Interview

„Die Kaffee-Frische als wichtiges Qualitätsmerkmal soll für den Kunden erlebbar sein“

Im Gespräch mit Max Wieberneit, Co-Gründer und -Geschäftsführer von Die Röstmeister

Montag, 02.11.2020, 11:16 Uhr, Autor: Kristina Presser
Max Wieberneit, CEO von Die Röstmeister, mit dem Röstmobil

„Unser Röstmobil, ein umgebauter amerikanischer Airstream, ist ein richtiger Eyecatcher“, sagt Max Wieberneit, Co-Gründer und -Geschäftsführer von Die Röstmeister. (Fotos: ©Die Röstmeister)

In der Düsseldorfer Röstmeister Kaffee GmbH mit zentraler Rösterei in Bremen dreht sich alles um die frische Röstung von Spitzenkaffee – denn die entscheidet maßgeblich über den Geschmack. Im eigenenLadenlokal in Oberkassel können Kunden sogar selbst vor Ort rösten. Wir haben mit einem der „Röstmeister“ über ihr besonderes Geschäftskonzept und veränderte Kundenbedürfnisse gesprochen und was ihnen bislang durch die Corona-Krise half.

Herr Wieberneit, wodurch unterscheiden Sie sich von herkömmlichen, bekannten Kaffeemarken?
„Die Röstmeister“ ist eine hochwertig positionierte Marke für handwerklich und frisch gerösteten Gourmet-Kaffee. Dabei liegt der Fokus stärker auf der frischen und individuellen Röstung, als auf den exotischen Kaffeesorten. „Die Röstmeister“ ist wahrscheinlich die einzige Rösterei in Deutschland, die alle Rohkaffees vor der Röstung Lendrich-veredelt. Mit diesem Verfahren werden den Rohkaffees Reiz- und Bitterstoffe entzogen, was alle Kaffeesorten äußert bekömmlich werden lässt. Zielkunden sind Kaffeegenießer, die Wert auf Handwerk, Qualität und Frische ihrer Ware legen – besonders Wiederentdecker des Filterkaffees.

Warum ist Ihnen der Aspekt der Röstung in Ihrem Kaffeegeschäft so wichtig?
Die Kaffee-Frische als wichtiges Qualitätsmerkmal soll für den Kunden erlebbar sein. In unserem Ladenlokal werden Kaffee-Hochgenuss und das Thema „Kaffee rösten, mahlen, zubereiten und genießen“ daher zelebriert und sind kompetent besetzt. Die ausgewählten Kaffeebohnen werden in unserer Rösterei in Bremen zentral vorgeröstet und können anschließend im Ladenlokal nach Kundenwunsch frisch fertig geröstet werden – auch in Kleinstmengen, was einzigartig ist. Der Kunde kann seinen Kaffee wahlweise aber auch selbst rösten oder individuell zusammenstellen. Dieses Angebot über den Kaffee hinaus soll unsere Kompetenz in Sachen Kaffee unterstreichen.

Dass Kunden vor Ort selbst rösten können, ist ein ungewöhnliches Konzept. Wie kam es dazu?
Durch die Zusammenarbeit mit unseren Bremer Kollegen können wir unseren Kunden ein Rösterlebnis mit unserem Microröster „Röstmeister“ ermöglichen. Der vorgeröstete Kaffee erhält seine finale Röstung bei uns im Ladenlokal, quasi „double roasted“. Dies kann der Kunde hautnah miterleben und schmeckt anschließend den Unterschied zu Kaffees, deren Röstung schon einige Zeit her ist. Der Microröster ist eine Erfindung unserer Bremer Kollegen und mit ca. 6.000 verkauften Exemplaren sicher ein Marktführer in Deutschland. Wir haben insoweit auf die geniale Erfindung unserer Kollegen zurückgegriffen und bieten nun Selbströstung vor Ort an.

Neben dem Ladenlokal am Belsenplatz in Düsseldorf-Oberkassel und einem Standort in der OASE an der medizinischen Fakultät der Universitätsbibliothek Düsseldorf, haben Sie auch ein Röstmobil. Was hat es damit auf sich?
Unser Röstmobil, ein umgebauter amerikanischer Airstream, diente uns zunächst dazu, unser Kaffeekonzept auf Wochenmärkten zu testen und herauszufinden, ob wir hinreichend viele Menschen für unsere Kaffeeleidenschaft begeistern können. Der Wagen ist ausgebaut als Kaffee- und Cocktailbar und damit flexibel einsetzbar. Er verfügt unter anderem über eine hochwertige Espressomaschine und Kaffeemühle. Heute dient er bei Kundenveranstaltungen, Sportevents und Märkten als zusätzlicher Verkaufswagen und ist ein Eyecatcher.

Kaffee selbst zu rösten wird immer beliebter. Woran, glauben Sie, liegt das?
Grundsätzlich verändert sich die Wahrnehmung bei den Menschen hinsichtlich der Herkunft ihrer Lebensmittel einerseits und der Zubereitung dieser andererseits. Es wird immer wichtiger, selber Dinge zuzubereiten. Kaffee entwickelt sich in eine ähnliche Richtung: Früher wollte man nur bei Getränken wie Wein ein Connaisseur sein, heute ist vielen Kunden auch die genauere Kenntnis über unterschiedliche Kaffeesorten und Zubereitungsarten wichtig.

In Ihrem Online-Shop verkaufen Sie auch Rohkaffee. Gab es hier während der ersten corona-bedingten Schließung der Cafés eine erhöhte Nachfrage? Wollten Kunden vermehrt zu Hause selbst rösten?
Nein, wir haben keinen starken Anstieg bemerkt – vielleicht auch deshalb, weil selber rösten immer noch eine sehr kleine Marktnische ist, in der Menschen sich mit ihrem Hobby auseinandersetzen. Dies geschieht unabhängig von Corona. Die meisten Kunden bevorzugen nach wie vor, Ihren frisch gerösteten Kaffee bei uns direkt vor Ort zu genießen oder als Bohne für zu Hause mitzunehmen.

Wie haben Sie als Unternehmer die Corona-Krise bislang erlebt?
Wir haben von Anfang an unser Geschäft auf „To Go“ umgestellt, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und für Mitarbeiter und Kunden in dieser schwierigen Zeit ein Mindestmaß an Normalität zu gewährleisten. Einzig unser Standort OASE war von der Schließung betroffen. Hier konnten wir aber alle Kollegen in unsere anderen Abläufe integrieren. Das war für uns und das Team sehr wichtig, da wir so Kurzarbeit nur sehr eingeschränkt nutzen mussten. Unsere Stammkunden haben uns sehr gut die Treue gehalten und somit einen größeren Schaden verhindert. Ungeachtet dessen ist der Umsatzrückgang spürbar und schmerzlich, zumal die staatlichen Soforthilfen sich im Nachhinein nicht als echte Hilfen entpuppt haben.

Hält der Kaffee-To-go-Trend bisher weiter bei Ihnen an?
„To-go“ war immer schon ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts, da unser Café in Oberkassel in der Näher mehrerer Bahnstationen liegt und sich hier ein flexibles Angebot anbietet.

Was nehmen Sie persönlich bis dato aus der Krise mit?
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, einen ruhigen Kopf zu bewahren. Mit viel Kreativität kann man auch Krisen überstehen, insbesondere wenn man neben der eigenen Agenda auch auf andere achtet, denen man durch eigenes Handeln Mut macht. So haben wir während des ersten Lockdowns zum Beispiel über unsere Social-Media-Kanäle, vorrangig Facebook und Instagram, immer wieder Nachrichten und Aufmunterungen gesendet und Aktionen gemacht, um in dieser schwierigen Zeit in den Köpfen unserer Kunden zu bleiben.

Wir danken für das Gespräch.

 

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