Flexibilität gefordert

Was ist arbeitslosen Köchen zumutbar?

Vor allem im Westen Österreichs, in den Tourismushochburgen, herrscht latenter Personalmangel. Hoteliers beklagen schon länger mangelnde Mobilität der Arbeitslosen.

Montag, 15.01.2018, 09:47 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Eine Gruppe Köche bei der Zubereitung von Gerichten

Manche Unternehmer würden die Zumutbarkeitsbestimmungen für arbeitslose Köche und Kellner in Österreich gerne lockern. (© Pixabay)

Am Arbeitsmarkt sieht die neue Regierung Handlungsbedarf. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck ortet die Notwendigkeit, die Mobilität Jobsuchender zu erhöhen. Es sei „nicht einzusehen, dass sich junge Menschen nicht bewegen“, erklärte die ÖVP-Ressortchefin jüngst in einem Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“. Bei Gastronomen und Hoteliers rennt sie damit offene Türen ein. Denn viele offene Stellen gäbe es im Westen während ebenso viele Arbeitslose im Osten sitzen würden.

Österreichweit wurden im Tourismus im Vorjahr 7460 offene Stellen gemeldet, während 42.260 keinen Job hatten. Eine Vermittlung weg vom Wohnort ist in Österreich allerdings nicht so einfach möglich. Befindet sich der potenzielle Arbeitsplatz zwei Stunden Fahrtzeit entfernt, kann er abgelehnt werden. Die Regierung will den zeitlichen „Radius“ zwar auf zweieinhalb Stunden erhöhen, das reicht klarerweise aber auch nicht für eine Vermittlung von Niederösterreich nach Tirol. In Deutschland ist das System laut Standard-Artikel restriktiver. Ein Umzug muss in Kauf genommen werden, wenn ein Arbeitsloser nach drei Monaten keinen Job gefunden hat. Ausgenommen Personen mit Betreuungspflichten.

„Die Leute bleiben lieber daheim“
Florian Werner, Chef des Hospiz in St. Christoph am Arlberg, sucht regelmäßig verzweifelt Saisonkräfte. Doch oft muss er auf Spanier oder Menschen anderer Nationalitäten zurückgreifen, weil Österreicher nicht zu bekommen sind. Diese Erfahrung hat er wieder zu Saisonbeginn gemacht, als er dringend Küchenpersonal gesucht habe, wie er schildert. Über Kontakte aus der Branche sei er dann auf potenzielle Arbeitskräfte aus Kärnten gestoßen, die keine Stellen hatten. Direkte Gespräche hätten dann folgendes Ergebnis gebracht: „Sie bleiben lieber im schönen Kärnten und gehen stempeln“, wundert sich Werner gegenüber dem Standard. Die befragten Personen hätten keine Betreuungspflichten gehabt, versichert der Unternehmer. Gegen die von ihm geforderte Mobilität gibt es freilich auch ein paar Argumente. Die eigene Wohnung aufzugeben, um einen Saisonjob anzunehmen, sprengt in Österreich den Rahmen der Zumutbarkeit.

Für die Gewerkschaft liegt ein Teil des Übels in der schlechten Bezahlung in der Branche. „Wer gute Bedingungen bietet, bekommt auch Leute“, meint Bernhard Achitz vom ÖGB. Werner kontert: Er zahle Köchen 2000 netto, Kost und Logis seien frei. „Und das sieben Tage die Woche samt drei Mahlzeiten am Tag.“ Außerdem gebe es im Hospiz keine Massenquartiere für das Personal, wie sie in anderen Hotels oft kritisiert werden. (Der Standard/CK)

 

Zurück zur Startseite

Weitere Themen