Nitratbelastung

Kommen bald Reparaturkosten fürs Trinkwasser?

Wenn zu Hause der Wasserhahn aufgedreht wird, denken wohl die wenigsten Bundesbürger an Riesenställe und Güllewagen auf den Feldern. Dabei hängt es auch mit den ausgebrachten Mengen an Mist und Mineraldünger zusammen, wie rein das Trinkwasser ist – und wie teuer für Versorger und die Endkunden.

Montag, 12.06.2017, 09:20 Uhr, Autor: Markus Jergler
Bauer spritzt sein Feld

Belastungen des Grundwassers können die Kosten für Leitungswasser stark in die Höhe treiben. (Foto: © Dusan Kostic/fotolia)

Umweltschützer und die Branche warnen schon länger vor happigen Mehrkosten, wenn die Nitratbelastung nicht bald heruntergeht und größeren Aufwand nötig macht. Nun mahnt auch das Umweltbundesamt (UBA): „Vorsorge ist billiger als Reparatur.“ Das Problem: Für die Wassergewinnung in Deutschland ist Grundwasser mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent das wichtigste Reservoir. Dabei sind zu hohe Nitratwerte kein flächendeckendes Problem. Kritisch ist es aber häufig in Regionen, in denen viele Tiere gehalten werden und viel Obst und Gemüse angebaut wird. Angesichts langer Zeitspannen, in denen sich Grundwasser erneuert, kämen mancherorts sogar erst jetzt „Sünden“ systematischer Überdüngung seit den 1970er Jahren zutage, erläuterte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Was wird dagegen getan?
Versorger setzen schon jetzt auf Schutzvorkehrungen, um Belastungen zu vermeiden. Dazu gehören Prämien für Bauern für gewässerschonende Fruchtfolgen oder bestimmte ungenutzte Flächen. Aufwändiger ist es, Brunnen zu vertiefen oder gleich ganz zu verlegen. In Wasserwerken kann außerdem belastetes mit unbelastetem Wasser vermischt werden. Solche Methoden lösen das Problem aber nicht, sondern schieben alles nur auf, wie das UBA warnt. Mancherorts könnte es daher nötig werden, das Wasser eigens zu reinigen, wofür es verschiedene Methoden gibt.

„Nitrat aus dem Wasser zu entfernen, ist teuer“, erläuterte das Bundesamt und rechnete in einer Studie verschiedene Szenarien hoch. In betroffenen Regionen könnte eine Extra-Wassernachbereitung die Kosten um 55 bis 76 Cent je Kubikmeter treiben. Zugrundegelegt wurde dabei, den Grenzwert von 50 Milligramm je Liter mit unterschiedlich großem „Sicherheitsabstand“ zu unterschreiten. Und eine praktische Umrechnung präsentierten die Experten gleich mit: Eine vierköpfige Familie könnte dadurch bis zu 134 Euro pro Jahr draufzahlen.

Gerade erst sind – nach jahrelangem Gezerre – strengere Regeln in Kraft getreten. „Der Dünger muss bei den Pflanzen ankommen, aber nicht im Grundwasser“, sagt Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). Vorgesehen sind etwa Stickstoff-Obergrenzen, längere Zeiten mit Düngeverboten und größere Abstände zu Gewässern. „Wichtig sind jetzt eine konsequente Umsetzung und verstärkte Kontrollen in den betroffenen Regionen“, mahnt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Dabei zahle sich Vorsorge auch volkswirtschaftlich aus, argumentiert die Studie. So dürften die strengeren Düngeregeln Landwirte bis zu 112 Millionen Euro mehr kosten. Nachträgliche Nitratreinigung schlüge dagegen womöglich mit bis zu 767 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. (dpa/MJ)

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