Hotelkonzept

Ayurveda – aber richtig!

Viele Hotels und Wellnesstempel schmücken sich mit Angeboten, die auf der traditionellen Heilkunst basieren. Doch nur wenige werden dem Begriff auch gerecht. Wer „echtes“ Ayurveda anbietet, muss dafür einen enormen Aufwand betreiben.

Donnerstag, 08.06.2017, 13:23 Uhr, Autor: Markus Jergler
Das Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee

Das Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee. (Foto: © Vier Jahreszeiten am Schluchsee)

Erschöpft, übergiftet, keine Energie – Wenn der Akku leer ist, der Körper nach Hilfe schreit, verspricht eine Ayurveda-Kur in einem Hotel neue Frische und Gesundheit. Immer mehr Gestresste und Ausgelaugte wollen in ihrem Urlaub mehr als nur Erholung, sie setzen auf die traditionelle indische Heilkunst, die übersetzt so viel heißt wie das „Wissen vom Leben“.

Vor 20 Jahren war Ayurveda in Europa nur Insidern bekannt; wer auf Kur wollte, reiste nach Indien oder Sri Lanka. Der Boom der Wellness-Hotellerie hat dafür gesorgt, dass Ayurveda-Kuren auch hierzulande zu haben sind, und zwar immer zahlreicher.

Doch Vieles von dem, das hierzulande unter dem Begriff Ayurveda angepriesen wird, hat nicht wirklich etwas mit echtem Ayurveda zu tun. Dahinter steckt einiges mehr als nur Wellness, asiatisches Ambiente und Einzel-Anwendungen wie etwa Massagen.

Zu den Vorzeige-Ayurveda-Anbietern zählen zum Beispiel das Ayurveda Parkschlösschen in Traben-Trarbach, das Maharishi Ayurveda Zentrum in Bad Ems und das Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee. Letzteres, im Südschwarzwald gelegen, 50 Kilometer von Freiburg entfernt, setzt bereits seit 16 Jahren auf Ayurveda. Ganz oben, in der sechsten Etage der idyllischen Anlage, strömen wohlriechende Aromen durch die Luft, die ruhige Atmosphäre entspannt schon beim Besichtigen der Behandlungszimmer.

„Das gesamte Equipment, ob Möbel, Dampfbäder und Behandlungsliegen, aber auch die Öle und Ayurvedamedizin – alles stammt direkt aus Sri Lanka“, sagt Diane Hergarden, Mitglied der Geschäftsführung. Sie ist die Initiatorin des Ayurveda-Konzeptes. Seit 2001 investierte das Hotel rund 600.000 Euro in dieses spezielle Kurprogramm.

Das Personal macht den Unterschied
Aktuell kümmert sich ein neunköpfiges Team, darunter fünf Therapeuten und ein Arzt um die Gäste beziehungsweise Patienten, und diese machen den ganz großen Unterschied aus. Weil auch sie allesamt aus dem Inselstaat im Indischen Ozean stammen. „Unsere Ärzte waren alle auf Ayurveda-Universitäten in Sri Lanka und haben die Ayurvedamedizin von der Pieke auf gelernt, unsere Ayurvedatherapeuten sind intensiv ausgebildet und haben jahrelange Erfahrung im Ayurveda“, erklärt Diane Hergarden.

Frau wird von zwei Personen gleichzeitig massiert
Die Ärzte und Therapeuten im Vier Jahreszeiten am Schluchsee sind gelernte Fachkräfte aus Sri Lanke. (Foto: © Vier Jahreszeiten am Schluchsee)

Dr. Lalith Wasantha, neuer leitender Arzt im Vier Jahreszeiten am Schluchsee, hat ein mehrjähriges Ayurveda-Studium in Sri Lanka absolviert, zudem ist er auf Orthopädie spezialisiert. „In Deutschland gibt es zwar auch berufsbegleitende Zusatzausbildungen für Heilpraktiker und Schulmediziner im Ayurveda, doch diese Ausbildungen dauern meist nur ein paar Monate oder ein Jahr. Die Ärzte und Therapeuten, die aus Sri Lanka kommen, haben ein ganz anderes Spektrum an Wissen und Behandlungen“, so Hergarden.

Um Top-Ayurveda-Fachkräfte zu bekommen, müsse allerdings ein unglaublicher Aufwand betrieben werden. „Weil Ayurveda nicht offiziell anerkannt ist wie beispielsweise die traditionelle chinesische Medizin, ist es schwierig, für diese Ärzte und Therapeuten Arbeitsgenehmigungen zu bekommen“, erklärt Hergarden.

Jeder Antrag ist mit einem langwierigen, aufreibenden Zustimmungsverfahren verbunden, das Procedere geht von der Botschaft in Colombo – die ein Arbeitsvisum zunächst meistens ablehnt – über die Ausländerbehörde, das Landratsamt, Berufsverbände und die Bundesanstalt für Arbeit. „Wir müssen jedes Mal bei den Behörden ein regionales, wirtschaftliches und arbeitspolitisches Interesse nachweisen,  wie viele Gäste wir haben, wie viele Arbeitsplätze wir schaffen mit unserem Ayurveda-Zentrum, mit dem ja nicht nur Arbeitsplätze für die Therapeuten aus Sri Lanka, sondern auch einige Arbeitsplätze für Deutsche verbunden sind, etwa beim Housekeeping oder in der Küche“.

Der Ayurveda-Bereich verzeichne eine durchschnittliche Auslastung von 80 Prozent, im Hotelbetrieb liege sie bei 60 Prozent. Man bekomme auch eine Menge Dankbarkeit zurück, so Hergarden. „Meist sieht man so nach dem dritten Behandlungstag, wie unsere Gäste von innen strahlen, leuchtende Augen bekommen, klarere Haut, eine viel freudigere Ausstrahlung, auch in der Körperhaltung macht es sich bemerkbar, sie wirken aufgerichteter, die Mundwinkel gehen nach oben.“ Der Ayurweda-Aufwand ist groß, der Ertrag offenbar auch. (Text: Sebastian Bütow)

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