Arbeitsmarkt

Immer mehr Ausländer sichern Beschäftigung in Deutschland

Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit
Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, berichtet, dass Zuwächse bei der Beschäftigung zuletzt ausschließlich durch Angehörige von Staaten außerhalb der EU verzeichnet werden können. (Foto: © picture alliance/dpa | Daniel Löb)
Während viele Babyboomer in den Ruhestand gehen, sinkt die Zahl deutscher Beschäftigter. Auch für das Gastgewerbe wird Zuwanderung damit zu einem wichtigen Faktor im Arbeitsmarkt.
Mittwoch, 11.03.2026, 14:51 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Der deutsche Arbeitsmarkt verändert sich spürbar. Während immer mehr Babyboomer in den Ruhestand gehen, wird die Beschäftigung zunehmend von Menschen aus dem Ausland getragen. Für Branchen mit Fachkräftemangel – etwa im Gastgewerbe – wird diese Entwicklung immer wichtiger.

Zuwächse bei der Beschäftigung gab es zuletzt ausschließlich durch Angehörige von Staaten außerhalb der EU. Darauf wies die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, bei der Vorstellung der Februar-Statistik für den Arbeitsmarkt in Deutschland hin.

„Die Beschäftigung deutscher Staatsangehöriger sinkt vor allem altersbedingt kräftig“, sagte Nahles. „Es liegt ganz einfach daran, dass die Babyboomer jetzt auch wirklich in Rente gehen.“

Geflüchtete zunehmend in Beschäftigung

Die Beschäftigung von Ausländern wächst laut Bundesagentur für Arbeit über nahezu alle Branchen hinweg. Besonders deutlich sei der Anstieg bei Ukrainern sowie bei Menschen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern.

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums waren im Dezember 5,89 Millionen Ausländer in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 224.000 mehr als im Vorjahr.

Davon entfielen

  • 74.000 auf Ukrainer,
  • 65.000 auf Menschen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern und
  • 21.000 auf Personen aus dem Westbalkan.

Auch die gezielte Erwerbsmigration hat deutlich zugenommen. Der Zuzug mit dem Hauptziel, eine Arbeit aufzunehmen, stieg seit 2020 von rund 200.000 auf 420.000 im Juni 2025 und hat sich damit mehr als verdoppelt.

Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Beschäftigung. Vollzeitstellen gehen zurück, während Teilzeit weiter zunimmt. Nahles hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass der Fachkräftemangel für die deutsche Wirtschaft langfristig ein größeres Problem darstellen werde als die aktuelle Arbeitslosigkeit.

Asylgesetz: Arbeit künftig schneller möglich

Nahles begrüßte zudem die geplante Änderung im Asylrecht. Demnach sollen Asylbewerber grundsätzlich bereits nach drei Monaten eine Arbeit aufnehmen dürfen.

Allerdings erwartet die BA-Chefin nur begrenzte Auswirkungen. Die Möglichkeit, nach drei Monaten zu arbeiten, gilt bereits für jene Menschen, die nicht in Gemeinschaftsunterkünften leben – und damit für den Großteil der Geflüchteten.

Schon jetzt seien rund 100.000 Menschen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Weiter mehr als drei Millionen Arbeitslose

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sank im Februar im Vergleich zum Januar um 15.000 auf 3,07 Millionen. Damit bleibt sie jedoch weiterhin über der Marke von drei Millionen. Gegenüber dem Februar des Vorjahres bedeutet das einen Anstieg um 81.000 Arbeitslose, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte.

Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5 % zurück. Im Vergleich zum Vorjahr liegt sie ebenfalls um 0,1 Punkte höher.

Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften hat sich der Statistik zufolge kaum verändert. Die Zahl der bei der Bundesagentur gemeldeten offenen Stellen sank im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1.000 auf 638.000.

Ausbildungsmarkt bleibt angespannt

Auch auf dem Ausbildungsmarkt zeigt sich Bewegung. Aktuell sind 345.000 Ausbildungsstellen gemeldet – 52.000 weniger als im Vorjahr.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Bewerber um 4.000 auf 298.000. Da Anforderungen der Betriebe und Qualifikationen der Bewerber häufig nicht übereinstimmen, befürchtet die Bundesagentur dennoch viele junge Menschen ohne Ausbildungsplatz.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte daher Bundeskanzler Friedrich Merz auf, den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit stärker in den Fokus zu rücken.

„Drei Millionen Menschen sind derzeit ohne Arbeit und ohne Perspektive, viel zu wenig Ausbildungsplätze für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger schicken hunderttausende junge Menschen unter 25 Jahren ohne Berufsabschluss in die Abwärtsspirale. Gleichzeitig fehlen in vielen Branchen die Fachkräfte“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.

(dpa/ SAHO)

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