Gastronomen-Stimmen

Wie Spitzenköche in die Zukunft blicken

Das Gastgewerbe im Lockdown: Wie sehen bekannte Gastronomen ihre wirtschaftliche Lage? Wie halten sie durch? Womit machen sie sich selbst und anderen Mut?

Mittwoch, 27.01.2021, 10:32 Uhr, Autor: Thomas Hack
Vincent Klink

Vincent Klink, deutscher Koch, Autor, Herausgeber und Verleger von kulinarischer Literatur und Fernsehkoch. (©picture alliance / Erwin Elsner | Erwin Elsner)

Auch die deutsche Spitzengastronomie ist von den Corona-Maßnahmen stark betroffen. Wie die Top-Gastronomen ihre wirtschaftliche Lage beurteilen und weiterkämpfen, lesen Sie hier:

Vincent Klink: „Stellenwert der Gastronomie hat zugenommen“

Der bekannte Spitzenkoch Vincent Klink vom Restaurant „Wielandshöhe“ ruft dazu auf, die Webseiten im Internet zu beobachten, „denn bei der Regierung ist das Durcheinander nicht unerheblich“, der Gesetzgeber könne noch öfter einen Haken schlagen. Trotz der momentanen Lokalschließungen sieht Klink die Zukunft optimistisch. „Ich zwinge mich dazu, guten Mutes nach vorne zu schauen. Ich kann es ja nicht ändern. Wenn wir wieder öffnen dürfen, verspreche ich mir eine gute Zukunft, da habe ich keine Angst.“ Der Stellenwert der Gastronomie werde ihm zufolge nach dem Lockdown zugenommen haben. „Die Leute lernen gerade, was wirklich wichtig ist. Und die Restaurants werden dabei sein.“

Ronny Siewert: „Es geht von Null auf Hundert“

Gleichermaßen optimistisch in die Zukunft blickt der Sternekoch Ronny Siewert in Heiligendamm an der Ostsee nahe Rostock: „Wir hoffen, dass die Gastronomie zu Ostern wieder öffnen darf und dann kurz darauf die Hotellerie.“ Er sei zuversichtlich. „Wenn nach mehreren Monaten Lockdown die Tore aufgehen, geht es von Null auf Hundert.“

Matthias Finkbeiner: „Wir hoffen auf das Frühjahr“

Auch im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn sieht man die wirtschaftliche Lage als gesichert, aber mit unsicherer Perspektive“, so Juniorchef Matthias Finkbeiner. Es fehle momentan eine verlässliche Rechengrundlage. „Kommen die versprochenen Hilfen, oder kommen sie nicht? Wir wissen es immer noch nicht. Und mit dieser Unsicherheit kann man einfach schwer planen.“ Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Politik gerade die großen Arbeitgeber, die das Auskommen vieler Mitarbeiter sichern müssten, so lange im Unklaren lasse. „Wir hoffen auf das Frühjahr, auf besseres Wetter, auf geduldige Gäste und solche, die nach der langen Zeit des Verzichts auf viel Schönes, langsam aber sicher wieder reisefreudiger werden.“

Jörg Frankenhäuser: „Mehr-Gänge-Menüs zum Mitnehmen“

Der Potsdamer Sternekoch Jörg Frankenhäuser hat Mehr-Gänge-Menüs zum Mitnehmen im Angebot. 120 Euro kostet das dann pro Person. Frankenhäuser ist selbst ein wenig überrascht, wie sein Restaurant die Monate des Lockdowns überstanden hat. Er musste nach eigenen Angaben lediglich zu Beginn der Pandemie seine Mitarbeiter für zwei Wochen in Kurzarbeit schicken. Entwickelt hat er nach eigenen Angaben Gerichte, die der Gast zu Hause nicht „verhunzen“ kann. Per Videoanleitungen sei alles genau vorgegeben: wie die einzelnen Komponenten erhitzt oder auf dem Teller angerichtet werden. In etwa 20 Minuten sei alles servierbereit. Für das To-go-Angebot seien intensiv soziale Medien genutzt worden. 30 bis 40 Prozent der Kunden seien Gäste, die bislang nicht zum Publikum des Sterne-Restaurants gehörten. (dpa/TH)

 

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