Weinbau

Britische Winzer holen auf

Die Weinindustrie in Großbritannien war bisher nur schwach ausgeprägt. Doch Klimawandel und Inlandstourismus treiben die Branche voran. Nun hofft man auch auf gesteigerten Export.

Donnerstag, 18.03.2021, 10:01 Uhr, Autor: Kristina Presser
Nahaufnahme von Männerhänden, die blaue Weintrauben halten

Wein von den Britischen Inseln? Das soll es künftig verstärkt geben, davon geht der Branchenverband Wine & Spirit Association aus. (Foto: ©Lucky Business/stock.adobe.com)

Noch ist die Weinbranche in Großbritannien eher klein – aber nicht mehr lange, wenn es nach dem Verständnis der dortigen Winzer geht. Miles Beale, Chef des Branchenverbandes Wine & Spirit Trade Association, teilte jüngst der Deutschen Presse-Agentur in London mit: „Die Weinindustrie im Vereinigten Königreich entwickelt sich immer stärker und hat in den vergangenen Jahren internationale Anerkennung gefunden.“ In den vergangenen Jahren hätten Winzer von mehreren guten Lesen profitiert, sagte Beale. Die Produktion sei von 5 Millionen Flaschen im Jahr 2015 auch wegen einer Hitzewelle auf mehr als 13 Millionen im Jahr 2018 gestiegen. Ziel sei, die Produktion im kommenden Jahrzehnt zu verdoppeln.

Damit dieses Ziel aber gelingen könne, fordert der Verband mehr staatliche Hilfe: „Die Weinbranche im Vereinigten Königreich ruft die Regierung auf, diese einheimische Industrie stärker zu unterstützen“, sagte Beale mit Verweis auf Winzer in der EU. Weinkäufer in Großbritannien müssten weltweit mit die höchsten Steuern stemmen: Für eine Flasche Wein würden im Durchschnitt Abgaben in Höhe von 2,23 Pfund (2,60 Euro) fällig – in Deutschland, Spanien oder Italien gebe es hingegen gar keine. Bei Schaumweinen seien die Abgaben noch viel höher.

Anbaukriterien wie in der Champagne

Etwas, das die britischen Winzer besonders trifft, da Schaumweine rund zwei Drittel der Weinproduktion in Großbritannien ausmachen. Beale sagte, der Erfolg englischer Schaumweine habe dazu geführt, dass berühmte Champagnerproduzenten wie Taittinger und Pommery in Weinberge in Südengland investiert hätten. „Die kalkhaltigen Böden und das Klima ähneln denen in der Champagne.“

Die Branche hat zwar unter der Corona-Krise gelitten. Allerdings sieht der Verband auch Vorteile durch die Pandemie. „Mit mehr Briten als je zuvor, die in Großbritannien Urlaub gemacht haben, hat im vergangenen Sommer eine ganz neue Gruppe von Besuchern die Weinberge erkundet“, sagte Beale. Wenn die Corona-Beschränkungen nun – wie es die Regierung plant – nach und nach aufgehoben werden, erwarte die Weinbranche eine Rekordzahl an Besuchern.

Klimawandel als Treiber der Entwicklung

Insgesamt gibt es in Großbritannien nach Verbandsangaben derzeit mehr als 770 Weinberge, 2015 waren es noch etwa 500. Das ist nach wie vor ein Bruchteil verglichen mit Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien. Dank des Klimawandels breitet sich aber auch in Großbritannien der Weinbau aus. Auch der Export nehme zu, sagte Beale. „Die größeren englischen Weinproduzenten sehen erste Erfolge in den skandinavischen Ländern, Kanada, Australien und Japan.“
(dpa/KP)

 

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