Interview

„Fachkräftemangel war ein Grund für das Konzept“

In Bayreuth entsteht aktuell das Hotel „Liebesbier To Sleep“, ein smartes Urban Art Hotel von Maisel & Friends. HOGAPAGE hat mit Geschäftsführer Sebastian Wenk über das Projekt gesprochen.

Montag, 06.09.2021, 08:47 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Die Künstlerin Hera bei der Wandgestaltung im Hotel Liebesbier to Sleep

Die Künstlerin Hera verewigt sich im Urban Art Hotel „Liebesbier To Sleep“. (Foto: © Info@hera_herakut)

In Bayreuth trifft sich im September das Who is Who der internationalen Street- & Urbanart-Szene – wie D-Face (Großbritannien), Super A (Niederlande), Zabou (Frankreich) und Caratoes (China). Die Künstler treffen sich, um an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Das gerade noch im Bau befindliche Hotel „Liebesbier To Sleep“ wird ein einmaliges Urban Art Hotel werden, in dem jedes Zimmer sowie die Flächen in Außen- und Innenbereich von einem anderen Artist gestaltet werden. HOGAPAGE hat mit Sebastian Wenk, Geschäftsführer von Maisel & Friends, über das Projekt gesprochen.

Herr Wenk, wie kam es zu der Idee, ein Hotel zu eröffnen?

Auf dem Gelände von Maisel & Friends hat Brauereiinhaber Jeff Maisel in den letzten Jahren ein Eldorado für Bierinteressierte, Feinschmecker sowie Kunst- und Kulturliebhaber geschaffen. Unser Hotel Liebesbier komplettiert das Gesamterlebnis und gleichzeitig schaffen wir damit in Bayreuth eine Übernachtungsmöglichkeit im bislang nicht besetzten Vier-Sterne-Superior-Segment, das mit modernster Technik ausgestattet ist.

Bei der Gestaltung der Zimmer setzen Sie auf Streetart-Künstler. Was steckt hinter der Idee?

Wir wollten kein anonymes Hotel errichten, sondern eines mit Charme, in dem man sich sofort wohlfühlt, das nicht steril ist und bei dem man unsere Liebe zum Detail spürt. Über 50 international bekannte Streetart-Künstlerinnen und -Künstler werden jedes Zimmer individuell gestalten und auch der Empfangsbereich und die Außenflächen werden zu dauerhaften Kunstwerken. Dabei geben wir den Kunstschaffenden keine Vorgaben, sondern lassen ihnen völlige Freiheit. Im Hotel, das aus zwei historischen Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie zwei modernen Anbauten besteht, verschmelzen historische Gemäuer mit natürlichen Materialien und hipper Streetart.

Das Hotel ist als Smart Hotel geplant. Was bedeutet das?

Das Liebesbier wird ein Smart-Hotel mit 67 Zimmern sein, in dem die Gäste höchsten Komfort durch modernste Technik erfahren. Es wird möglich sein, per Handy einzuchecken, die Zimmertüre zu öffnen oder einen Tisch im Restaurant nebenan zu reservieren. Neben Smart-TVs sind alle Zimmer und öffentlichen Bereiche mit Highspeed-Glasfaserinternet ausgestattet. Viel Holz, Leder und Kamine sorgen zugleich für ein wohliges Ambiente. Ihre freie Zeit können Gäste im Fitnessraum, in der Sauna mit Blick auf den Liebesbier-Gastrogarten sowie natürlich im benachbarten Restaurant verbringen, wo auch das Frühstück serviert wird.

Haben Sie nicht die Befürchtung dadurch potenzielle (nicht technikaffine) Gäste auszugrenzen?

Laut Statista beträgt der Anteil der Smartphone-Nutzer/-Besitzer an der deutschen Bevölkerung  im Jahr 2020 bereits 86 Prozent. Der Wert bezieht sich auf Personen ab 14 Jahren, die ein internetfähiges Smartphone oder Handy besitzen. Während andere Branchen sich schon längst dem technologischen Fortschritt angepasst haben, hinkt die Hotellerie noch hinterher. Die Mehrheit der Hotelgäste wünscht sich heute, alles einfach mit dem eigenen Smartphone tun zu können: angefangen vom schnellen, unkomplizierten Check-In, über die Bedienung des TV bis hin zur Tischreservierung im Restaurant nebenan. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Gäste unser smartes Hotel als sehr angenehm empfinden werden. Für die weniger technikaffinen Gäste bieten wir natürlich persönliche Unterstützung an, so dass die Übernachtung bei uns zu einem neuen, sehr positiven Gästeerlebnis werden wird.

Vielerorts verzögern sich Bauprojekte aufgrund fehlender Rohstoffe. Was waren die größten Hürden und Schwierigkeiten, die Sie bis bisher zu bewältigen hatten?

Auch wir haben die angespannte Situation in Bezug auf Baustoffe wie Holz natürlich bemerkt, können aber voraussichtlich trotzdem wie geplant im Januar 2022 eröffnen. Durch die strengen Denkmalschutz-Auflagen in einem der alten Bestandsgebäude können wir 17 Zimmer bedauerlicherweise erst mit etwas Verspätung im April 2022 eröffnen, was unserer Vorfreude aber keinen Abbruch tut.

Die Ansprüche der Gäste haben sich im Laufe der Pandemie verändert. Hatte das Einfluss auf Ihr Projekt?

Gäste achten seit der Pandemie verstärkt auf Hygiene und perfekt gereinigte Zimmer. Für uns ist ein strenges Hygienekonzept und ausgeklügeltes Reinigungskonzept selbstverständlich, um für die Gäste eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen.

Die Eröffnung ist für 2022 geplant. Wie sieht die Personalsituation aktuell bei Ihnen aus? Haben Sie eine bestimmte Strategie, um trotz Fachkräftemangel engagierte Mitarbeiter zu finden?

Die Problematik des Fachkräftemangels war einer der Gründe, warum wir uns für das Konzept eines Smart-Hotels entschieden haben. Der Empfangsbereich in unserem Hotel wird nicht mit Mitarbeitern besetzt sein, sondern ein Ort der Begegnung mit gemütlichem Kamin, bequemen Sitzmöglichkeiten, einem Platz zum Arbeiten sowie einer Möglichkeit, Snacks- und Getränke zu sich zu nehmen. Stattdessen finden die Gäste persönliche Ansprechpartner nur zehn Meter entfernt auf der anderen Straßenseite im Restaurant Liebesbier, wo auch das Frühstück serviert wird. Mit der Verschmelzung von Restaurant und Hotel bündeln wir unsere Synergien und erreichen dadurch einen effizienten Personaleinsatz, der den Gästen jedoch sehr positiv auffallen wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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