Ernährung & Zukunft

Erste Versuche mit Weltraum-Bierhefe geglückt

Nach ihrem schwerelosen Weltraumaufenthalt wartet die erste „ausgesetzte“ Bierhefe jetzt auf ihre Weiterverwendung auf der Erde. Die Erkenntnis der Forscher: Zukünftig können Raumfahrer durch Hefe mit Vitamin B12 versorgt werden. 

Freitag, 03.01.2020, 09:05 Uhr, Autor: Thomas Hack
Ein Astronaut mit einem Bier in der Hand

Wissenschaftler wollten wissen, ob Bierhefe in der Schwerelosigkeit das Vitamin B12 bilden kann, das für Raumfahrer wichtig ist – mit Erfolg, wie es scheint. (© DM7/stock.adobe.com)

Am 13. Juni 2019 startete unter der Leitung von Jens Hauslage vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Rakete in Richtung unendliche Weiten des Alls. Der Bordpassagier: Eine Bier-Hefe. Die Mission? Die Wissenschaftler wollten wissen, ob Hefe in der Schwerelosigkeit B12 bilden kann – das Vitamin ist für Raumfahrer wichtig. Normal nehmen Menschen auf der Erde es etwa mit Fleisch auf, aber bei längeren Aufenthalten im All sind Alternativen nötig.  Gut sechs Monate nach ihrem Flug in der Forschungsrakete wartet die Pfälzer „Weltraum-Hefe“ nun bei minus 80 Grad Celsius auf ihre mögliche weitere Verwendung. „Die Hefe befindet sich in unserer Kyrosammlung und kann bei Bedarf wieder vermehrt werden – aber nur zu Forschungszwecken, da die Eigentumsrechte beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln liegen“, sagte Dominik Rödel vom BierProjekt in Landau.

300 Tester bestätigen unversehrte Bierhefe

Die Mikrobiologin Friederike Rex bekräftigte indes, dass der Weltraumflug keinen Einfluss auf die Hefezellen hatte und diese grundsätzlich für die Versorgung von Raumfahrern mit Vitamin B12 genutzt werden können. Zellen seien nach dem Flug zur Wein- und Bierbereitung eingesetzt worden – mehr als 300 Tester hätten bezüglich Geruch und Geschmack keinen deutlichen Unterschied zu anderen Getränken festgestellt, sagte die Expertin vom Institut für Weinbau und Oenologie des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt. Für Dominik Rödel sei das Projekt hingegen „die emotionalste Arbeit des Jahres“ gewesen, wie er sagt. „Mitarbeit bei Raumfahrt ist die Erfüllung eines Kindheitstraums.“ Für das BierProjekt allerdings sei es unbezahlte Arbeit gewesen. „Aus Unternehmenssicht gab es viele andere Projekte, die betriebswirtschaftlich wichtiger waren.“ (lrs/TH)

 

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