Getränkeumsätze

Deutscher Bierabsatz auf Tiefpunkt

So wenig Bier wie im vergangenen Jahr haben Deutschlands Brauer seit langem nicht mehr abgesetzt. Dennoch gibt es immer mehr Brauereien und neue Biermarken.

Freitag, 31.01.2020, 09:17 Uhr, Autor: Thomas Hack
ein leeres Glas Bier

Das Rekordtief des deutschen Bierumsatzes wird von Fachexperten mit der demografischen Entwicklung und dem Trend zu einem gesünderen Lebensstil mit weniger Alkohol erklärt. (© alexey351/stock.adobe.com)

Die Brauereien in Deutschland haben im vergangenen Jahr so wenig Bier verkauft wie seit vielen Jahren nicht mehr. Mit einem Absatz von 9,22 Milliarden Litern wurde der bisherige Minusrekord aus dem Jahr 2017 (9,35 Milliarden Liter) unterboten, wie das Statistische Bundesamt dieser Tage berichtete. Der deutsche Brauerbund in Berlin zeigte sich aber optimistisch, mit neuen Marken und alkoholfreien Bieren im laufenden Jahr bestehen zu können. Langfristig leidet die Branche unter der demografischen Entwicklung und dem Trend zu einem gesunderen Lebensstil mit weniger Alkohol. Die Wohnbevölkerung wird im Schnitt immer älter, die ausgeh- und trinkfreudige Gruppe zwischen 20 und 40 Jahren schrumpft. Seit 1993 ist der Bierabsatz um fast ein Fünftel (17,8 Prozent) gefallen, wie die Statistiker ergänzten.

Wetter und Fußball sorgen für Zwischenhoch

2018 hatten die Brauer noch von der Fußball-Weltmeisterschaft und einem sehr heißen Sommer profitiert und den Absatz leicht gesteigert. Das erwies sich allerdings lediglich als Zwischenhoch, so dass die Zahlen 2019 trotz eines überdurchschnittlich sonnigen Sommers aber ohne große Sportereignisse weiter in den Keller gingen. Der mit einem Anteil von 82,6 Prozent überragend wichtige Heimatmarkt gab mit einem Minus von 2,1 Prozent ebenso nach wie der Export, der um ein gutes Prozent unter dem Vorjahr blieb. Auch Biermischungen waren weniger gefragt. Nicht in der Steuerstatistik erfasst sind die alkoholfreien Biere, die seit Jahren eine steigende Nachfrage finden. Laut Brauerbund konnten sie 2019 allein im Handel um rund 3 Prozent zulegen und einen Gesamtmarktanteil von gut 7 Prozent erreichen. Endgültige Absatzzahlen lägen aber noch nicht vor. Im Jahr 2018 hatten die Brauereien inklusive Malzbieren eine Menge von 680 Millionen alkoholfreien Litern abgegeben.

Schwache Nachfrage führt zu breiterem Angebot

Die Branche reagiert mit einem immer breiteren Angebot auf die schwächelnde Nachfrage. „Wir erwarten, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland, die Anfang 2019 auf 1539 angewachsen ist, weiter zunehmen wird. Auch die Zahl der Biermarken in Deutschland wird weiter wachsen“, ist der Hauptgeschäftsführer des Brauerbundes, Holger Eichele, überzeugt. Derzeit gibt es mehr als 6500 verschiedene deutsche Biermarken inklusive der rund 500 alkoholfreien Sorten. Unangefochtener Marktführer im Inland bleibt nach Erhebungen des Branchenmagazins Inside die Marke Krombacher mit gut 600 Millionen Litern vor Oettinger und Bitburger. Der Branchenvierte Veltins zeigt sich optimistisch. „Mit der Fußball-Europameisterschaft können Deutschlands Brauer 2020 wieder Boden gutmachen“, erklärte Brauerei-Chef Michael Huber.  (dpa/TH)

 

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