Ausbildung & Karriere

Was die Formulierungen im Arbeitszeugnis wirklich bedeuten

Die meisten Arbeitnehmer kennen es wohl sehr gut: Man bekommt sein Arbeitszeugnis ausgestellt und freut sich riesig über die lobenden Worte. Doch sind diese wirklich so gut, wie sie sich auf den ersten Blicke anhören?

Freitag, 11.01.2019, 08:00 Uhr, Autor: Thomas Hack
Eine Frau mit einem Arbeitszeugnis in der Hand

Arbeitszeugnisse klingen immer gut. Aber wann sind sie es wirklich? (© simoneminth/Fotolia)

Arbeitszeugnisse sind immer ein äußerst heißes Eisen auf der Karrierreleiter eines Arbeitnehmers. Zum einen werden hier nicht nur die beruflichen Leistungen beurteilt, sondern auch die eigene Sozialkompetenz, die man selbst natürlich völlig anders sieht. Zum anderen sind Arbeitszeugnisse grundsätzlich immer „positiv“ formuliert, was dementsprechend trügerisch ist. Denn längst hat sich eine eigene „Geheimsprache“ bezüglich der verwendeten Formulierungen entwickelt, die für Nichteingeweihte meist nicht entschlüsseln ist. Hier die wahre Bedeutung der Sätze:

Schulnote 1: Sehr gut

(verwendete Wörter: „stets“ „äußerst“, „höchst“, „beste“, „vollends“, „vollster“, „ausgezeichnet“, „überdurchschnittlich“, „außerordentlich“, „besonders hoch“)

  • Er erledigte seine Aufgaben stets selbständig, mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit
  • Die ihr übertragene Verantwortung übernahm sie zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Er war im höchsten Maße zuverlässig
  • Mit seinen Fachkenntnissen konnte er jederzeit vollends überzeugen
  • Er zeigte zu jedem Zeitpunkt eine ausgezeichnete Motivation
  • Sie erzielte stets beste Arbeitsergebnisse

Schulnote 2: Gut

(verwendete Wörter: „vollen“, „gut“, „groß“, „hoch“; weggelassen werden jetzt Wörter von Schulnote 1)

  • Er erledigte seine Aufgaben selbständig
  • Die ihr übertragene Verantwortung übernahm sie zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Dank seiner guten Fachkenntnisse konnte er überzeugen
  • Er zeigte eine große Motivation
  • Sie zeigte hohes Engagement

Schulnote 3: Befriedigend

(verwendete Wörter: „zufriedenstellend“, „immer“, „konnte überzeugen“; weggelassen werden jetzt die meisten Adjektive)

  • Er erledigte seine Aufgaben zufriedenstellend
  • Sie war immer zuverlässig
  • Er zeigte Verantwortung
  • Sie konnte überzeugen
  • Er erfüllte die Erwartungen

Schulnote 4: Ausreichend

(verwendete Wörter: „zu unserer Zufriedenheit“; „entspricht den Anforderungen“, „konnte den Erwartungen gerecht werden“, „problemlos“ ; weggelassen werden jetzt nahezu alle Adjektive sowie die Wörter aus Schulnote 3)

  • Er erledigte die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit
  • Sie war zuverlässig
  • Verantwortung nahm er ernst
  • Ihre Kenntnisse entsprachen den Anforderungen
  • Er war motiviert
  • Sie konnte ihre Aufgaben problemlos bewältigen

Schulnote 5: Mangelhaft

(verwendete Wörter: „bemüht“, „im Großen und Ganzen“, „zufriedenstellend“, meist“, „versuchte“)

  • Sie hat sich um eine zuverlässige Arbeitsweise bemüht
  • Verantwortung kam sie im Großen und Ganzen nach
  • Seine Kenntnisse waren zufriedenstellend 
  • Er war meist motiviert
  • Sie versuchte, Engagement zu zeigen

(karrierebibel.de/TH)

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