geforderte europaweite Ausschreibung nach dem europäischen Vergaberecht und der anschließende Aufbau einer großen Festhalle für das Oktoberfest in diesem Jahr aus zeitlichen Gründen objektiv nicht mehr möglich. Die Wiesn beginnt am 19. September.
Wirt will „gleichberechtigte Chance“
Egger hatte bereits vor Verkündung der Gerichtsentscheidung angekündigt, alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen und notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg gehen zu wollen. „Wir wollen, dass die Stadt München die begehrten Festzeltplätze künftig nach transparenten, objektiven und fairen Kriterien vergibt und damit allen leistungsfähigen Bewerbern eine reelle und gleichberechtigte Chance auf ein großes Festzelt eröffnet“, ließ Egger mitteilen.
Egger, der bisher ein kleines Wiesn-Zelt betreibt, hatte sich um ein großes Zelt beworben – ging dabei aber Medien zufolge leer aus.
Stadt München und Festleitung erleichtert
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hat die Gerichtsentscheidung zu den Wiesn-Zelten begrüßt. „Die Wiesn 2026 kann wie gewohnt stattfinden“, kommentierte Krause. „Ich bin erleichtert und freue mich sehr über die Entscheidung. Damit haben alle Wirte nun Planungssicherheit.“
Der Wirtschaftsreferent und Festleiter Christian Scharpf (SPD) sprach von einer „sehr guten Nachricht für München“. Nun stehe dem rechtzeitigen Wiesn-Aufbau ab dem 29. Juni nichts mehr im Wege. Vor allem freue er sich „für die Zigtausenden Wiesn-Besucher, die Besuche im Schottenhamel-Zelt und im Paulaner-Zelt geplant hatten, für die das Gericht nunmehr den Weg freigemacht hat“.
Auch die Wirte zweigten sich erleichtert. „Damit ist die Wiesn 2026 gesichert. Der Aufbau kann starten, darüber sind wir sehr glücklich“, sagte Christian Schottenhamel.
Dehoga: „Diese Entscheidung bringt endlich Planungssicherheit“
Auch der Dehoga Bayern begrüßt die Entscheidung des Bayerischen Obersten Landesgerichts, den Eilantrag von Alexander Egger abzulehnen. „Die Entscheidung im Eilverfahren ist rechtskräftig und schafft die dringend benötigte Planungssicherheit für das Oktoberfest 2026“, heißt es von dem Verband.
Für das bayerische Gastgewerbe und die Wiesnfamilie sei dies weit mehr als ein juristischer Erfolg: „Es ist ein klares Bekenntnis zur besonderen Identität des Oktoberfests als Münchner und bayerisches Volksfest“, erklärt der Dehoga Bayern in einer offiziellen Presseaussendung.
Die Wiesn stehe seit über 200 Jahren für Regionalität, Tradition, Gastfreundschaft, Brauchtum und bayerische Lebensfreude. Sie sei kein beliebig austauschbares Großereignis, sondern Ausdruck bayerischer Kultur und Lebensart.
„Heute ist ein sehr guter Tag“, freut sich „Dehoga Bayern“-Präsidentin Angela Inselkammer. „Diese Entscheidung ermöglicht die Durchführung der Wiesn. Die Wiesn ist weltweit einzigartig. Sie ist tief mit München und Bayern verwurzelt. Das Oktoberfest bleibt ein Fest der Regionalität, der Gastfreundschaft und der bayerischen Lebensfreude.“
„Dehoga Bayern“-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert ergänzt: „Diese Entscheidung bringt endlich Planungssicherheit für Festwirte, Schausteller, Beschäftigte und Gäste aus aller Welt. Zugleich ist sie ein starkes Signal für den Erhalt unserer Festkultur. Die Stärke der Wiesn liegt in ihrer Authentizität und regionalen Verankerung. Genau das macht ihre internationale Strahlkraft aus.“
(dpa/Dehoga Bayern/SAKL)