Branchenstimme

Ein Appell an die Gäste

Viele Servicekräfte und Gastgeber geben in Zeiten des Fachkräftemangels alles dafür, ihren Gästen schöne Momente zu bescheren, stellen eigene Bedürfnisse oftmals hinten an und das, obwohl so mancher Besucher einen harschen Ton an den Tag legt.  „Bitte mehr Respekt“, fordert daher Gastroexperte Frank Simmeth.

Donnerstag, 06.10.2022, 08:37 Uhr, Autor: Frank Simmeth

Frank Simmeth appelliert an Gäste, respektvoll mit den Mitarbeitern des Gastgewerbes umzugehen. (Foto: © WWW.FOTO-CONSTANCE-GRUBER.DE)

„Ich warte schon seit über fünf Minuten!!!!“ schreit der Gast die Mitarbeiterin wutentbrannt an. Der Stuhl ist umgekippt, der Gast hochrot angelaufen und die Mitarbeiterin hat Tränen in den Augen…

Was sich hier anhört wie die Einleitung eines billigen Taschenromans, ist leider traurige Realität! Erlebt vor ein paar Tagen im Biergarten unseres Partners im schönen Beilngries. Ich selbst bin aufgrund dieser Situation völlig fassungslos. Sag mal, hat hier irgendwer den Schuss nicht gehört? Hat irgendjemand noch nicht mitbekommen, vor welchen Herausforderungen die Gastronomie und Hotellerie gerade steht?

Den Spiegel vorgehalten bekommen

Corona und die Nachwehen haben dafür gesorgt, dass an allen Ecken und Enden wichtige Hände fehlen, um voll leistungsfähig zu sein oder auch um plötzliche Spitzen abzudecken. Um das irgendwie zu meistern, gehen gerade unzählige Mitarbeiter in den Restaurants, Biergärten, Hotels, Bars, in Küche wie im Service tagtäglich an ihre Grenzen und oftmals weit darüber hinaus. Konkret gesagt: Viele Servicekräfte und Gastgeber geben gerade alles dafür, damit Gäste etwas zu trinken bekommen, ohne oft stundenlang selbst etwas zu trinken.

Umgekehrt hat doch gerade die Coronazeit aufgezeigt, wie wichtig die Gastronomie und Hotellerie für Seele, Glück und Wohlbefinden der Menschen wirklich ist. Jetzt ist auch die Zeit, vielleicht ein wenig liebevoller und mit mehr Mitgefühl mit den Menschen umzugehen, die gerade alles geben, diesen Service Tag für Tag zu leisten. Mitgefühl ist übrigens eines der wenigen Dinge, die uns im wahrsten Sinne menschlich machen. Im Gegensatz zur Empathie erfordert Mitgefühl ja Verständnis und damit die Bereitschaft, sich in sein Gegenüber einzudenken.

 

„Ich will aber was – und ich will es jetzt sofort!“, ist nicht nur das Verhaltensmuster eines/einer Fünfjährigen, sondern im wahrsten Sinne asozial (der griechische Präfix „a“ bedeutet so viel wie „un“ oder „gegen“). Servicekräfte zu erniedrigen, zu entwerten oder herablassend zu behandeln, überschreitet einfach eine rote Linie. Im Grundgesetz steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und das gilt eben auch für uns Gastgeber. Auch wenn ich mir Nachrichten zurzeit ansehe, weiß ich nicht, ob es wirklich das größte Problem auf dieser Welt ist, wenn jemand 5 Minuten auf ein Getränk warten muss…

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