Protest-Aktion

Gastgeberkreis demonstriert am Deutschen Bundestag

Die Initiative Gastgeberkreis weist mit einer außergewöhnlichen Aktion auf die prekäre Situation in der Gastronomie hin.
Die Initiative Gastgeberkreis weist mit einer außergewöhnlichen Aktion auf die prekäre Situation in der Gastronomie hin. (Foto: © Initiative Gastgeberkreis)
Frustenbraten, Große Grütze mit Ungleichheitssoße und Wutsprudel: Mit Gerichten, die mit leeren Versprechungen der Politiker verziert wurden, machte der Gastgeberkreis am Deutschen Bundestag auf die prekäre Situation in der Gastronomie aufmerksam.
Dienstag, 11.05.2021, 15:12 Uhr, Autor: Martina Kalus

Am gestrigen Montag hat der Gastgeberkreis, eine Initiative aus über 200 kleinen und großen Gastronomen, mit einer spektakulären Inszenierung direkt am Deutschen Bundestag in Berlin auf die derzeit sehr schwierige Situation ihrer Branche aufmerksam gemacht. Dazu wurde die bekannte Wurstbude „Wurst am Brandenburger Tor“ für einen Tag zur Gedenkstätte der deutschen Gastronomie umgebaut. Im „Das letzte Ma(h)l“ boten sie spezielle und äußerst unverdauliche Gerichte an, die aus Zeitungsüberschriften mit Versprechen der Politiker der letzten Monate „gekocht“ wurden.

Leere Versprechungen der Politik

„Currywurst  mit  Perspektivlosigkeitssoße“  als  Snack  des  Tages,  „Frustenbraten“  als  Hauptgericht und  als  Nachtisch  „Große  Grütze  mit  Ungleichheitssoße“  –  das  Ganze  heruntergespült  mit  einem Glas „Wutsprudel“. Klingt alles ungenießbar und unverdaulich und genau das ist auch die Botschaft, die der Gastgeberkreis an  den  Deutschen  Bundestag sendete. Denn verziert mit leeren Versprechungen der Politik, die sich in den letzten Monaten angehäuft haben, zeigten alle Gerichte eines: Sie können keine leeren Mägen füllen und lassen die Gastronomie am langen Arm verhungern.

100 Prozent Entschädigung gefordert

Mirko Silz,  CEO  der  FR  L’Osteria  SE  und  Mitinitiator  des  Gastgeberkreises: „Die  Gastronomie  ist eines der Sonderopfer dieser Pandemie. Unverschuldet sind wir in Not geraten. Wir fordern daher, dass wir zu 100 Prozent  für  alle  Verluste  entschädigt  werden. Konkret bedeutet das, dass die Überbrückungshilfe 3 nicht nur, wie von den Herren Altmeier und Scholz angekündigt, bis Ende des Jahres zeitlich  verlängert  werden  soll,  sondern  in  Anlehnung  an die  Hilfen  aus  dem  November/Dezember 2020 via Schadensausgleich auch über die aktuellen Schwellenwerte des EU-Beihilferechtes geleistet werden müssen. Immer noch warten nicht wenige Gastgeber auf die versprochenen Ausgleich-zahlungen. Gern würden wir schnellstmöglich wieder für unsere Gäste da sein wollen, dürfen es aber nicht.“

Aktion soll Gehör verschaffen

Vor allem auch die kleineren und zum Teil familiengeführten Gastro- und Hotelbetriebe leiden unter der Situation und zeichnen einen düsteren Gesamtblick auf die Branche. „Mir ist es wichtig, mit dieser Aktion auch einmal allen Mitarbeitern im Hotel- und Gastronomiegewerbe Gehör zu verschaffen. Viele von ihnen haben seit über einem Jahr keine Möglichkeit, ein Einkommen zu erzielen und orientieren sich in großen Teilen beruflich um. Unsere Branche droht daher auszubluten“,  äußert sich Kerstin Rapp-Schwan, Geschäftsführerin der SCHWAN Restaurants in Düsseldorf.

Die gesamte Aktion „Das letzte Ma(h)l“ war eine einmalige Inszenierung für einen Tag und wurde unter den geltenden Corona-Bestimmungen durchgeführt.

(Gastgeberkreis/MK)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Franziska Giffey
Entbürokratisierung
Entbürokratisierung

Das plant Berlin im neuen Gaststättengesetz

Weniger Bürokratie, längere Öffnungszeiten: Ein neues Gesetz soll Berlins Gastronomie entlasten und den Service für Gäste verbessern. Was sich für Betreiber und Besucher ändern könnte.
Daniel Günther, Olaf Lies und Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann mit einer Grünkohlpflanze beim Oldenburger Grünkohlessen
Tradition
Tradition

Olaf Lies ist neuer Grünkohlkönig in Berlin

Beim traditionsreichen Oldenburger Grünkohlessen wurde Niedersachsens Ministerpräsident zum neuen Regent der Veranstaltung gekürt. Rund 280 Gäste aus Politik und Wirtschaft nahmen teil.
Visualisierung des geplanten a&o Hostels an der Rudi-Dutschke-Straße nahe Checkpoint Charlie in Berlin, Eröffnung 2027.
Expansion
Expansion

a&o plant 2027 größtes Hostel Europas in Berlin

In Berlin-Kreuzberg entsteht nahe dem Checkpoint Charlie ein neuer Standort der Hostelkette. Das ehemalige Bürogebäude soll rund 610 Zimmer und insgesamt 2.500 Betten bieten.
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, bei einem Pressetermin
Branchenlage
Branchenlage

Wegner: Krieg beeinflusst ITB und Tourismus

Zum 60-jährigen Bestehen der Messe äußert sich Berlins Regierender Bürgermeister zu den Folgen des Kriegs im Nahen Osten. Die Auswirkungen auf den internationalen Reiseverkehr sind bereits deutlich spürbar.
Touristin in Berlin
Übernachtungszahlen
Übernachtungszahlen

Berlin verpasst 30-Millionen-Marke bei Übernachtungen

Berlin verzeichnet 2025 weniger Gäste und Übernachtungen als im Vorjahr. Für das laufende Jahr zeigen sich Visit-Berlin-Chef Kieker und Senatorin Giffey jedoch zuversichtlich – aus folgenden Gründen.
Anne Schiefer und Georgia Leontopoulou mit Frank Ketterer und Tobias Koppisch
Event
Event

GreenSign Future Lab 2026: Die nachhaltige Hospitality trifft sich in Berlin

Nachhaltigkeit trifft Hospitality: Das GreenSign Future Lab geht 2026 in die zweite Runde und bringt vom 23. bis 25. November Entscheider aus Hotellerie und Gastronomie im Hotel Bristol Berlin zusammen. Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Strategien, Innovationen und echter Dialog für eine zukunftsfähige Branche.
Licht in den Fenstern des Congress Hotels neben dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz formen ein Herz.
Demonstration
Demonstration

Lichterkette für Erhalt des Congress Hotels Chemnitz

Vor wenigen Tagen wurde die Schließung des wohl markantesten Hotels in Chemnitz bekannt. Das plötzliche Aus geht vielen nahe – nicht nur die Beschäftigten sorgen sich um die Zukunft des früheren Interhotels. 
Philip Ibrahim und Conny Doß
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

Warum das Moa Berlin künftig ohne Franchise-Logo agieren will

Nach zehn Jahren löst sich das Moa Berlin aus dem Accor-Franchise. Im Interview mit HOGAPAGE erklären Conny Doß, Director Commercial & Strategy, und General Manager Philip Ibrahim die Hintergründe – und welche Strategie hinter der Neupositionierung als hybrider „Urban Hub“ steckt.
Kohlroulade vom Kalb
Einladung zur Begegnung
Einladung zur Begegnung

„Wir kochen Heimat“: Nobelhart & Schmutzig startet neue kulinarische Serie

Was ist eigentlich Heimat? Diese Frage hat sich das Team des Berliner Speiselokals Nobelhart & Schmutzig in den vergangenen Wochen gestellt. Die Antwort: Eine neue kulinarische Serie mit dem Namen „Wir kochen Heimat“.