Kinderessen im Gastgewerbe

Dem Winnetou-Schnitzel geht es an den Kragen

Eine neue Initiative will Kindermenüs in Gastronomie und Hotellerie aus der Schnitzel-Pommes-Pizza-Ecke holen und gesunde, kindgerechte Alternativen in den einzelnen Betrieben umsetzen.

Montag, 06.05.2019, 14:44 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Bunter Kinder-Speisekarte

Auch das Auge isst mit. Gerade bei Kindern wird daher auf die entsprechende Gestaltung der Speisekarte viel Wert gelegt.

Wer kennt die typischen Kinder-Speisekarten in Hotels und Restaurants nicht? Schnitzel mit Pommes, (Fertig-)Pizza, Spaghetti oder Würstel sind die Standards, versehen mit klingenden Namen wie „Winnetou“, „Biene Maja“, „Pumuckl“ & Co. Gesund ist dabei in aller Regel anders. Statt Vitaminen und Ballaststoffen sind die Hauptbestandteile oft eher Zucker und Fett. Kein Wunder wenn in Europa bereits ein knappes Drittel der Elfjährigen übergewichtig ist, bei den Erwachsenen sind es sogar über 40 Prozent.

Das will eine neue Initiative namens SIPCAN jetzt ändern, wie im Zuge eines Pressegespräches in Wien erläutert wurde. Seit über zehn Jahren setzt man sich dort für ein gesundheitsförderndes, kindgerechtes Speisen- und Getränkeangebot ein, das auch schmeckt und gerne angenommen wird. Über 150.000 Kinder hätten bereits davon profitiert, in erster Linie durch eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit vielen Schulen österreichweit. Als nächsten Schritt bietet SIPCAN auch Unterstützung für die Gastronomie und Hotellerie an, und zwar in einer gemeinsamen Initiative mit kids&fun consulting, einem Unternehmen für strategisches Kindermarketing. Denn auch in Hotels, Restaurants oder Raststätten sollen Familien aus gesunden, kindgerechten Speisen wählen können.

„Trend geht an der Gastronomie vorbei“
Es kann nicht sein, dass in der täglichen Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung etwa an Schulen bundesweit regelmäßig Maßnahmen für eine gesunde Ernährung von Kindern gesetzt werden, dieser Trend an der Gastronomie aber oft spurlos vorbeigeht“, meint etwa der Ernährungswissenschafter und SIPCAN-Mitarbeiter Dr. Manuel Schätzer. Und das soll sich eben durch die neue Initiative ändern.

Mit Maß und Ziel, das die Bedürfnisse und Vorlieben der Zielgruppe nicht aus den Augen verliert, soll auch auf einer Kinderkarte ein optimiertes Angebot geschaffen werden, das keinesfalls fad und geschmacklos ist. „Von großer Bedeutung ist da natürlich auch geeignetes, kindgerechtes Marketing. Eine eigene, attraktive Kinderspeisekarte drückt Wertschätzung aus und ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich die Küche Gedanken macht und sich der Verantwortung bewusst ist. Der ‚Geschmack‘ der Kinder muss hier genauso getroffen werden wie die Erwartungen der Eltern“, erklärt Kinder- und Familien-Marketingexpertin Mag. Ursula Weixlbaumer-Norz.

Regelmäßige Überprüfung
Wer also in Zukunft „ausgezeichnetes Kinderessen“ anbieten möchte und auch die Auszeichnung mit einem gleichlautenden Label anstrebt, den wollen die Experten dabei unterstützen, und zwar von der Erstellung eines (auf die Möglichkeiten des Betriebes abgestimmten) Speiseplanes bis zur Gestaltung einer entsprechenden Speisekarte. Betriebe, die die Vorgaben erfüllen erhalten dann für jeweils ein Jahr das Label „Ausgezeichnetes Kinderessen“ verliehen, das auch regelmäßig durch Mystery-Checks geprüft wird. Die Kosten für Betreuung und Zertifizierung hängen vom Umfang der Leistung ab und beginnen bei 500 Euro/Betrieb. Auch interessierte Hotels oder Lokale aus Deutschland oder der Schweiz können sich gerne melden. Zu den Hotels, die bereits erfolgreich mit dem System arbeiten gehören etwa das „Albona Nova“ in Zürs, das „Edelweiß“ in Großarl oder das Vitalhotel der Parktherme in Bad Radkersburg. Infos: https://www.sipcan.at/start-ausgezeichnetes-kinderessen.html oder https://www.ausgezeichneteskinderessen.at/.

 

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