Internationale Kräfte sichern Gastgebern die Personalbasis
Eine aktuelle Pressemeldung der Bundesagentur für Arbeit (BA) beschreibt einen strukturellen Wandel, der die Personalplanung der kommenden Jahre prägen wird: Seit 2024 wird das Beschäftigungswachstum in Deutschland ausschließlich von ausländischen Arbeitnehmern getragen. Gleichzeitig schwächt sich die Beschäftigungsentwicklung deutscher Staatsangehöriger infolge der Alterung weiter ab. Für Arbeitgeber in der Hospitality-Branche ist das ein deutliches Signal, weil gerade serviceintensive Betriebe auf eine verlässliche Personaldecke angewiesen sind.
Demografischer Druck verschiebt den Arbeitsmarkt
Die BA zeigt den Hintergrund klar auf: Zwischen 2014 und 2024 ist die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 3,9 Millionen gesunken, während die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter mit ausländischer Staatsangehörigkeit um rund 3,4 Millionen gestiegen ist. Ohne Zuwanderung wäre das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland also bereits deutlich geschrumpft. Im selben Zeitraum entfielen 43 % des Beschäftigungswachstums auf Arbeitnehmer aus Drittstaaten, 26 % auf Arbeitnehmer aus dem EWR und der Schweiz und rund ein Drittel auf deutsche Arbeitnehmer. Die BA verweist zudem darauf, dass der Anteil ausländischer Arbeitnehmer in Engpassberufen seit 2014 von sieben auf rund 14 % gestiegen ist.
Hinzu kommt: Nach Einschätzung des IAB stößt der Arbeitsmarkt zunehmend an demografische Grenzen. Das Institut erwartet, dass das Erwerbspersonenpotenzial 2026 erstmals leicht sinkt. Damit wird Personalgewinnung nicht nur schwieriger, sondern auch strategischer. Für Arbeitgeber bedeutet das: Der Wettbewerb um Fachkräfte wird nicht verschwinden, selbst wenn die Konjunktur schwankt.
Warum die Hospitality-Branche besonders betroffen ist
Für Hotellerie und Gastronomie hat diese Entwicklung besonderes Gewicht. Ein Bericht der Bundesregierung an den Tourismusausschuss des Bundestags zeigte bereits für Januar 2024, dass in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen knapp ein Drittel der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer eine ausländische Staatsangehörigkeit hatte; auf Drittstaaten entfielen knapp 19 %. Im eigentlichen Gastgewerbe lag der Ausländeranteil sogar bei 41 %, der Anteil aus Drittstaaten bei 24 %. Insgesamt arbeiteten dort zu diesem Zeitpunkt rund 430.000 ausländische sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, darunter rund 262.000 aus Drittstaaten. Das macht deutlich: Internationale Rekrutierung ist in der Branche längst kein Randthema mehr, sondern bereits Teil der betrieblichen Realität.
Auch die neueren Branchendaten des Dehoga unterstreichen diese Abhängigkeit. Der Verband beziffert die Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe für 2025 auf 2,2 Millionen. Zugleich lag der Anteil ausländischer Staatsangehöriger unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe laut Dehoga-Zahlenspiegel im November 2025 bei 44,5 %. Für Arbeitgeber ist das in mehrfacher Hinsicht relevant: Die Branche gewinnt ihre Mitarbeiter bereits heute in hohem Maß international, und sie wird das angesichts der Altersstruktur des deutschen Arbeitsmarkts künftig noch stärker tun müssen.
Der Zeitpunkt ist heikel, weil die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe angespannt bleibt. Destatis meldete für das Gastgewerbe im Jahr 2025 real einen Umsatzrückgang von 2,1 % gegenüber dem Vorjahr. Wo Margen unter Druck stehen, werden Fehlbesetzungen, Vakanzen und reduzierte Öffnungszeiten noch kostspieliger. Gerade deshalb ist eine stabile, planbare Personalstrategie für Arbeitgeber in der Branche entscheidend.
Engpässe bei Service, Küche und Systemgastronomie
Wie dringend die Lage in zentralen Berufen bleibt, zeigt die aktuelle Kofa-Analyse für das Hotel- und Gastgewerbe. Demnach konnten im Fachkraftberuf Systemgastronomie zuletzt 49,2 % aller offenen Stellen rechnerisch nicht besetzt werden. Im Gastronomieservice fehlten mehr als 600 ausgebildete Fachkräfte; zusammen machten diese beiden Berufe mehr als die Hälfte der Fachkräftelücke der Branche aus.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass internationale Nachwuchsgewinnung immer wichtiger wird: Der Anteil neuer Azubis mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Hotel- und Gastgewerbe stieg bis 2023 auf 44,3 %. In einzelnen Berufen lag der Anteil noch höher, etwa bei 59,3 % im Gastronomieservice und 54,4 % in der Systemgastronomie. Ohne diese internationalen Azubis wären die Neuabschlüsse im Hotel- und Gastgewerbe seit 2019 laut Kofa um 19,3 % gesunken.
Das ist für Arbeitgeber eine wichtige Botschaft: Internationale Fachkräfte und internationale Azubis stabilisieren nicht nur die Gegenwart, sondern auch den künftigen Personalstamm. Die Branche kann offene Stellen also nicht allein über den inländischen Nachwuchs schließen. Sie muss Ausbildung, Rekrutierung im Ausland und Bindung vorhandener Mitarbeiter zusammendenken. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus den BA-, Kofa- und Bundestagsdaten in ihrer Gesamtschau.
Was Arbeitgeber jetzt daraus ableiten sollten
Internationale Rekrutierung gehört in die reguläre Personalstrategie. Die BA bietet Unternehmen über den Arbeitgeber-Service und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung Unterstützung bei der Suche nach Personal aus dem Ausland, bei Arbeitsmarktzulassung, Fördermöglichkeiten und Online-Anträgen. Für Hotels, Restaurants und Caterer bedeutet das: Wer heute dauerhaft besetzen will, sollte internationale Kanäle nicht nur im Notfall nutzen, sondern fest in Recruiting-Prozesse integrieren.
Integration muss von Anfang an mitgeplant werden. Kofa verweist für das Hotel- und Gastgewerbe darauf, dass fehlende Deutschkenntnisse die größte Herausforderung bei internationalen Azubis sind. Empfohlen werden vorbereitende Sprachkurse, feste Ansprechpartner im Betrieb und regionale Netzwerke mit Schulen, Kammern, Kommunen und Behörden. Auch die BA betont die Bedeutung einer gelebten Willkommenskultur und verweist auf praktische Onboarding-Hilfen wie Willkommensmappen. Für Arbeitgeber der Hospitality-Branche ist das besonders wichtig, weil Servicequalität, Teamkoordination und Gästekommunikation stark von Sprache und schneller Integration abhängen.
Das Fachkräfteeinwanderungsrecht eröffnet zusätzliche Wege, bleibt aber erklärungsbedürftig. Das Portal Make it in Germany der Bundesregierung hält fest, dass Fachkräfte mit Berufsausbildung und Personen mit berufspraktischen Kenntnissen durch das weiterentwickelte Fachkräfteeinwanderungsgesetz leichter nach Deutschland kommen können; hinzu kommen unter anderem die Chancenkarte und erweiterte Möglichkeiten bei der Blauen Karte EU.
Der Dehoga betont zugleich, dass das System für Betriebe eher komplex geworden ist, für Gastronomie und Hotellerie aber mehr Wege als früher eröffnet, Mitarbeiter aus Drittstaaten einzustellen. Für Helfertätigkeiten verweist der Verband unter anderem auf die Westbalkanregelung, die kurzfristige kontingentierte Beschäftigung und die Chancenkarte.
Wer 2026 und darüber hinaus zuverlässig öffnen, Qualität halten und wachsen will, muss internationale Personalgewinnung, Sprachförderung, Onboarding und Bindung als zusammenhängende Führungsaufgabe behandeln.
(Arbeitsagentur/ Bundestag/ Dehoga/ Destatis/ IAB/ Kofa/ Make it Germany/ Presseportal/ SAHO)