Harte Arbeitsbedingungen

Gastro: „Drogen sind in unserer Branche normal“

Der Todesfall des Promikochs Paulie Giganti, der mit 36 Jahren an einer Überdosis gestorben ist, entfacht erneut Diskussionen um den Drogenkonsum in der Gastronomie. Leider sind illegale Rauschmittel in der Gastro keine Seltenheit.

Donnerstag, 04.05.2017, 15:13 Uhr, Autor: Markus Jergler
Mann zieht Kokain mit Geldschein durch die Nase

Der Promikoch Paulie Giganti starb mit 36 an einer Überdosis Drogen. (Foto: © Focus Pocus LTD / fotolia)

Ein Hauptgrund für den Konsum von Drogen dürften natürlich die langen Arbeitszeiten sein. Wenn man regelmäßig 12 Stunden oder sogar noch länger arbeitet geht das unweigerlich an die Substanz. Nachtschichten und Einsätze an Sonn- und Feiertagen fordern ihren Tribut. Um das durchzustehen, sind aufputschende und wachmachende Helfer für viele anscheinend der letzte Ausweg. Koks ist dabei wohl besonders verführerisch, denn der Stoff hat nicht nur eine extrem wach machende, sondern auch eine sehr stark euphorisierende Wirkung. Jemand der kokst, ist davon überzeugt, dass er alles schafft. Außerdem fühlt man sich wach, fit und ist mit unglaublichem Eifer bei der Sache.

Leider hört man immer wieder von Drogenmissbrauch innerhalb der Gastronomie. Erst Ende April ist der aus Gordon Ramsays TV-Sendung „Hells Kitchen“ bekannte Koch Paulie Giganti aus Philadelphia an einer Überdosis gestorben. „Es war ein Unfalltod durch eine versehentliche Überdosis von Drogen“, gab Jim Garrow vom Institut für Gerichtsmedizin von Philadelphia bekannt. Auch in Deutschland sind Drogen immer wieder ein Thema. Ein 29-jähriger Barkeeper aus Berlin sagte gegenüber dem Online-Magazin bento: „Ich bin 29 und arbeite an der Bar eines Szene-Restaurants in Berlin mit 300 Plätzen. Nach zehn Jahren in der Gastronomie kann ich sagen: Drogen sind in unserer Branche normal.“

Laut diesem Interview werde Koks vor allem in den Küchen konsumiert, denn dort seien die Schichten besonders lang und die Arbeit extrem viel. Stundenlang muss bei voller Konzentration gearbeitet werden. Das würden viele ohne chemisches Hilfsmittel nicht durchhalten. Die Tatsache, dass qualifiziertes Fachpersonal immer seltener zu finden ist und immer weniger Menschen immer mehr Arbeit verrichten müssen, fördert diese Entwicklung natürlich zusätzlich. Eine Umfrage aus dem Jahr 2013 zeigt, dass zwei Drittel aller Gastronomen bereits bei der Arbeit mit Drogen zu tun hatten. Etwa die Hälfte davon sogar öfter. Über 70 Prozent aller Befragten gaben an, dass die Gefahr, in der Gastronomie an einer Sucht (Rauchen, Alkohol) zu erkranken, höher ist als in anderen Berufsgruppen. Etwa 60 Prozent sind der Meinung, dass man in der Gastronomie hinsichtlich Drogenkonsum einer höheren Gefahr ausgesetzt ist.

Fakt ist: Die derzeitige Entwicklung bezüglich des sich verschlechternden Personal- und Azubimangels führt zu einer drastischen Verschlechterung der Suchtproblematik. Druck und Stress in Gastronomie und Hotellerie nehmen für den einzelnen Arbeitnehmer immer mehr zu. Damit wächst auch die Versuchung zu Tabak, Alkohol oder gar zu Drogen zu greifen. (bento/hotelling.net/MJ)

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