Gemeinschaftsverpflegung

Berlin führt kostenloses Mensa-Essen ein

Ab 1. August ist das Mittagessen in der Mensa für Berliner Schüler kostenlos. Während sich der Senat stolz über diese Vorreiterrolle zeigt, mehren sich auf der anderen Seite die Bedenken einer sauberen Umsetzbarkeit. 

Mittwoch, 31.07.2019, 13:03 Uhr, Autor: Thomas Hack
Jemand holt sich Essen von einer Mensatheke.

Ab sofort dürfen alle Berliner Schüler kostenlos in der Mensa speisen, sofern sie sich höchstens in der sechsten Klasse befinden. (© Masson/Fotolia)

Ab dem 1. August 2019 dürfen alle Berliner Schüler in ihren Schuleinrichtungen kostenlos in der Mensa speisen, sofern sie sich höchstens in der sechsten Klasse befinden. Auch am Nachmittag gibt es kostenloses Essen, und zwar für alle Hortkinder der ersten beiden Klassen. Nach Einschätzungen der Berliner Finanz- und Bildungsverwaltung soll dieses Konzept jährlich 225 Millionen Euro in Anspruch nehmen – in einem hochverschuldeten Bundesland. Das Abgeordnetenhaus hatte das Gratis-Mittagessen Anfang April mit den Stimmen der rot-rot-grünen Koalition beschlossen. Mit diesem Großprojekt sollen auch Kinder aus Familien mit wenig Geld die Chance auf eine warme Mahlzeit haben. Gleichzeitig – so die Idee – soll die Qualität der Speisen besser werden. Laut Bildungsverwaltung betrifft das Angebot, das faktisch mit dem ersten Schultag am 5. August gilt, bis zu 198.000 Grundschüler. Berlin ist mit dem kostenlosen Mittagessen bundesweiter Vorreiter, doch könnten andere Kommunen bald folgen.

Kritische Stimmen warnen vor „erheblichen“ Problemen

Es sind dieser Tage jedoch auch kritische Stimmen zu hören: Kurz vor dem Start des kostenlosen Mittagessens warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) jetzt vor erheblichen Problemen bei der Umsetzung. Viele Schulen seien auf das neue Angebot und die erwartbare Zunahme der Essensteilnehmer nicht vorbereitet, so die GEW-Landesvorsitzende Doreen Siebernik. Die räumlichen und personellen Voraussetzungen seien nicht an allen Schulen vorhanden. „An diversen Schulstandorten wird es beim Essen nicht um mehr Qualität gegen, sondern um das Motto ’satt und sauber'“, sagte Siebernik. In manchen Schulen werde es zwischen 11.00 und 14.00 Uhr sechs Essensdurchgänge geben. Für die Schüler werde es heißen: Schnell essen und aufstehen, weil die nächsten schon warten. Das habe ihr zufolge nichts mehr mit einer vernünftigen Mittagspause zu tun. Weil die Zahl der Schüler beim Mittagessen an manchen Schulen stark steige, sich womöglich sogar verdoppele, hätten diese sogar platzsparende Möbel angeschafft, berichtete Siebernik weiter. In einer Schule etwa stünden in der Mensa jetzt Hocker statt Stühle, um gleichzeitig 120 statt bisher 80 Schüler verköstigen zu können.

 

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