Mega-Deal: Unilever prüft Verkauf seiner Lebensmittelsparte
Der britische Konzern Unilever prüft derzeit den Verkauf seiner Lebensmittelsparte. Wie das Unternehmen am Freitag bestätigte, liegt ein Angebot für das Lebensmittelgeschäft vor. Aktuell führt Unilever demnach Gespräche mit dem US-Gewürzhersteller McCormick & Company.
„Der Vorstand ist der Ansicht, dass die Lebensmittelsparte ein äußerst attraktives Geschäft mit einem starken finanziellen Profil ist, das von marktführenden Marken in wachsenden Kategorien geprägt wird, und ist zuversichtlich bezüglich der Zukunft der Lebensmittelsparte als Teil von Unilever“, erklärte Unilever in einer offiziellen Stellungnahme.
Ein Abschluss der Verhandlungen sei allerdings noch offen. Das Unternehmen betonte, dass „keine Sicherheit besteht, dass es zu einer Einigung kommt“.
Zu der Lebensmittelsparte von Unilever gehören bekannte Marken wie Knorr, Pfanni, Mondamin und Hellmann’s Mayonnaise, die sowohl im Einzelhandel als auch im Außer-Haus-Markt eine zentrale Rolle spielen.
Möglicher Milliarden-Deal
Die Gespräche könnten zu einem milliardenschweren Deal führen. Marktschätzungen deuten darauf hin, dass die Division mit mehreren zehn Milliarden Dollar bewertet werden könnte.
Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg könnte die Transaktion als sogenannter „Reverse Morris Trust“ umgesetzt werden – eine in den USA gängige Fusionsstruktur, die steuerfrei gestaltet werden kann. Eine endgültige Vereinbarung steht jedoch noch aus.
Die Aktie von Unilever legte im frühen Handel um bis zu 1,9 Prozent zu. In den vergangenen zwölf Monaten verzeichnete der Kurs jedoch ein Minus von rund fünf Prozent.
Nach schwachen Geschäftszahlen trennte sich Unilever im Februar 2025 von Vorstandschef Hein Schumacher. Die Nachfolge übernahm Finanzchef Fernando Fernandez, der den Konzern seither konsequent neu ausrichtet. Sein Fokus liegt auf wachstumsstärkeren Bereichen wie Körperpflege und Haushaltsreiniger, die 2025 rund doppelt so stark zulegten wie das Lebensmittelgeschäft.
Druck auf große Markenhersteller nimmt zu
Das Lebensmittelgeschäft von Unilever erzielte im Jahr 2025 rund 12,9 Milliarden Euro Umsatz und machte damit etwa ein Viertel des Konzernumsatzes aus. Die operative Gewinnmarge lag bei 22,7 Prozent. Analysten der Investmentbank Jefferies bewerteten die Lebensmittelmarken von Unilever mit rund 31 Milliarden Euro.
Der mögliche Verkauf steht auch vor dem Hintergrund eines wachsenden Wettbewerbsdrucks in der Branche. Große Lebensmittelkonzerne wie Unilever oder Nestlé sehen sich mit einer schwächeren Nachfrage konfrontiert, da viele Verbraucher angesichts knapper Budgets vermehrt zu günstigeren Handelsmarken greifen. Zudem wirkt sich der Trend zu Abnehmmedikamenten aus, da Konsumenten insgesamt weniger oder bewusster essen.
Die Lebensmittelsparte von Unilever habe größere Schwierigkeiten gehabt als Wettbewerber wie Nestlé oder Danone, sich an veränderte Verbrauchertrends anzupassen, erklärte Joachim Klement, Analyst bei der Londoner Investmentbank Panmure Liberum. Ein Verkauf könnte dem Management daher die „dringend benötigte Fokussierung“ ermöglichen.
Nach einem Verkauf würden bei Unilever vor allem Marken aus den Bereichen Körperpflege und Haushalt verbleiben – darunter Axe, Dove, Signal sowie Reiniger wie Viss und Domestos. Diese Segmente erwirtschaften zusammen einen Umsatz von rund 38 Milliarden Euro, wobei etwa 70 Prozent auf Körperpflege und rund 30 Prozent auf Haushaltsprodukte entfallen.
Strategische Neuausrichtung
Die möglichen Verhandlungen stehen im Kontext einer umfassenden Neuausrichtung von Unilever. In den vergangenen Jahren hat Unilever bereits Teile seines Geschäfts veräußert oder ausgegliedert.
Seit Jahren baut Unilever beispielsweise sein Lebensmittelportfolio schrittweise um und trennt sich von weniger profitablen Marken. Bereits 2018 verkaufte der Konzern sein Margarinegeschäft mit Marken wie Rama, Lätta und Becel für 6,8 Milliarden Euro an den Finanzinvestor KKR. 2022 folgte der Verkauf des Großteils des Teegeschäfts mit Marken wie Lipton und Pukka an den Investor CVC für 4,5 Milliarden Euro.
Im Jahr 2023 hatte der damalige CEO Hein Schumacher angekündigt, das Markenportfolio von rund 400 auf etwa 30 Schlüsselmarken zu verschlanken. In der Folge wurden unter anderem Unox, Tomato al Gusto sowie die Fleischersatzmarke The Vegetarian Butcher veräußert.
Sein Nachfolger Fernando Fernandez setzte den Umbau fort und gliederte das Eiscremegeschäft mit Marken wie Magnum, Ben & Jerry’s und Cornetto aus. Das neu geschaffene Unternehmen „The Magnum Ice Cream Company“ wurde Ende Dezember an die Börse in Amsterdam gebracht. Unilever hält weiterhin knapp 20 Prozent der Anteile, die in den kommenden Jahren weiter reduziert werden sollen.
(Unilever/Handelsblatt/Invezz/SAKL)