Interview

Unfallschutz im Gastgewerbe: Was genau macht eigentlich die BGN?

Michael Wanhoff
Pressesprecher und Leiter Kommunikation der BGN, Michael Wanhoff. (Foto: BGN)
Tag für Tag gehen Gastronomen und Hoteliers zur Arbeit. In heißen Küchen und beim Bedienen passiert schnell mal ein Unfall. Für derartige Arbeitsunfälle ist in unserer Branche die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) als gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Aber was genau macht die BGN eigentlich?
Donnerstag, 09.08.2018, 08:55 Uhr, Autor: Markus Jergler

Für Quereinsteiger und neue Auszubildende ist es wichtig, über alle relevanten Aspekte des Arbeitsschutzes informiert zu werden. Dazu gehört natürlich auch das Procedere bei Arbeitsunfällen. Wir haben mit Michael Wanhoff gesprochen, Pressesprecher bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe, und einmal nachgefragt, wofür die BGN genau zuständig ist.

Was ist die Hauptaufgabe der BGN und wann ist sie genau zuständig?
„Die Hauptaufgaben sind Prävention und Rehabilitation. Die BGN sorgt in der Prävention für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie für eine wirksame Erste Hilfe. Nach Eintritt eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit hat sie in der Rehabilitation die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Versicherten mit allen geeigneten Mitteln wiederherzustellen. Gegebenenfalls entschädigt sie die Versicherten oder ihre Hinterbliebenen durch Geldleistungen.“

Wie viele Unfallmeldungen landen jährlich bei der BGN und welche Unfälle sind im Gastgewerbe am häufigsten?
Bei der BGN gehen jährlich rund 200.000 Unfallmeldungen und Anzeigen auf den Verdacht einer Berufskrankheit ein. Über 470 Millionen Euro zahlte die BGN in der Folge alleine im Jahr 2017 an Entschädigungsleistungen, also an ihre Versicherten, wiewohl nicht jede Meldung sich letztlich als Versicherungsfall herausstellt. Stolper- und Sturzunfälle, Schnittverletzungen und Unfälle auf dem Arbeitsweg stehen beim Unfallgeschehen in der Gastronomie auf den vorderen Rängen.

Welche Pflichten hat ein Arbeitgeber, beispielsweise ein mittelgroßes Hotel in der Großstadt, gegenüber seinen Angestellten und Auszubildenden?
Der Unternehmer selbst trägt die Verantwortung, dass erforderliche Maßnahmen zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter getroffen werden. Grundlagen für erfolgreichen Arbeitsschutz sind an erster Stelle die Gefährdungsbeurteilung und die Unterweisung der Mitarbeiter. Bei der Entscheidung, welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden können, unterstützt ihn seine Berufsgenossenschaft.

Gibt es Ausnahmen für Praktikanten, Saisonarbeiter oder Auszubildende? 
Nein. Jeder, der in einem Arbeits-, Ausbildungs- oder Dienstverhältnis steht, ist kraft Gesetzes versichert. Der Versicherungsschutz besteht ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht, Familienstand, Nationalität, Entgelt und auch ohne Rücksicht darauf, ob ein Betrieb die Beiträge zur Berufsgenossenschaft gezahlt hat oder nicht.

Welche Leistungen bietet die BGN für Betriebe im Gastgewerbe an?
Die Leistungen der BGN sind in Rehabilitation und Prävention umfassend. Immer gilt der Grundsatz „Mit allen geeigneten Mitteln“. So betreuen speziell ausgebildete Reha-Manager schwere Versicherungsfälle vor Ort. Techniker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Arbeitsmediziner beraten Unternehmer in ihren Betrieben. Die BGN hat umfassende, branchenbezogene Arbeitsschutzprogramme entwickelt und bietet, auch regional, zahlreiche kostenlose Seminare für die Mitglieder an. Die Themen reichen von A wie „Arbeitsschutzorganisation“ über H wie „Housekeeping“ und S wie „Schutz vor Gewalt und Übergriffen“ bis hin zu Z wie „Zeitmanagement“.

Über die BGN
Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) mit Sitz in Mannheim ist die gesetzliche Unfallversicherung unter anderem für das Hotel- und Gaststättengewerbe. Alle Beschäftigten aller Mitgliedsbetriebe sind kraft Gesetzes bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten bei der BGN versichert – zurzeit über 3,7 Millionen Menschen in rund 400.000 Betrieben. (MJ)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Ein Koch in der Küche blickt auf sein Smartphone
Präventionskampange
Präventionskampange

BGN-App für mehr Sicherheit und Gesundheit im Betrieb

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) hat eine neue App herausgebracht, mit der Mitgliederbetriebe ganz einfach selbst überprüfen können, wie es um die Arbeitssicherheit und die Gesundheit im eigenen Unternehmen bestellt ist.
Ester Pauly erklärt im HOGAPAGE Interview wie Betriebe mehr Auszubildende anlocken können. (Foto: P!ELmedia)
Interview
Interview

Nachwuchsmangel: „Ausbildungsqualität ist entscheidend“

Das Thema ist alt, aber aktuell. Der Personal- und Nachwuchsmangel im deutschen Gastgewerbe. Warum hält er sich so hartnäckig und wie lässt er sich lösen? Wir haben Ester Pauly, Verantwortliche im Bereich Öffentlichkeitsarbeit im Gastronomischen Bildungszentrum Koblenz gefragt.
Geschäftsmann mit Maske in Büro an Telefon
Betrug
Betrug

Ordnungsamt zockt Gastronomen ab – 3 ½ Jahre Haft für Beamten

Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes hat seine Position bei der Stadt skrupellos ausgenutzt und zahlreiche Gastronomen durch Betrug um ihr Geld gebracht. Dabei soll es um fast 1 Millionen Euro gehen.
Absperrband mit Aufschrift: "crime scene - do not enter"
Ratgeber
Ratgeber

Krisenmanagement für Hotels und Restaurants

In Hotels und Restaurants ist stets ein hohes Maß an Organisation gefragt. Besonders zur Rush-Hour darf nichts schief gehen. Aber was macht man, wenn wirklich einmal der Worst Case eintritt und beispielsweise der Strom ausfällt oder jemand vom Essen krank wird?
Herz ich bin ein Berliner
Anteilnahme
Anteilnahme

So zeigen Gastronomen und Hoteliers in Berlin ihre Trauer

Wie reagieren die Gastronomen, Hoteliers und Geschäftsleute rund um die Berliner Gedächtniskirche auf Facebook und Websites auf den Terroranschlag? Hier einige Beispiele.
John K. Tuwei, Director International Projects State Department TVET, Sebastian Groth, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kenia, Samuel Waititu, Chief Principal, The Kiambu National Polytechnic (KINAP), Horst Bauernfeind, Projekt Manager, GIZ Kenia, Reem Alabali Radovan, Bundesministerin für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Catherine Karanja, Geschäftsführerin Berufsbildung und Fachkräftesicherung, Horst Bauernfeind, Projekt Manager, GIZ Kenia, künftige Auszubildende.
Kenia-Projekt
Kenia-Projekt

Talent Gateway stärkt Ausbildung im Gastgewerbe

Reem Alabali Radovan, die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hat sich in Kenia über das Projekt Talent Gateway informiert. Die Initiative verknüpft Nachwuchskräfte mit Ausbildungsplätzen in Deutschland und soll perspektivisch ausgeweitet werden.
Gläser mit Softdrink
Gesundheits-Sparpaket
Gesundheits-Sparpaket

Zuckersteuer soll kommen – Folgen für die Gastro

Das Bundeskabinett hat ein Gesundheits-Sparpaket auf den Weg gebracht. Damit rückt auch eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke näher – mit möglichen Auswirkungen auf das Gastgewerbe.
Koch erklärt Auszubildenden in einer professionellen Küche Zubereitungsschritte
Qualitätsmonitoring
Qualitätsmonitoring

Berufsbildung stärkt das Gastgewerbe

Hotellerie und Gastronomie leben von Können, Tempo und Gastorientierung. Genau deshalb entscheidet die Qualität der beruflichen Bildung immer stärker über Service, Produktivität und Fachkräftesicherung. Eine Debatte um Qualitätsmonitoring zeigt, warum das Thema für Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Gastgewerbe weit über klassische Ausbildungspolitik hinausgeht. 
Speisekarte
Kritik
Kritik

Verbände warnen vor Tierhaltungslogo für die Gastronomie

Auch in Restaurants, Kantinen oder Imbissen soll künftig ein Logo zur Tierhaltung zu finden sein – so die Pläne der schwarz-roten Koalition. Verbände aus Gastronomie, Industrie und Handwerk lehnen das Vorhaben entschieden ab.