Studie

Verdienen attraktive Mitarbeiter mehr?

Mann mit Glatze reibt sich den Kopf
Oft genug zerbrechen sich Personalverantwortliche in der Gastro den Kopf über qualifizierte und unqualifizierte Bewerber.(© Sabimm / fotolia)
„Schöne“ Menschen bekommen durchschnittlich mehr Gehalt als unattraktive Mitarbeiter – eine weit verbreitete Annahme, vor allem in den USA. Eine Langzeitstudie der Londoner School of Economics hat diesen Mythos untersucht.
Donnerstag, 23.02.2017, 13:39 Uhr, Autor: Felix Lauther

Bekommen attraktive Menschen wirklich mehr Gehalt? Eine Gruppe von Wissenschaftlern der renommierten London School of Economics wollte es genauer wissen und wertete eine Langzeitstudie mit 20.000 US-Amerikanern aus. Was das Team um Satoshi Kanazawa herausfand, räumt das Gerücht endgültig aus und kommt zu einer überraschenden Erkenntnis: Wer am unattraktivsten schien, verdiente unter den Teilnehmern oft deutlich besser. Die Studie aus London ist aber umstritten, wie Bild Online schreibt.

Kritiker des Forschungsberichts entgegnen: wichtiger als die Optik, seien demnach Merkmale wie Gesundheit, Intelligenz und günstige Persönlichkeitsfaktoren. Wird jemand als „schön“ bezeichnet, bekommt er deshalb oft mehr Gehalt, weil er gesünder, intelligenter sei und in seiner Persönlichkeit positiver wirke.

Diskriminierung hat keine Auswirkungen auf das Gehalt
Die Initiatoren der Langzeitstudie untersuchten auch drei Faktoren, die nach Meinung vieler Mitarbeiter zu größeren Gehaltsunterschieden zwischen attraktiven und weniger gut aussehenden Menschen führen:

►Diskriminierung durch Arbeitgeber, Kollegen oder Kunden
►Selbstbeschränkung der Betroffenen auf bestimmte Berufsfelder
►individuelle Unterschiede

Die Erkenntnisse daraus widerlegten die These, dass sehr unattraktive Menschen wegen ihrer Diskriminierung vergleichsweise weniger verdienen. Nachzulesen sind die Ergebnisse der Forscher im Fachblatt „Journal of Business and Psychology“.

Satoshi Kanazawa und sein Team ernten für ihre Studie heftige Kritik. US-Ökonomen Daniel Hamermesh von der University of London kritisiert, dass der Anteil von sehr unattraktiven Menschen in der Probandengruppe zu niedrig gewesen sei. 4.500 Menschen, die als attraktiv gelten, standen einer Gruppe von 280 „unattraktiven“ Teilnehmern gegenüber.

Für Arbeitsökonom Thomas Bauer vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen sei die Datenbasis zu mickrig, um daraus repräsentative Schlüsse zu ziehen.

Verdienen in Deutschland attraktive Menschen mehr?
In Deutschland gibt es Tarifverträge, Gleichstellungsbeauftragte und oft auch Betriebsräte, die für gleiche Rechte und demnach auch Gehaltsstrukturen sorgen sollen.

Eva Sierminska vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erklärt: „Für Frauen haben wir eine durchschnittliche ‚Schönheitsprämie‘ von zwei bis vier Prozent am unteren Ende der Gehaltsverteilung gefunden.“ Gut aussehende Männer bekommen ihrer Analyse nach sogar fünf bis sieben Prozent mehr Gehalt – egal in welcher Einkommensklasse sie sich befinden. (bild.de / FL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Jens Spahn
Gebäudeenergiegesetz
Gebäudeenergiegesetz

Heizungsgesetz 2026: Was die Reform für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Gas- und Ölheizungen bleiben erlaubt – aber nur mit mehr grünem Brennstoff. Was bedeutet die Reform des Heizungsgesetzes für Hotels und Gastronomiebetriebe? Ein Überblick über Kostenrisiken, Förderchancen und die strategischen Folgen für Investitionen.
Kellnerin bringt Kuchen an den Tisch
Arbeitsmarktzugang
Arbeitsmarktzugang

Asylbewerber sollen schneller arbeiten dürfen

Asylbewerber sollen künftig bereits nach drei Monaten arbeiten dürfen – auch wenn ihr Asylverfahren noch läuft. Für das personalintensive Gastgewerbe könnte die geplante Neuregelung zusätzliche Chancen im Kampf gegen den anhaltenden Personalmangel eröffnen.
Rezeptionistin in einem Hotel telefoniert an der Rezeption und organisiert den laufenden Betrieb
Einsatzplanung
Einsatzplanung

Personalausfall im Gastgewerbe erfolgreich managen

Unvorhergesehene Engpässe gehören in Gastronomie und Hotellerie zum Alltag. Betriebe, die auf strukturierte Planung, flexible Modelle und klare Kommunikation setzen, bleiben auch unter Druck handlungsfähig.
Zwei Kellner bringen Speisen
Statistik
Statistik

Zahl der Mitarbeiter im hessischen Gastgewerbe steigt

Im hessischen Gastgewerbe arbeiten wieder mehr Menschen: Vor allem in der Gastronomie geht die Zahl der Beschäftigten nach oben. Wie sieht es dort mit dem Umsatz aus?
Internorga Zukunftspreis
Wettbewerb
Wettbewerb

Internorga Zukunftspreis 2026: Die Nominierten stehen fest

Von innovativen Food- und Beverage-Konzepten über smarte Technik- und Robotiklösungen bis hin zu inklusiven und nachhaltigen Gastro-Modellen: Der Internorga Zukunftspreis rückt erneut die Innovationstreiber der Branche ins Rampenlicht. Die Nominierten für 2026 stehen jetzt fest.
Kellner beim Abkassieren
Statistik
Statistik

Gastgewerbeumsatz 2025 liegt unter Vorjahresniveau

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Jahreszahlen 2025 für das Gastgewerbe vorgelegt. Nominal stiegen die Umsätze leicht – preisbereinigt gingen die Einnahmen für Gastronomie und Hotellerie jedoch zurück.
Kemal Üres
Neues Youtube-Format
Neues Youtube-Format

„Kemal Rettet“: Der „Gastroflüsterer“ hilft Gastronomen in Not

In seinem neuen YouTube-Format unterstützt Gastroexperte Kemal Üres Betriebe, die vor dem Aus stehen. Sein erster Einsatz: Bedingt durch Bauarbeiten steht das Traditionsrestaurant „Amadeus“ bei Hamburg kurz vor der Pleite – doch der „Gastroflüsterer“ hat schon einen Plan ...
370Grad
Messe
Messe

370Grad 2026: Hamburg wird zum Hotspot für Hospitality-Entscheider

Vom 13. bis zum 16. März 2026 wird Hamburg erneut zum Treffpunkt für Entscheider aus Hotellerie, Gastronomie und Catering: Die 370Grad lädt zum zweiten Mal ins Empire Riverside Hotel und setzt auf Austausch, Innovation und persönlichen Austausch auf Augenhöhe.
Lächelnde Bewerberin und Geschäftsmann beim Vorstellungsgespräch, Handschlag im Interview
Recruiting-Trends
Recruiting-Trends

Bewerben ohne Hürden: So gewinnt das Gastgewerbe Personal

In Hotels und Restaurants zählt Tempo im Recruiting mehr denn je. Eine neue Studie zeigt, was Bewerber beim Bewerbungsprozess abschreckt und was Vertrauen schafft.