Fachkräftemangel

Kellnerin packt aus: Darum will niemand den Job machen

Kellnerin serviert Häppchen
Eine Kellnerin erzählt, was in der Branche schief läuft. (Foto: © Kadmy/fotolia)
Egal ob Küche oder Service, Betriebe aus dem Gastgewerbe suchen bundesweit händeringend nach Personal. Das klappt jedoch eher schlecht als Recht. Eine Kellnerin verrät, was in der Branche schief läuft und warum niemand mehr den Job machen will.
Montag, 07.08.2017, 13:44 Uhr, Autor: Markus Jergler

Eine Autorin von orange.handelsblatt.com, die selbst seit vier Jahren im Service tätig ist, macht ihrem Ärger über die Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe Luft. In einem Artikel verrät sie, warum wohl auch zukünftig kaum Personal auffindbar sein wird:

In dem Lokal, in welchem Lena arbeitet, schrubbt die Wirtin den Boden nach einem langen Arbeitstag noch selbst, denn auch Reinigungskräfte sind schwer zu bekommen. Kellner, Köche und Co. sind jedoch noch wesentlich seltener zu finden. Auch wenn der Service für Schüler und Studenten häufig ein vielversprechender Nebenjob ist, werden professionelle Karrieren in der Gastronomie kaum noch angestrebt.

Kaum Nachwuchs in Sicht
2016 blieb rund jeder dritte Ausbildungsplatz für die Lehre des/der „Restaurantfachmannes/-frau“ unbesetzt. Damit belegt dieser Ausbildungsberuf unangefochten Platz eins in der Liste der Berufe mit den größten Nachwuchsproblemen. Doch auch andere Ausbildungsangebote, wie Köchin, Hotelkaufmann oder Fachfrau für Systemgastronomie, werden von jungen Menschen kaum noch wahrgenommen. Im harten Kampf um den Nachwuchs, lassen sich Wirte einiges einfallen. So versprechen sie beispielsweise Prämien wie iPhones inklusive Vertrag, Mittelmeer-Kreuzfahrten oder sogar ein eigenes Azubi-Auto. Andere setzen auf moderne Zielgruppenansprache, beispielsweise in Form hochwertiger YouTube-Videos, wie das Hotel Elisenhof in Mönchengladbach.

© Hotel Elisenhos / YouTube

Was läuft falsch?
Die Gastronomie hat ganz klar ein riesiges Image-Problem, nicht zuletzt aufgrund der allgemeinen Rahmenbedingungen, von denen hauptsächlich die negativen in aller Munde sind. Lange Schichten, arbeiten an Sonn- und Feiertagen, anstrengende Gäste und eine unterdurchschnittliche Bezahlung. Hinzukommen immer wieder negative Beispiele, die trotz gesetzlicher Vorgaben, ihren Mitarbeitern nicht einmal den Mindestlohn bezahlen.

Doch auch wenn der Chef sich an gesetzliche Bestimmungen hält, lebt der Gastronom sehr oft vom Trinkgeld. Leider herrscht bei vielen Gästen, vor allem bei Deutschen, eine „Geiz ist geil“-Mentalität. Für Kellner und Kellnerinnen ist es extrem frustrierend, wenn nach stundenlangem Lächeln, Zuhören und dem Erfüllen sämtlicher Sonderwünsche nicht einmal ein einziger Euro Trinkgeld folgt.

Die Schönheit der Gastronomie wird durch die zahlreichen negativen Branchenbedingungen größtenteils in den Hintergrund gedrängt. Glücklicherweise gibt es nach wie vor auch die positiven Seiten der Gastronomie. So gibt es, gerade in Deutschland, unzählige kleine Familienbetriebe, zumindest noch. Hier wird der Charme und die Attraktivität der Branche deutlich. Der tägliche Umgang mit Gästen, die die harte Arbeit zu schätzen wissen, Teil eines eingeschworenen Teams zu sein oder die berufliche Verwirklichung einer persönlichen Leidenschaft machen die Gastronomie einzigartig. Zum Glück werden bundesweit immer mehr Initiativen und Programme ins Leben gerufen, damit diese Einzigartigkeit erhalten bleibt und dass die Branche wieder attraktiver wird. Von den DEHOGA-Landesverbänden bis hin zu einzelnen Familienbetrieben kämpfen alle für den Erhalt der deutschen Gastronomie. (orange-handelsblatt/MJ)

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