Aal adé: 90 Prozent der Relais-&-Châteaux-Häuser verzichten darauf
Was auf den ersten Blick wie eine einzelne Menüentscheidung wirkt, ist Teil einer größeren Nachhaltigkeitsstrategie: Relais & Châteaux will den Umgang der Gastronomie mit gefährdeten Arten verändern. Nach Angaben der Hotel- und Restaurantvereinigung verzichten inzwischen 90 Prozent der weltweit 580 Mitgliedshäuser auf Aal.
41 Prozent der Häuser haben den Aal demnach aktiv von ihren Speisekarten gestrichen. Die Initiative geht auf einen Aufruf des World Culinary Council von Relais & Châteaux und die Kampagne „Aal, nein danke“ der Organisation Ethic Ocean zurück, der sich die Vereinigung 2023 angeschlossen hat.
Der Europäische Aal wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Nach Angaben von Relais & Châteaux ist sein Bestand innerhalb von vier Jahrzehnten um rund 90 Prozent zurückgegangen. Als Ursachen gelten unter anderem Überfischung und illegale Fischerei, aber auch Staudämme und Umweltverschmutzung.
Relais & Châteaux und der Aal
580 Mitgliedshäuser umfasst das internationale Netzwerk
65 Länder und fünf Kontinente sind vertreten
90 % der Häuser verzichten nach Angaben der Vereinigung auf Aal
41 % haben Aal aktiv von ihren Speisekarten gestrichen
2023 schloss sich Relais & Châteaux der Kampagne „Aal, nein danke“ an
IUCN-Status: Der Europäische Aal gilt als vom Aussterben bedroht
Von der Speisekarte bis zur Politik
Relais & Châteaux will es allerdings nicht beim freiwilligen Verzicht der eigenen Mitgliedshäuser belassen. Die Vereinigung kündigte an, sich im Herbst gemeinsam mit Ethic Ocean erneut an die EU-Minister zu wenden.
Gefordert werden Maßnahmen zum Schutz des Europäischen Aals und ein Verbot der Aalfischerei, bis sich die Bestände erholt haben. Damit will die Organisation auch politische Rahmenbedingungen für den Artenschutz beeinflussen.
„Eine gefährdete Art nicht mehr zu servieren, ist ein konkreter Beitrag zum Artenschutz und sendet zugleich ein starkes Signal an die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette“, sagt Mauro Colagreco, Vizepräsident Küchenchefs von Relais & Châteaux.
Nachhaltigkeit beginnt beim Terroir
Um die Verbindung zwischen Küche, regionalen Produkten und Biodiversität stärker in den Mittelpunkt zu rücken, traf sich der World Culinary Council mit 20 Küchenchefs aus dem internationalen Netzwerk in Lissabon.
Auf dem Programm stand unter anderem ein Besuch des Oeste UNESCO Global Geoparks und des Biosphärenreservats Berlengas. Dabei ging es um die Frage, wie Küchenchefs ihre regionale Küche stärker mit dem Schutz der Ökosysteme verbinden können.
Der Ansatz reicht damit über einzelne Zutaten hinaus. Relais & Châteaux sieht die Gastronomie als Teil des jeweiligen regionalen Ökosystems – von Landwirtschaft und Fischerei bis hin zu lokalen Traditionen und dem Naturraum, aus dem die verwendeten Produkte stammen. Biosphärenreservat Berlengas. v.l.n.r. Gabriel Kreuther, Joseph Rhee, Joseph Espuga, Jason Bangerter, Kyle Connaughton, Mauro Colagreco, Jef Schuur, Oihana Subijana, Cédric Béchade, Frédéric Doucet, Gary Yin, Shinichiro Takagi, Gaetano Trovato, Norman Brandt, Peter Tempelhoff, Jacques Pourcel, Stéphane Décotterd. Foto: 
Mit dem World Culinary Council will Relais & Châteaux die Erfahrungen seiner Küchenchefs bündeln und daraus Maßnahmen für eine nachhaltigere Gastronomie entwickeln.
(Relais & Châteaux/KAGI)