Vertrauen statt Kontrolle: Jochen Swoboda verlässt Seminaris
Zum 30. September endete für Seminaris eine Unternehmensphase: Seit dem 1. Oktober werden die acht Häuser unter dem Dach der Belvilla Deutschland GmbH weitergeführt (HOGAPAGE berichtet). Für Jochen Swoboda bedeutet der Betreiberwechsel zugleich den Abschied von seiner Rolle als CEO.
In einem persönlichen Schreiben an Mitarbeiter, Partner und Wegbegleiter zieht Swoboda Bilanz seiner Zeit bei Seminaris. Im Mittelpunkt steht dabei die Transformation, die das Unternehmen zwischen 2019 und 2024 durchlaufen hat. Strukturen wurden verändert, Verantwortlichkeiten neu verteilt und Entscheidungswege verkürzt.
Ein zentraler Bestandteil war für Swoboda dabei die Verlagerung von Verantwortung in die Hotels und zu den Teams. „Wir haben versucht, mehr Verantwortung dorthin zu geben, wo das Wissen und die Erfahrung liegen“, schreibt er in seinem Abschiedsbrief.
Führung als Frage des Vertrauens
Damit schließt sich auch der Kreis zu einem HOGAPAGE-Interview, das Swoboda im Mai dieses Jahres gegeben hatte. Damals sprach der Seminaris-CEO über Selbstorganisation, Servant Leadership und die Abkehr von klassischen Top-down-Strukturen. Sein Grundsatz: Entscheidungen sollten möglichst dort getroffen werden, wo die entsprechende fachliche Expertise vorhanden ist.
Auch in seinem Abschiedsschreiben beschreibt Swoboda Vertrauen als zentralen Bestandteil seiner Führungsphilosophie. Gute Führung sei für ihn weniger eine Frage der Kontrolle als des Vertrauens. Mitarbeiter müssten Verantwortung übernehmen können – und dafür auch die Möglichkeit bekommen, Fehler zu machen und daraus zu lernen.
Diese Haltung habe sich nach seiner Einschätzung im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur entwickelt.
„Seminaris war wirtschaftlich erfolgreich“
Swoboda betont in seinem Rückblick zugleich die wirtschaftliche Entwicklung der Hotelgruppe. Seminaris sei nicht aufgrund einer wirtschaftlichen Schieflage auf einen neuen Betreiber angewiesen gewesen. Vielmehr habe man Strukturen vereinfacht, Prozesse und Kosten hinterfragt und die Organisation effizienter aufgestellt.
Dass die acht Häuser nun an einen neuen Betreiber übergehen, wertet Swoboda deshalb ausdrücklich nicht als Zeichen für eine gescheiterte Entwicklung. Die wirtschaftliche und organisatorische Weiterentwicklung habe vielmehr dazu beigetragen, Seminaris für andere Betreiber attraktiv zu machen.
„Der Betreiberwechsel ist deshalb für mich kein Zeichen dafür, dass unsere Arbeit nicht funktioniert hätte“, schreibt er.
Was von Seminaris bleiben soll
Besonders beschäftigt Swoboda zum Abschied die Frage, was von der Unternehmenskultur unter den neuen Strukturen erhalten bleibt. Verantwortung, Vertrauen, gegenseitiges Zuhören und die Bereitschaft, Fehler als Teil von Entwicklung zu akzeptieren, nennt er als Elemente, die seiner Ansicht nach über den Betreiberwechsel hinaus Bestand haben sollten.
„Kultur kann man nicht übergeben wie einen Schlüssel“, schreibt Swoboda. Sie entstehe aus Menschen, gemeinsamen Erfahrungen und dem täglichen Umgang miteinander.
Auch Programme wie WELCOME!, NEEDS!, DREAMS!, PEERS! und FUTUREADY! seien aus dem eigenen Transformationsprozess entstanden. Sie sollten Wissen und Erfahrungen unter anderem zu Führung, Ausbildung, persönlicher Entwicklung und Zusammenarbeit innerhalb der Organisation verankern.
Abschied mit Dank und Stolz
Zum Ende seines Schreibens richtet Swoboda seinen Dank vor allem an die Mitarbeitern in den Hotels und der Zentrale sowie an Führungskräfte, Kunden und Geschäftspartner.
Seminaris werde in dieser Form zwar nicht weiterbestehen, schreibt der scheidende CEO. Die Erfahrungen aus der Transformation, die acht Häuser und vor allem die Menschen, die diese Entwicklung mitgetragen haben, blieben jedoch bestehen.
„Natürlich fällt der Abschied von einem solchen Herzensprojekt schwer“, resümiert Swoboda. Gleichzeitig gehe er mit Dankbarkeit und Stolz auf die wirtschaftliche Entwicklung, die Häuser, die Teams und den gemeinsamen Veränderungsprozess.
(Jochen Swoboda/Seminaris/KAGI)