Kita-Verpflegung

Schweinefleisch-Verbot schlägt immer größere Wellen

Das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit. Doch wie viel Rücksicht ist auf die religiösen Gebote zu nehmen? Ein Fall aus Leipzig schlägt solche Wellen, dass der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime zur Mäßigung mahnen.

Donnerstag, 25.07.2019, 10:10 Uhr, Autor: Thomas Hack
Ein Kind in einer Kita-Kantine

Nach Bekanntwerden eines Schweinefleisch-Verbots in zwei Kitas postierte die Polizei aus Sorge einen Streifenwagen vor den Einrichtungen. Jetzt schalten sich auch die Zentralräte der Juden und Muslime ein. (© Viacheslav Iakobchuk/ anatolir/Archivector/Fotolia)

In der Debatte über den Verzicht auf Schweinefleisch in Kitas aus Rücksicht auf muslimische Kinder haben jetzt die Zentralräte der Juden und der Muslime vor Überreaktionen gewarnt. „Das Letzte, was wir brauchen, ist Hetze gegen Minderheiten, nur weil in einer Einrichtung über den Speiseplan nachgedacht wird“, ließ etwa der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, dieser Tage verlauten. Grundsätzlich halte er es für positiv, dass mit höherer Sensibilität als früher darüber nachgedacht werde, religiöse Gepflogenheiten oder Bedürfnisse von Minderheiten zu berücksichtigen: „Ich denke allerdings, dass ein Verbot von Schweinefleisch übers Ziel hinaus geschossen wäre.“

„Empörungswelle höher als bei Bombendrohungen!“

Zwei Kitas in Leipzig hatten angekündigt, fortan mit Rücksicht auf muslimische Kinder kein Schweinefleisch mehr auf den Speiseplan zu setzen und etwa auf Gelatine in Süßigkeiten zu verzichten. Nach einer massiven öffentlichen Debatte nahmen die Einrichtungen kurzentschlossen davon aber wieder Abstand. Fromme Muslime sollen nach den Regeln des Islams kein Schweinefleisch essen. Der Zentralrat der Muslime thematisierte am Mittwoch vor allem die dadurch ausgelöste Empörung. „Erstaunlich, welch angebliche Rücksichtnahmen erfolgen, obgleich sie nicht mal von Muslimen ausgehen. Und wie die Empörungswelle um ein Vielfaches höher ist als bei den derzeitigen, schrecklichen täglichen Schändungen und Bombendrohungen gegen deutsche Moscheen von mutmaßlich Rechtsradikalen“, erklärte Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland.

Heftige Reaktionen der AfD

Josef Schuster sprach von einer „aufgeregten Debatte“ und riet zu mehr Gelassenheit: „Es reicht meines Erachtens, wenn Kindern, die aus verschiedenen Gründen ein bestimmtes Essen nicht zu sich nehmen können, eine Alternative angeboten wird. Das gilt ja zum Beispiel auch für Allergiker. Jüdische Kinder, die sich koscher ernähren, wissen, dass sie normale Gummibärchen nicht essen können oder nicht mit ihren Freunden beim Fast-Food-Restaurant einkehren. Das gehört zu ihrem Alltag. Sie empfinden das aber nicht als Diskriminierung.“ Nach Bekanntwerden der Pläne der Kitas folgte bundesweit eine hitzige Debatte. Besonders heftig reagierte die AfD. Aber auch die CDU sprach von einer inakzeptablen Entscheidung. Die Polizei postierte aus Sorge einen Streifenwagen vor den beiden benachbarten Einrichtungen. Der Leiter der Kitas ruderte schließlich angesichts der massiven Kritik zurück – und setzte den Verzicht auf das Schweinefleisch zumindest vorerst aus. Zugleich äußerte er sein Unverständnis über die Aufregung. Denn die Mehrheit der Eltern habe diese Entscheidung begrüßt.

 

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