Analyse

Bierpreise steigen im Südwesten – was das für Gastronomen bedeutet

Bier wird abgezapft
Der Durchschnittspreis für einen halben Liter Bier ist einer Datenanalyse zufolge in größeren baden-württembergischen Städten deutlich gestiegen. (Foto: © pavel siamionov/stock.adobe.com)
Bier wird in der Gastronomie teurer – mit regionalen Unterschieden. Besonders in einer Stadt gab es einer Datenanalyse zufolge einen starken Preissprung. Was die Entwicklung für Preise, Kalkulation und Gästeverhalten bedeutet.
Mittwoch, 08.04.2026, 09:24 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Bier ist mehr als ein Getränk – es ist Teil der Alltagskultur. Für manche ausgehfreudige Menschen ist der Bierpreis in der Gastronomie eine wichtige Vergleichsgröße, um die Auswirkungen der Teuerung zu veranschaulichen. 

Der Durchschnittspreis für einen halben Liter Bier ist einer Datenanalyse des Finanztechnologie-Unternehmens SumUp zufolge in größeren baden-württembergischen Städten spürbar gestiegen – von 3,86 Euro zu Beginn des Sommers 2025 auf zuletzt 4,88 Euro.

Besonders hervorzuheben sei ein Preissprung von rund 20 Prozent zwischen Oktober und November 2025 – von 3,90 auf 4,69 Euro. In Freiburg liegt der Durchschnittspreis für Bier den Angaben zufolge seit November über 5 Euro, mit einem starken Anstieg von Oktober auf November sowie etwa 20 Prozent im Zeitraum von Juni 2025 bis März 2026. In Mannheim hingegen blieb der Preis mit 3,80 Euro im November und einem leichten Rückgang auf 3,73 Euro im März vergleichsweise stabil, wie das Unternehmen mitteilte.

SumUp ermittelt Durchschnittspreise

Eine Reihe von Großbrauern und kleinere Brauereien in Deutschland hatten in der Vergangenheit an der Preisschraube gedreht. Der Bierabsatz ist seit Jahren unter Druck. Es werde weniger Alkohol in der Gastronomie getrunken, davon sei auch Bier betroffen, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes Dehoga Baden-Württemberg. Es gebe einen Trend weg vom Alkohol.

Für gastronomische Betriebe gewinnt damit die strategische Ausrichtung der Getränkekarte an Bedeutung. Margenstarke Alternativen und alkoholfreie Angebote rücken stärker in den Fokus.

SumUp bietet unter anderem Kartenlesegeräte für Unternehmen an, um Zahlungen anzunehmen und das Geschäft zu verwalten. Analysiert wurde nach eigenen Angaben der durchschnittliche Preis von Bier in Baden-Württemberg in der Gastronomie im Zeitraum von Juni 2025 bis März 2026 sowie in ausgewählten größeren Städten der Region. Die Daten sind nicht repräsentativ und wurden bei Kunden des Unternehmens erhoben. Ihre Anzahl wurde nicht mitgeteilt. 

In Ludwigsburg werden aktuell oftmals 5,80 Euro für die Halbe verlangt, wie ein Vergleich von Getränkekarten im Internet zeigt, in Pforzheim sind es zwischen 4,50 Euro und 5,10 Euro. Gaststätten in Ulm verlangen zwischen 4,60 Euro und 4,90 Euro. In Konstanz sind es 4,90 Euro. Rund um den Schlossplatz in Stuttgart kostet die Halbe zwischen 5,30 und 5,50 Euro laut telefonischer Auskunft. 

Was die Entwicklung für Betriebe bedeutet

Für Betriebe liefern solche Werte wichtige Vergleichsgrößen für die eigene Kalkulation – insbesondere im Wettbewerb mit umliegenden Gastronomien. Gleichzeitig ist diese Entwicklung für Gastronomen ein zweischneidiges Signal: Einerseits steigen die Preise branchenweit, was Preisanpassungen erleichtert. Andererseits wächst der Druck, diese gegenüber Gästen nachvollziehbar zu kommunizieren.

Zugleich zeigen die regionalen Unterschiede, dass die Zahlungsbereitschaft auch vom Standort abhängt. Während in touristischen oder hochfrequentierten Lagen Preise von über fünf Euro scheinbar akzeptiert werden, bleibt das Niveau in anderen Städten etwas niedriger.

Radler günstiger als Bier

Radler liegt preislich unter Bier. Das beliebte Biermischgetränk, das oft zu gleichen Teilen aus Bier und Zitronenlimonade besteht, weist der Datenanalyse zufolge jedoch ebenfalls eine moderate Aufwärtsentwicklung auf. Im Durchschnitt kostete ein Radler im Südwesten 3,52 Euro im Juni 2025 und 3,85 Euro im März 2026. Das sei ein Preisanstieg von rund 9 Prozent. 

So verlangen Gastronomen in Ulm zwischen 4,60 und 4,90 Euro, Konstanz 4,90 Euro und in Ludwigsburg wird um die 5,80 Euro aufgerufen, wie ein Blick auf die Getränkekarten im Internet zeigt.

Spritz-Preise bleiben stabil

Die Preise für das Mischgetränk Aperol Spritz bleiben dagegen stabil. SumUp zufolge sind die Preise in größeren Städten Baden-Württembergs in den vergangenen Monaten weitgehend gleich geblieben. „Die Durchschnittspreise bewegen sich überwiegend in einer Spanne von etwa 7,40 bis 7,80 Euro und unterliegen nur geringen Schwankungen“, heißt es in der Datenanalyse. 

Im Juni 2025 lag der Preis demnach bei durchschnittlich 7,49 Euro, im Januar 2026 bei 7,82 Euro und im März 2026 bei 7,52 Euro. Ein klarer Aufwärtstrend sei nicht erkennbar. 

Auch beim Spritz-Preis gilt: Lage, Lage, Lage

Je nach Stadt fällt die Rechnung deutlich anders aus. Während ein Aperol Spritz im März in Karlsruhe 5,82 Euro kostet, liegen die Preise in Stuttgart (7,49 Euro), Mannheim (7,75 Euro) und Freiburg (7,77 Euro) deutlich darüber, wie es von SumUp hieß.

In kleineren Städten ist der Drink teils deutlich günstiger. In Pforzheim reicht die Preisspanne aktuell von 6,80 Euro und 8,20 Euro, wie ein Blick in die Internet-Speisekarten zeigt. In Ludwigsburg hingegen werden zwischen 7,90 und 8,50 Euro fällig, so wie in der Ulmer Innenstadt. Will man seinen Spritz am Bodensee in Konstanz genießen, sind auch schon mal 9,50 Euro fällig.

Für die Gastronomie ist das Mix-Getränk aus Bitterlikör, Prosecco und Soda ein Verkaufsschlager. Es sei ein populäres Getränk, sagte der Dehoga-Sprecher in Stuttgart. Vor allem in der Außengastronomie, die nun bald wieder verstärkt starte, spiele das Getränk eine wichtige Rolle.

Getränkekarte strategisch ausrichten

Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Die Preisgestaltung bei Getränken wird zunehmend komplexer. Während Bier als klassischer Frequenzbringer teurer wird und unter Druck steht, bieten andere Kategorien stabilere oder margenstärkere Optionen.

Für Gastronomen bedeutet das vor allem eines: Preise, Sortiment und Positionierung müssen stärker denn je auf Standort, Zielgruppe und Konsumverhalten abgestimmt werden.

(dpa/SAKL)

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