Nachhaltigkeit

Wie Kreuzfahrtschiffe zunehmend Speisereste vermeiden

Kreuzfahrtreisende wünschen sich an Bord üppig gefüllte Buffets – doch was nicht gegessen wird, landet im Müll. Viele Reedereien arbeiten nun daran, die Lebensmitteabfälle zu reduzieren – auch mit Hilfe der Gäste.

Mittwoch, 23.01.2019, 09:57 Uhr, Autor: Thomas Hack
teller mit essen am buffett

Kleinere Teller am Buffet, kleinere Portionen für die Gäste – ist dies die Lösung gegen die enorme Lebensmittelverschwendung auf Kreuzfahrtschiffen? (© ilfotokunst/Fotolia)

Eine Kreuzfahrt ohne üppiges Speisenangebot? Undenkbar für die Gäste. Auf der „Aida Nova“ etwa laden alleine bereits 17 Restaurants zum Schlemmen und Genießen ein. Buffets sind auf hoher See ganz besonders beliebt, sorgen jedoch für ein großes Problem: Tag für Tag landen Dutzende Kilo Lebensmittel im Müll. Die Reedereien sind bemüht, den Abfall zu reduzieren, was jedoch eine enorme Herausforderung darstellt, denn die Rationen genau zu planen, ist schwierig. Doch mittlerweile gibt es die ersten nachhaltigen Lösungen…

Reederei Costa: Lebensmittelreste analysieren, umstellen und spenden
Die italienische Reederei Costa etwa hat das britische Unternehmen Winnow engagiert, um die Lebensmittelabfälle auf der „Costa Diadema“ zu messen. Es wurde exakt erhoben, was nach dem Buffetabend auf den Tellern der Gäste übrig blieb. Auf Basis dieser Daten wurde das Angebot an Speisen schließlich neu angepasst – und in der Tat erheblich reduziert. Auf dem Kreuzfahrtschiff konnten nach Angaben der Reederei damit bereits mehr als 50 Prozent der Lebensmittelabfälle vermieden werden, sodass diese damit unter den Werten lägen, welche die Hotels an Land üblicherweise erreichen. Bis 2020 sollen die Abfälle flottenweit um diesen Wert gesenkt werden. Was war besonders verzichtbar? Zum einen eher schmückendes Beiwerk wie Kräuter und Obst, zum anderen Beilagen wie Reis, Kartoffeln und Brot.

Costa spendet zudem übrig gebliebene Lebensmittel an wohltätige Organisationen in einigen angelaufenen Städten – zum Beispiel in Palermo, Marseille und Barcelona. Die Reederei setzt außerdem auf die Sensibilisierung der Gäste. Dafür gibt es die Kampagne „Taste don’t waste“. Die Passagiere sollen dazu angehalten werden, sich nicht so viel auf die Teller zu häufen. Auf den Costa-Schiffen kommt hinzu: Die Nationalitäten essen sehr unterschiedlich. „Der Deutsche isst vielleicht fünf Kartoffeln, der Franzose nur zwei“, gibt Jörg Rudolph, Deutschland-Chef von Costa Crociere, als fiktives Beispiel an.

Aida Cruises: Anpassung der Servierschalen
Aida Cruises, Marktführer in Deutschland und Schwestergesellschaft von Costa, ermittelt nach eigenen Angaben ebenfalls die Abfallmengen und bemüht sich um eine Reduzierung. Ein Trick für das Buffet: Gegen Ende der Öffnungszeit werde nicht das Angebot an Speisen verkleinert, wohl aber schrumpfen die Servierschalen. So soll das Angebot an Speisen vielfältig, aber weniger übrig bleiben. Zudem gebe es ein Nachordersystem auf den Schiffen, womit Restaurantmitarbeiter mit einem mobilen Gerät nur Speisen in der Hauptküche nachbestellen, die auch benötigt werden. Aus früheren Vergleichsdaten kann das Vorratsmanagement-System Menüvorschläge für die Küchen machen.

Tui Cruises: Zusammenarbeit mit „United Against Waste“
Tui Cruises ist ebenfalls nicht untätig. Mit der Organisation United Against Waste untersucht sie seit Herbst 2016, wie sich Abfälle an Bord möglichst vermeiden lassen. Das Pilotprojekt fand auf der „Mein Schiff 4“ statt. Im beliebten Buffetrestaurant „Anckelmannsplatz“ wurden nach Angaben der Reederei 20 Prozent der Lebensmittelabfälle eingespart. Der Deutsche Reiseverband zeichnete das Projekt im Dezember 2017 mit einem Nachhaltigkeitspreis aus. (dpa-tmn/TH)

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