Interview

Innovatives Konzept: Energie sparen mit Outdoor-Küche

Auf die steigenden Energiepreise hat das The Hearts Hotel mit einer kreativen Idee reagiert: Seit Juni hat es seine Abendküche nach draußen verlagert. Doch wie viel Energie kann eine solche Outdoor-Kitchen einsparen? Und wie finden Gäste eine solche Abendküche? Diese Fragen beantwortet Geschäftsführer Meik Lindberg im Interview mit HOGAPAGE. 

Montag, 22.08.2022, 16:05 Uhr, Autor: Sarah Kleinen
Terrasse The Hearts Hotel

Seit Anfang Juni hat das The Hearts Hotel seine Abendküche nach draußen auf die Terrasse des Hauses verlegt. (Foto: © The Hearts Hotel)

Mike Lindberg
Mike Lindberg, Geschäftsführer des Hearts Hotels (Foto: © The Hearts Hotel)

Herr Lindberg, mit der Outdoor-Kitchen hat das The Hearts Hotel auf die aktuelle Situation der steigenden Energiepreise reagiert. Wie genau soll durch das Verlegen der Abendküche nach draußen Energie eingespart werden?

Aufgrund der geografischen Lage unseres Hotels im Mittelgebirge Harz sind wir anderen Witterungen ausgesetzt. Auf mehr als 600 Höhenmetern erreichen wir schnell kühle Temperaturen im Hochsommer. Daher sparen wir mit der Outdoor-Kitchen einen Teil des Wärmeverbrauchs ein, der im Innenraum benötigt wird. Eine große Einsparung haben wir außerdem im Stromverbrauch. Die Küche hat extrem hohe Nutzwerte: Dampferhitzer, Herdplatten oder die Abluftanlagen seien hier nur beispielhaft erwähnt. Mit der Outdoor-Kitchen arbeiten wir unter freiem Himmel und nutzen als Energiequelle vor Ort gefälltes Buchenholz.

Wie viel Energie konnte durch die Outdoor-Kitchen bisher eingespart werden?

Wir haben die Outdoor-Kitchen von Juni bis September in Betrieb. Da die Witterungen in diesem Zeitraum stark schwanken, lässt sich keine verlässliche Hochrechnung darstellen. Im direkten Vergleich zwischen dem allgemeinen Verbrauch unseres Restaurant Leo’s zur Outdoor-Kitchen schätzen wir für die gesamten vier Monate, eine Energieeinsparung im Bereich Strom und Wärme auf mehr als 8.000 kWh.

Welche weiteren Vorteile bringt die Outdoor-Kitchen?

Neben der Energieeinsparung von ca. 3.000 Euro (Juni-September) konnten wir auch den Personaleinsatz reduzieren. Die Außenküche bedarf aufgrund der Vereinfachung der Vorgänge, wie z. B. der kompakten Menüauswahl, weniger Aufwand im Service und der Vorbereitung.

Welche Maßnahmen mussten ergriffen werden, um die Abendküche nach draußen zu verlegen?

Wir hatten bereits eine Grundversorgung von Wasser, Strom und Abwasser im Außenbereich, sodass wir Mobiliar (Edelstahlküche), Überdachung und die Feuerstelle zu den größeren Anschaffungskosten zählen. Die Sitzflächen im Außenbereich waren bereits vorhanden.

Wie waren die Reaktionen der Gäste auf die Outdoor-Kitchen?

Die Resonanz der Gäste, das Einsparungspotential durch die Verlegung nach draußen zu nutzen, ist durchweg positiv. In Gesprächen mit Gästen machen wir auf die Energiesituation aufmerksam und auch hier ist das Feedback stets verständnisvoll. Wir haben uns entschieden, das Restaurant unter freiem Himmel bis zum 24. September in Betrieb zu lassen. Wir stellen auch an kühleren Sommerabenden fest, dass unsere Gäste das Angebot genießen und sich im Zweifel mit wärmerer Kleidung oder den von uns gestellten Decken helfen. An einzelnen Tagen ist der Andrang zu hoch, sodass wir das Restaurant ausschließlich unseren Hotelgästen zur Verfügung stellen können. Der Umschlag an Verkaufsportionen liegt deutlich über den bisherigen Werten unseres Restaurants Leo’s. Wir haben uns zudem bereits entscheiden, die Outdoor-Kitchen auch im kommenden Sommer (2023) für einen Zeitraum von vier  Monaten anzubieten. Das aus der Not entstandene Konzept ist nachhaltig, passt in die Zeit und ist gastronomisch etwas Neues, worauf sich Gäste gern einlassen. Kein Indikator, aber eine Feststellung: Die Hälfte unserer Gäste fotografieren das Essen und einen Teil der Umgebung. Wir sind in Social Media zwar viel gewohnt, aber die Resonanz in den sozialen Medien war in dieser Hinsicht wirklich überwältigend.

Im Winter wird ein Verlegen der Abendküche nach draußen etwas schwieriger. Wie will das Hearts Hotel dann Energie einsparen?

Unser gesetztes Ziel ist die Einsparung von mehr als 15 Prozent des sonst üblichen Energieverbrauchs. Wir haben dazu Verbrauchsprotokolle erstellt. Ein Großteil kommt durch die Wärmeeinsparung. Unsere zwei großen Veranstaltungsräume fahren wir auf einen Minimalwert herunter und wir haben eine thermische Verschließung dieses Bereiches vorgesehen. Rund 300 Quadratmeter Fläche bleiben damit kalt und werden nur bei ausreichender Buchungslage erwärmt. Wir können technisch eine maximale Temperatur je Zimmer bestimmen und mittels Serverbasierter-Steuerung (Dezentral) individuell anpassen. Dadurch sparen wir Wärmebrauch in unseren Zimmern ein. Die aktuelle Situation in Spanien gibt beispielhaft eine Tendenz vor, auf welche wir uns auch in Deutschland einstellen sollten. Wir gehen davon aus, dass ab Herbst der Gasverbrauch auf Basis der Istwerte der Vergangenheit gedeckelt wird. Darüber hinaus liegende Verbräuche werden um ein Vielfaches erhöht berechnet. Daher setzen wir unsere Zimmer auf eine Mindesttemperatur, die unseren Gästen angenehm ist und der Situation angepasst ist. Eine konkrete Grad-Celsius-Angabe können wir heute noch nicht bestimmen, gehen aber von einem Wert im Tagesbereich von maximal 21 Grad über die Nacht von 17 Grad aus. Sollte der Gast höherliegende Temperaturen wünschen, kann er dies im Buchungsvorgang als Extras dazukaufen oder an der Rezeption gegen einen Aufpreis freischalten lassen.

(SAKL)

Weitere Themen