Weihnachten muss nicht deftig sein

An immer mehr Orten: Komplett vegane Weihnachtsmärkte

Panorama vom Wintertollwood bei Nacht
Auch auf dem Winter-Tollwood in München gibt es zahlreiche vegane Angebote. (Foto: Andy Ilmberger/fotolia)
Weihnachtsmärkte –  darunter verstehen die meisten Deutschen gemütliche Stimmung mit Bratwurstsemmel, Gans, Fischspezialitäten, Eierpunsch und anderen Leckereien. Doch bundesweit entstehen auch immer mehr Weihnachtsmärkte, die ausschließlich vegane Produkte verkaufen.
Dienstag, 05.12.2017, 08:37 Uhr, Autor: Markus Jergler

Ein Kunde ist neugierig geworden, aber er muss nachfragen: „Die Bohnen da, was ist das?“ Manchmal gibt es bei Speisen wie Bohnen mit Gemüse oder Puff-Puff-Champignons noch Erklärbedarf im vegetarisch-veganen Esszimmer auf Münchens etwas anderem Weihnachtsmarkt Winter-Tollwood. Dabei gibt es die Alternativen zu Bratwurst und Gans dort schon zum dritten Mal für Veganer, Vegetarier und interessierte Fleischesser. Einige Weihnachtsmärkte in Deutschland sind inzwischen sogar komplett vegan, sie kommen also ohne tierische Produkte aus.

Fast überall vegane Stände
„Das ist auf jeden Fall ein Trend und wird jedes Jahr mehr“, », sagt Wiebke Unger, Sprecherin von ProVeg, dem früheren Vegetarierbund Deutschland. So gebe es dieses Jahr bundesweit 15 vegane Märkte, im Jahr zuvor seien es erst zehn gewesen. Die Nachfrage sei groß, und das Angebot auf den Märkten sei eine Möglichkeit, auf tierfreie Speisen aufmerksam zu machen „und in geselliger Runde neue Sachen auszuprobieren“ . „Schausteller reagieren ja immer sehr früh auf Trends“, sagt auch Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes. So sei es auch mit den Bereichen Vegan und Bio. Zumindest ein veganer oder vegetarischer Stand sei inzwischen auf den meisten Weihnachtsmärkten vertreten. Meist werden Ritter zufolge vegane Speisen angeboten, aber auch Kleidung sei vermehrt zu finden.

Wie in Unterfranken: Dort lockt der Alternative Weihnachtsmarkt in Würzburg mit veganen, fair gehandelten und nachhaltigen Produkten. Den Organisatoren vom Verein Veganes Würzburg geht es dabei allerdings am wenigsten um das vegane Essen. Denn: „Vegan sein ist eine Lebenseinstellung. Das hat was mit Respekt, Toleranz und Mitgefühl zu tun. Das Wichtigste ist, dass es allen gut geht. Und das versuchen wir auch auf unserem Weihnachtsmarkt zu transportieren“, sagte Vereinsvorstand Oliver Volkmuth. Von Kondomen aus Naturkautschuklatex über Taschen und Geldbörsen aus aussortierten Jeans bis hin zu Bambuszahnbürsten und Tofupressen aus Edelmetall – mehr als 30 Stände soll es am zweiten Advent im Burkardshaus in der Würzburger Innenstadt geben. Der Verein will aber niemanden mit Macht auf seine Seite ziehen, betont Volkmuth: „Wir sind keine Missionare. Wir wollen nicht mit Brechstange arbeiten. Wir wollen Lösungen aufzeigen und zum Denken anstoßen.“

Vielfältiges Angebot
Geschmacksnachteile beim Essen sieht ProVeg-Sprecherin Unger im Vergleich zu den herkömmlichen Marktspezialitäten nicht. Der Glühwein an den Ständen des Kölner Weihnachtsmarktes zum Beispiel sei grundsätzlich vegan, und „der schmeckt weiter gut“. Zu den Angeboten zählten außerdem etwa vegane Lebkuchen und Tofubratwürste. Und im „Grünen Café“ im Tollwood-Zelt in München werden vegane Rüblimuffins angeboten, mit Karotten, Mandeln, Vanilleschoten und Dinkelmehl.

In der „African Cuisine“ geht es mit Kokosmilch, Mango-Curry, Kochbananen, Teigtaschen mit Voodoo-Sauce und Anousi, einem Senf-Zwiebel-Zitronensaft-Gemisch, exotischer zu. Insgesamt hätten sich die vegan-vegetarischen Angebote gut etabliert, sagt Tollwood-Sprecherin Christiane Stenzel. Spätzlemeister Jürgen Braren ist das erste Mal dabei. Rein vegan ist das Angebot des Münchners, der seit 40 Jahren als Koch arbeitet, aber nur beim Tollwood. In der Münchner Innenstadt verkauft er Bio-Bratwürste auf dem Christkindlmarkt. Viele Kunden hätten dort allerdings nach vegetarischen Würsten gefragt. Er meint: „Das Wichtigste ist: Es muss schmecken.“ (dpa/MJ)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Frau isst einen Burger und hält einen grünen Smoothie in der Hand, draußen in einem Gastronomie-Umfeld.
Verzichtstrend
Verzichtstrend

Veganuary & Dry January: Was das für die Gastro heißt

Immer mehr Gäste starten mit veganer Ernährung oder alkoholfrei ins neue Jahr – der bewusste Verzicht prägt die Nachfrage. Der Dehoga Hessen sieht darin primär Chancen für Restaurants, die ihr Angebot zeitgemäß erweitern.
Flusskreuzfahrtschiffe auf einem Fluss in Rheinland-Pfalz vor einer Stadt mit Kirche und Burg.
Trendcheck
Trendcheck

Tourismustrends 2026 in Rheinland-Pfalz: Wellness, alkoholfreier Wein und KI-Buchung

Das Bundesland setzt dieses Jahr auf Entschleunigung, neue Genussangebote und moderne Buchungstechnologien. Auch Flusskreuzfahrten und das Ahrtal bleiben stark gefragt.
Internorga in Hamburg
Messe
Messe

Internorga FoodZoom zeigt die wichtigsten Trends für Gastronomie und Hotellerie

Essen, Reisen, Genießen: Die Welt der Gastfreundschaft ist in Bewegung. Der FoodZoom 2026 zeigt, welche Trends unseren Alltag in den kommenden Jahren prägen und gibt einen Vorgeschmack auf Innovationen, die vom 13. bis 17. März 2026 live in Hamburg auf der Internorga erlebt werden können.
Familie sitzt auf Hotelbett und plant mit einer Landkarte einen Trip
Report
Report

Reisetrends für deutsche Reisende in 2026

Ein neu veröffentlichter Report von Hilton zeigt: Deutsche Gäste reisen bewusster denn je. Erholung, Markenvertrauen und bereichernde Erlebnisse stehen klar im Fokus – und Hoteliers können von diesen eindeutig formulierten Bedürfnissen profitieren.
Rezeptionistin begrüßt Gast
Entwicklungen
Entwicklungen

Fünf Trends im Hotelvertrieb für 2026

Der Reisemarkt ist im Wandel: Steigende Kosten, der Fachkräftemangel und der wachsende Einfluss von Künstlicher Intelligenz verändern die Rahmenbedingungen im Hotelvertrieb spürbar. Welche Themen und Herausforderungen beschäftigen die Hotellerie im Jahr 2026?
Junger Koch garniert Gericht auf Teller
Arbeitsmarkt-Trend
Arbeitsmarkt-Trend

Genz Z setzt auf sichere Ausbildungswege

Eine neue Umfrage zeigt: Die Generation Z sucht Sicherheit, Sinn und klare Perspektiven – und entdeckt praktische Ausbildungsberufe wieder für sich. Auch Gastronomie und Hotellerie profitieren von diesem Trend.
EIn Koch arbeitet mit Gemüse, eine Küchenhilfe schaut ihm über die Schulter
Barometer
Barometer

Arbeitsmarkt zeigt zum Start 2026 wieder Aufschwungssignale

Der Beschäftigungsausblick für den Start ins neue Jahr zeigt ein Plus und viele Branchen senden erstmals wieder positive Signale. Auch für Arbeitgeber im Gastgewerbe könnte das neue Bewegung in den Bewerbermarkt bringen.
Karin Tischer
Trendanalyse
Trendanalyse

Internorga FoodZoom 2026: Trendanalyse erstmals mit erweitertem Fokus

Auch im kommenden Jahr präsentiert Trendforscherin Karin Tischer den Internorga FoodZoom – doch 2026 geht die Analyse einen Schritt weiter: Neben Food- und Beverage-Trends rücken erstmals auch die Themen Design und Digitalisierung in der Küche in den Fokus.
Gruppe beim Essen
Analyse
Analyse

Gastronomie-Trends für 2026: Essen gehen wird bewusster und emotionaler

Für mehr als die Hälfte der Deutschen wird Essen gehen eher ein besonderes Erlebnis als eine regelmäßige Gewohnheit – ein Trend, der die Branche 2026 prägen wird.