Ratgeber

Rechtslage: Urlaubsanspruch und Resturlaub

Kann ein bereits genehmigter Urlaub widerrufen werden? Muss der Mitarbeiter im Urlaub erreichbar sein? Und was änderte sich 2019 hinsichtlich des Resturlaubs? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Donnerstag, 14.03.2019, 11:24 Uhr, Autor: Thomas Hack
EIn entspannter Koch raucht am Palmenstrad eine Zigarette

Muss der Mitarbeiter im Urlaub erreichbar sein oder kann dieser bei Personalengpässen sogar zurückbeordert werden?(© Robert Kneschke/Fotolia/pixabay/TH)

Immer wieder gibt es in deutschen Betrieben heftige Diskussionen und Verhandlungen, wenn es um Urlaubswünsche eines Mitarbeiters geht. Viele wissen auch gar nicht, welche Rechte und Pflichten diesbezüglich genau zu beachten sind. HOGAPAGE gibt Ihnen die Antworten auf die wichtigsten Fragen, die sich rund um den Urlaubsanspruch und den Resturlaub in Deutschland drehen.

Wie viele Urlaubstage müssen dem Mitarbeiter mindestens zugestanden werden?
Vier ganze Wochen pro Jahr. Das bedeutet bei einer 5-Tage-Woche 20 Werktage, bei einer 6-Tage-Woche 24 Werktage usw.

Gilt dies auch für minderjährige Mitarbeiter?
Nein, diese müssen mehr Urlaubstage erhalten: Bis 16 Jahre 30 Werktage, von 16-17 Jahre 27 Werktage, von 17-18 Jahre 25 Werktage.

Ein Mitarbeiter arbeitet nur Teilzeit, der andere Vollzeit. Gibt es da Unterschiede?
Nein. Entscheidend ist nicht die Zahl der Arbeitsstunden pro Tag, sondern die Zahl der Arbeitstage pro Woche. Aber Vorsicht: Teilzeitbeschäftigte haben nur dann Anspruch auf die gleiche Anzahl an Urlaubstagen wie Vollzeitbeschäftigte, wenn sie wie diese jeden Tag zur Arbeit gehen.

Können Urlaubstage auch ausbezahlt werden?
Nein, das ist verboten. Ausnahme: Wenn der Mitarbeiter den noch übrigen Urlaub nicht mehr nehmen kann, weil er vorher kündigt, muss der Arbeitgeber den Urlaub ausbezahlen.

Darf der Mitarbeiter seinen Urlaub nehmen, wann er möchte?
Jein. Es heißt zwar im Gesetz, dass die Urlaubswünsche des Mitarbeiters zu berücksichtigen sind. Doch noch mehr sind die Belange des laufendes Betriebs zu berücksichtigen. Das heißt, wenn ein Kellner mitten im Weihnachtsgeschäft vier Wochen in die Karibik fliegen will, wird er bei den Urlaubsverhandlungen wohl nur in den seltensten Fällen Erfolg haben.

Darf der Mitarbeiter also gar keinen längeren Urlaub am Stück in Anspruch nehmen?
Doch. Der Mitarbeiter hat das Recht auf mindestens zwei ganze Wochen am Stück.

Wie sieht es Heiligabend und Silvester aus?
Diese beiden Tage sind keine gesetzlichen Feiertage, sodass der Mitarbeiter jeweils einen ganzen Urlaubstag beantragen muss. Viele Betriebe räumen jedoch freiwillig jeweils einen halben Urlaubstag ein.

Darf der Chef einen bereits genehmigten Urlaub widerrufen?
Nur in extremen Krisensituationen (ein plötzlich erhöhtes Auftragsaufkommen oder Personalmangel zählen nicht darunter). Und bereits gebuchter Urlaub muss dem Mitarbeiter dann finanziell erstattet werden.

Muss der Mitarbeiter im Urlaub erreichbar sein?
Wenn nichts anderes vereinbart wurde: nein.

Und wenn der Chef den Mitarbeiter doch erreicht, darf er ihn dann wegen einer Krisensituation zurückbeordern?
Nein.

Was passiert, wenn der Mitarbeiter im Urlaub krank wird?
Dann handelt es sich um Krankheitstage und nicht mehr um Urlaubstage. Der Urlaubsanspruch für diese Tage bleibt also weiterhin bestehen, doch die Zahl der Krankheitstage muss zwingend durch ein ärztliches Attest dokumentiert sein.

Und wenn er sich mit Magenverstimmung in Thailand befindet?
Auch dann sind es Krankheitstage, die mit einem Attest belegt werden müssen. Aber Vorsicht: Der Mitarbeiter darf diese Tage dann keineswegs einfach hinten an den Urlaub dranhängen. Dies kann zur fristloser Kündigung führen.

Hat der Mitarbeiter das Recht, Resturlaub ins nächste Jahr mitzunehmen?
Rein gesetzlich nicht, wenn keine dringenden betrieblichen Erfordernisse vorliegen. Es gibt in der Praxis natürlich betriebsbedingte Ausnahmen und heutzutage gewähren viele Betriebe freiwillig die Übernahme von Resturlaub ins nächste Jahr.

Bis wann muss der Resturlaub im neuen Jahr genommen werden?
In den ersten drei Monaten. Diese Regelung verhindert, dass ein Mitarbeiter etwa jahrelang seinen Urlaub aufsummiert, um dann plötzlich mal ein halbes Jahr in die USA zu verreisen.

Was änderte sich 2019 hinsichtlich des Resturlaubs?
Seit diesem Jahr ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Mitarbeiter deutlich auf seine bestehenden Resturlaubstage hinzuweisen. Dies soll verhindern, dass nicht beantragter Urlaub automatisch verfällt.

Was passiert mit dem Resturlaub nach dem Tod eines Mitarbeiters?
Eine sinnlose und makabere Frage? Keineswegs, denn auch zu diesem Thema gibt es immer wieder Rechtsstreitigkeiten und Gerichtsverhandlungen. Nach einem Urteil des EuGH gilt: Urlaub ist mittlerweile Teil der Erbmasse, was bedeutet, dass die Erben des Verstorbenen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für dessen nicht genommene Urlaubstage haben.

Alle hier genannten Fakten beziehen sich auf die Rechtslage in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten andere Gesetze!

 

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