Neue Studie

Hat alkoholfreier Wein eine Chance?

„Alkoholfrei“ liegt im Trend – den Schluss lassen zumindest die steigenden Absatzzahlen der Bierbranche in diesem Marktsegment zu. Doch wie sieht es im Weinbereich aus?

Freitag, 19.04.2019, 10:44 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Grafik zur Akzeptanz von AF-Wein

Dass AF-Wein bei den Kunden auch geschmacklich gut ankommt, mag manche Experten überraschen. (© Carta.eu 2019 Erststudie: Marktanalyse alkoholfreier Wein)

Wie hoch ist der Bekanntheitsgrad, der tatsächliche Konsum und das zu erwartende Potenzial von alkoholfreiem Wein? Um diesen und weiteren Fragen nachzugehen, hat die Speyerer PR-Agentur Carta zusammen mit der Hochschule Heilbronn und dem Heilbronner Institut für angewandte Marktforschung die erste Marktanalyse zum Thema alkoholfreier Wein in Deutschland durchgeführt. Die Anfang Januar im Rahmen einer Online-Umfrage gewonnen Ergebnisse wurden in Form einer Bachelor-Thesis ausgewertet und liegen nun als „Carta-Studie“ vor.

Die Ergebnisse überraschen: 72 Prozent der in der Erststudie befragten 1001 Teilnehmer haben bereits von alkoholfreiem Wein gehört und knapp 30 Prozent haben ihn schon getrunken. Von den befragten Konsumenten bewerteten 51 Prozent den Geschmack von alkoholfreiem Wein als sehr gut bis gut. Weitere 33 Prozent stuften dessen Geschmack als mittelmäßig ein. Mit 86 Prozent entsprechend hoch ist auch der Anteil der Konsumenten, die erneut alkoholfreien Wein trinken würden. Als die drei definitiven Hauptgründe für den Konsum von alkoholfreiem Wein geben die Teilnehmer der Umfrage die Beteiligung am Straßenverkehr (34,4 Prozent), gesundheitliche Gründe (22,6 Prozent) sowie Schwangerschaft und Stillzeit (21,1 Prozent) an. Und wie sieht es mit dem Interesse von potenziellen Neukunden aus? Hier gaben mehr als die Hälfte der Befragten, die noch nie alkoholfreien Wein getrunken haben, an, dass sie diesen gerne einmal probieren würden.

Viel Potential
Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass es durchaus Potenzial für alkoholfreien Wein gibt. Legt man jedoch die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte Käuferreichweite für alkoholfreien Wein von 0,6 Prozent aller potenziellen Konsumenten zugrunde (November 2017 bis Oktober 2018; GfK, Daten Hochschule Heilbronn), kann man festhalten, dass alkoholfreier Wein in Deutschland derzeit noch keine Rolle spielt und hier viel Potenzial brach liegt. Im Vergleich zur Bierbranche, die dem Trend hin zu alkoholfreien Produkten seit Jahren Rechnung trägt: Der Absatz alkoholfreier Biere entsprach laut GfK im Jahr 2017 7,4 Prozent der gesamten Bierproduktion.

Nun kann man anführen, dass dem alkoholfreien Wein mit dem Entzug des Geschmacksträgers Alkohol etwas Essenzielles entnommen wird. Wie die Carta-Studie jedoch zeigte, sind die Konsumenten mit dem Geschmack der alkoholfreien Weine mehrheitlich sehr zufrieden. Man muss also kritisch hinterfragen, ob die Weinbranche das sich hier bietende Potenzial schlichtweg ignoriert. Es gibt kaum sachliche Informationsvermittlung zu dem Thema, wenig ansprechende Werbepräsenz und die flächendeckende Verfügbarkeit und Auswahl von alkoholfreien Weinen ist nur geringfügig gegeben. „Mit unserer Carta-Studie wollen wir den Grundstein für weitere Entwicklungen in diesem Bereich liefern“, erläutert Ulrich Zehfuß, Inhaber der Agentur Carta, die die erste Studie über alkoholfreien Wein in Deutschland in Auftrag gegeben hat.

 

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