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So erkennt man gute Influencer

Immer öfter sorgen in letzter Zeit öffentlich ausgetragene Dispute zwischen Bloggern und Hoteliers/Gastronomen für Kurzweil. Doch können Kooperationen mit wirklichen „Beeinflussern“ durchaus Sinn machen.

Mittwoch, 24.04.2019, 12:28 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Symbolbild Influencer-Marketing

Mit Influencer-Marketing nicht nur virtuelle Likes sondern reale Gäste anzuziehen ist zumindest das Ziel. (© fotolia.com/PikePicture)

Influencer können eine Plage sein. Vor allem in der Top-Hotellerie müssen sich die Verantwortlichen oft täglich mit Anfragen von Leuten auseinandersetzen, die von sich behaupten, mit ihren Storys und Blogs zehntausende, hunderttausende oder sogar Millionen von Followern zu erreichen. Als „Sternefresser“ und „Parasiten“ hat etwa 3-Sterne-Koch Juan Amador einmal wenig charmant das Gros der Foodblogger bezeichnet. „Die meisten sind überhaupt nicht mächtig. Da sind die Leute selbst schuld, wenn sie sich darauf einlassen.“ Leider steigt –zumindest gefühlt – der Anteil der Influencer, die unseriös agieren, mit falschen Zahlen arbeiten oder einfach nur so mal ihr Glück versuchen, einen kostenlosen Aufenthalt zu ergattern.

Doch können gute Blogger auch ein Gewinn sein. Social Media Influencer können als Teil des Marketing Mix dafür sorgen, dass passgenaue Botschaften an die für einen Betrieb relevanten Zielgruppen in großer Reichweite dort gestreut und registriert werden, wo Kommunikation heute verstärkt abläuft: auf Kanälen wie Instagram, Facebook, YouTube, Twitter. Und nicht immer ist die reine Zahl an Followern ausschlaggebend. Auch kleine Accounts, sogenannte „Micro-Influencer“ mit nur einigen tausend Followern, könnten wertvoll sein, wenn sie über die richtige Zielgruppe verfügen.

Aber wie finde ich nun seriöse Influencer aus dem Dickicht der Blogger-Szene? Die Marketing-Experten Alexander Rus (www.evergreenmedia.at), Mario Vogelsteller (www.mario-vogelsteller.de) und Anne M. Schüller (www.anneschueller.de) geben dazu folgende Tipps:

Recherche, Vorbereitung
Bekannte Reise- oder Foodblogger identifizieren (Google-Suche).

Sortierhilfen
Welche Themen bedient der Influencer, passen sie zum Betrieb, zu den Marketingkampagnen? Räumlicher Bezug? Stimmen die Zielgruppe des Influencers mit jener des Betriebs überein (z.B. Familienblog versus Luxushotel)? Welche Mikro-Influencer gibt es (Mikro-Influencer haben zwar eine kleinere, dafür aber klar umrissene Gefolgschaft, die die Influencer-Tipps genauer liest und eher umsetzt)?

Bedeutungscheck (Quantität & Qualität)
Wie viele Follower hat er/sie? (Achtung Fake: Follower und Links kann man kaufen, Check-Tools: www.socialblade.com, www.influencerdb.net), Reichweite (Mit wie viel Personen kann der potenzielle Influencer Kontakt aufnehmen?), Neutralität (Inwieweit hat er ein glaubwürdiges Interesse am Promoten einer Botschaft?), Frequenzhäufigkeit (Wie oft hat er die Möglichkeit, andere in ihrer Entscheidung zu beeinflussen?) Expertise (Wie hoch ist seine fachliches Urteilsvermögen, die entsprechende Sache zu promoten?), Überzeugungskraft (Wie stark bewirkt sein Zuspruch eine tatsächliche Entscheidung Dritter?), Engagement (Mit wie viel Herzblut ist er üblicherweise bei der Sache?), Finanzierbarkeit (Wird sein Engagement etwas kosten? Und wenn ja, was und wie viel?), Lebenslauf des Influencers googeln (Professionalitätsgrad: A-oder B-Influencer). Wenn Bloggerkooperationen für Linkbuilding im Bereich SEO eingesetzt werden, sind zudem Anzahl und Qualität der Backlinks interessant.

Liste erstellen, Akquise
Die zehn relevantesten Influencer für den eigenen Betrieb suchen, ein Angebot ausarbeiten (z.B. Content-Offer), 2-3 Influencer anschreiben.

Und wer solche Entscheidungen lieber auslagert: Gute PR-Agenturen haben inzwischen nicht nur einen Überblick über relevante Magazine, Zeitungen oder Rundfunk-Sender, sondern auch über tatsächlich einflussreiche Influencer.

 

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