MINISERIE RENTENPLANUNG, TEIL 7

Verzinsliche Anlagen und Immobilienfonds

Im Rahmen unserer Miniserie zur Rentenplanung vermittelt unser Gastautor das Wichtigste über den Rentenmarkt. In diesem Kapitel: Anlagemöglichkeiten für verzinsliche Anlagen.

Mittwoch, 16.06.2021, 14:09 Uhr, Autor: Willi Froschauer
Börsenkurs

Für Rentenfonds gelten dieselben Einteilungskriterien wie für ETF`s. (Foto: © iStockphoto)

Unser Autor Willi Froschauer lehrt seit mehr als zehn Jahren an der Hotelfachschule München, an der er auch Projekte, wie Rentenplanung für Gastronomen, anbietet.

Der vorangegangene Beitrag widmete sich dem Basiswissen verzinsliche Wertpapiere („Rentenpapiere“), Rentenmarkt und dessen Einflussgrößen. Im folgenden Beitrag geht es um die Frage: Welche Anlagemöglichkeiten für verzinsliche Anlagen gibt es, wenn man diesbezüglich eine Risikostreuung (Diversifizierung) anstrebt, also das Risiko durch den Kauf von einzelnen verzinslichen Anlageformen vermeiden möchte? Darüber hinaus werden die Grundzüge von Immobilienfonds dargestellt sowie einige andere Anlagemöglichkeiten im Immobilienbereichmit geringerem Risiko.

Welche kurzfristigen Anlagemöglichkeiten der Risikostreuung im Bereich verzinsliche Anlagen gibt es?

Geldmarktfonds sind eine Form von Investmentfonds, bei der in kurzfristig liquidierbare Anlagen investiert wird wie z.B. in Sichteinlagen (wie Guthaben auf Girokonten), Festgelder (diese werden für z.B. für 1 Monat, 3 Monate oder 1 Jahr fest angelegt), Anleihen mit einer kurzen Laufzeit von unter 1 Jahr oder in so genannte Geldmarktpapiere (diese werden von einem Emittenten mit einer hohen Bonität herausgegeben und können kurzfristig an die Bundesbank verkauft werden, wie z.B. „Bubills“ und damit sehr liquide sind.

Der Geldmarkt ist ein Markt, auf dem sich v.a. der Staat, die Zentralbanken sowie institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen tummeln, um kurzfristige Gelder anzulegen. Seit einigen Jahren können hier aber auch private Anleger über Geldmarktfonds partizipieren.

Welche Vorteile bieten Geldmarktfonds für private Anleger?

  1. Das Guthaben ist täglich verfügbar – ähnlich wie beim täglich verfügbaren Tagesgeld, welches manche Banken allerdings nicht mehr anbieten.
  2. Die Risiken sind aufgrund der hohen Bonität der meisten Anlageformen überschaubar, allerdings hat es schon Fondsmanager gegeben, die auch Wertpapiere gekauft haben, die riskante Kreditforderungen beinhalten, diese spekulative Anlage aber nicht öffentlich mitgeteilt haben. Mit der Konsequenz, dass das Fondsvermögen aufgrund von Spekulation z.T. drastisch an Wert verloren hat. Man sollte hier auch wieder z.B. die Stiftung Warentest zu Rate ziehen oder andere renommierte Vergleichsportale, um die Bonität der Geldmarktfonds besser einstufen zu können.

Welche Nachteile können Geldmarktfonds beinhalten?

Häufig entstehen Kosten wie Ausgabeaufschlag, Ordergebühren und Verwaltungsgebühren, sowie u.U. Depotführungsgebühren.

Welche Rendite werfen Geldmarktfonds im Moment ab?

Seit einigen Jahren verfolgt die EZB eine Nullzinspolitik. Da die Leitzinsen der EZB eine zentrale Rolle für z.B. Festgelder und Tagesgelder spielen und auch der sogenannte Kapitalmarktzins für Anleihen niedrig beziehungsweise z.T. sogar negativ sind, sind auch die Renditen der meisten Geldmarktfonds in den letzten Jahren negativ gewesen. Erst im Falle steigender Inflation und steigender Zinsen sind Geldmarktfonds daher wieder eine interessante Alternative als kurzfristige Kapitalanlage.

Welche langfristigen Anlagemöglichkeiten der Risikostreuung im Bereich verzinsliche Anlagen gibt es?

Genau wie auf dem Aktienmarkt gibt es auch hier die Möglichkeit, in Fonds oder ETF`s zu investieren. Bei einem Anleihen-ETF geht es analog zu einem Aktien-ETF um den Kauf eines Anteils, der einen Rentenindex (Index der Kursentwicklung von verzinslichen Wertpapieren) abbildet. Da ein Anleihe- ETF kein Fälligkeitsdatum wie einzelne Anleihen hat (so haben z.B. Bundesobligationen eine Laufzeit von 5 Jahren, bevor sie zurückgezahlt werden), muss sich der Anleger nicht darum kümmern, in welche Anlage er sein zurückerstattetes Geld investiert.

Anleihe-ETF´s können nach verschieden Kriterien unterteilt werden. Das ermöglicht dem Anleger je nach Risikobereitschaft und seinen bevorzugten Anlagebereichen ein individuelles Portfolio zusammenzustellen. Die wichtigsten Anlagekriterien im Überblick:

  • Rentenart: Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Wandelanleihen etc. (siehe auch vorangegangene Artikel)
  • Regionen: Einzelne Länder, Euro-Zone, Europa, USA, Schwellenländer etc. Ähnlich wie bei dem MSCI World oder der MSCI Emerging Markets auf dem Aktienmarkt (siehe auch voran-gegangene Beiträge) gibt es auch für den Anleihemarkt internationale Indizes wie den Barclays Euro Aggregate Index oder den Barclays Global Aggregate Corporate Index (dieser beinhaltet Unternehmensanleihen, denen ggü. Staatsanleihen zwar ein höheres Risiko nachgesagt wird, die dafür aber i.d.R. eine höhere Rendite abwerfen).
  • Währungen: in Euro (kein Währungsrisiko), andere einzelne Währungen (Fremdwährungs-anleihen, Achtung: Kursrisiko!), gemischte Währungen (geeignet für die Anleger, die einerseits das Währungsrisiko auf mehrere Währungen streuen und gleichzeitig an möglichen Währungsgewinnen teilhaben wollen).
  • Bonität der Emittenten:auch hier gibt es Investmentgrade und Non-Investmentgrade, die von Ratingagenturen wie Moody`s veröffentlicht werden (siehe auch vorangegangene Artikel)
  • Restlaufzeiten der im Index vertretenen Anleihen: Manche Indizes beinhalten u.U. noch Anleihen mit höheren Nominalzinsen, die in Hochzins-Zeiten gekauft wurden, andere hingegen beinhalten überwiegend Anleihen die in der bereits langanhaltenden Niedrigzinsphase gekauft wurden und eine längere Laufzeit aufweisen.
  • Richtung der Wertentwicklung: Die meisten ETF´s setzen natürlich auf steigende Kurse, aber es gibt auch ETF´s, die „short gehen“, deren Kurs also steigt, wenn die Kurse fallen. Fällt z.B. ein Index um 5 %, steigt der Wert eines solchen Short-ETF um 5 %. Diese Short-Strategie wird manchmal verfolgt, wenn man vorübergehend mit fallenden Kursen rechnet, aber seine vor 2009 gekauften Anleihen- und Aktieninvestments nicht verkaufen möchte, da diese keiner Abgeltungssteuer unterliegen, wenn sie mit Gewinn verkauft werden. Hätte also jemand 2015 ein Investment getätigt und würde sie jetzt mit 50 % Gewinn verkaufen, obwohl er nur vorübergehend mit einem Kursrückgang rechnet, dann hätte er zwar einen steuerfreien Gewinn realisiert, aber wenn er dann diese Anlage nach dem Kursrückgang wieder kaufen würde und später wieder mit Gewinn verkaufen würde, würde dieser der Abgeltungssteuer unterliegen.

Für Rentenfondsgelten dieselben Einteilungskriterien wie für ETF`s. Analog zu den Aktienfonds wird hier kein Index und damit der Markt abgebildet, es ist wieder der Fondsmanager, der nach seinem Gutdünken einzelne Anleihen für den Fonds kauft. Auf die Unterschiede zwischen Fonds und ETF`S wurde bereits in einem früheren Beitrag umfassend eingegangen, auch auf die Unterschiede in den Kosten beim Kauf von Fonds und ETF`s.

Rentenfonds und Anleihe-ETF´s gelten als Basisinstrumente für viele Anleger, die ihr Kapital diversifiziert anlegen wollen. Für die Wahl eines dieser Anlagen empfiehlt sich – wie schon im Beitrag über Aktienfonds und Aktien ETF´s dargestellt – das Studium renommierter Vergleichsportale, insbesondere der Stiftung Warentest, in der auch bzgl. der Anlageform („Asset“) verzinsliche Anlagen zahlreiche Produkte vorstellt, untergliedert nach Regionen, Emittenten, Währungen, Renditen und Kosten etc.

Wie haben sich Staatsanleihen in den letzten 20 Jahren entwickelt?

Die Wertentwicklung von Staatsanleihen vom 31.1.2001 bis 31.12.2020 zeigt für Deutschland einen Verfall der Effektivzinsen von gut 4 % auf ca. -0,5 %, für Euroland von gut 4 % auf knapp unter 0 %. Natürlich kann lässt sich durch Beimischung höher verzinslicher Unternehmensanleihen eine höhere Verzinsung in Rentenfonds oder Anleihe-ETF´s erzielen, die Zeiten von ehemals satten Zinserträgen scheinen aber laut Ansicht der meisten Beobachter erst einmal vorbei zu sein. Trotz der widrigen Zinssituation und der Ungewissheit über den Zeitpunkt der Zinswende kann es für Anleger dennoch interessant sein, Rentenfonds oder Anleihe-ETF´s zu kaufen, falls die voraussichtlichen Erträge nicht durch die Kosten der Anlage aufgefressen werden. Grund: Die Negativzinsen, die von immer mehr Banken verlangt werden, wenn man (je nach Bank unterschiedlich) z.B. mehr als 100.000 Euro als flüssige Mittel bei einer Bank liegen hat. Meist verlangen Banken dann einen Negativzins bzw. ein Verwahrentgelt von 0,5 % auf den Betrag, der z.B. die 100.000 Euro übersteigt. Die meisten Banken verlangen dies von Neukunden, allerdings kann es sein, dass sich auch dies ändert und auch langjährige Kunden zur Kasse gebeten werden. Ob mit einem Rentenfonds bzw. einem Anleihe-ETF diese Negativzinsen kompensiert werden können ist damit ein reines Rechenbeispiel und von Situation zu Situation unterschiedlich.

Wie kann ich an der Wertentwicklung am Immobilienmarkt partizipieren?

Als Anlageformen kommen u.a. offene und geschlossene Immobilienfonds in Frage, aber auch der Kauf von Aktien einer AG, die ausschließlich in Immobilien investiert, sowie Immobilien-ETF`s.

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