Schweizer Lehrlingsumfrage

Jeder zweite will weg

In der Befragung der Hotel & Gastro Union zeigt sich, dass die Branche den Nachwuchs immer noch nicht motivieren kann, in der Branche zu bleiben. Es gibt aber auch positive Zeichen.

Mittwoch, 04.07.2018, 11:12 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Junge Köche bei der Arbeit mit ihrem Ausbilder

Auch in der Schweiz hat die Branche ein Nachwuchsproblem. (© fotolia.com/Phovoir)

Über 1.000 Lernende aus den Bereichen Küche, Hauswirtschaft, Restauration, Kaufmann/frau und Bäckerei-Konditorei haben in der kürzlich durchgeführten Umfrage der Branchenorganisation Hotel & Gastro Union teilgenommen, welche das renommierte Meinungsforschungsinstitut GfK Switzerland AG ausgewertet hat. Dieses Lehrlingsbarometer ist repräsentativ.

Eines ist auffällig: seit Jahren sind die Zahlen etwa gleich. Zum einen ist das natürlich gut. Das Image der Gastronomie wird eher positiv bewertet und die Lernenden erhalten den Dienstplan mehrheitlich rechtzeitig. Auch bewerten die Lernenden aller Berufe die Qualifikation der Ausbildungsverantwortlichen als sehr gut und die Ausbildner nehmen sich mehrheitlich genügend Zeit für die Lehrlinge. Auch das Betriebsklima bewerten sie mehrheitlich positiv. Die Basis für eine erfolgreiche Gastro-Zukunft ist eigentlich gegeben.

„Investition ohne Nutzen“
Die gleichbleibenden Zahlen müssen aber auch kritisch gewürdigt werden. Etwas mehr als die Hälfte der Lernenden will sicher oder vermutlich auf dem Beruf bleiben. Das ist schön, aber was ist mit der anderen Hälfte? Seit Jahren verliert die Branche gut ausgebildete Fachkräfte. Die Zahl konnte bis heute nicht minimiert werden, sie stieg sogar an. Anders gesagt betreibt die Branche eine „Investition ohne Nutzen“ und das trotz Fachpersonal-Mangels. Lehrlinge, die eine Zusatzausbildung machen, bleiben signifikant mehr auf dem Beruf als jene in der Erstausbildung. Müssen wir die Auszubildenden dazu bewegen Weiterbildungen zu machen? Max Züst, Direktor von Hotel & Gastro formation Schweiz der Aus- u. Weiterbildungsplattform der Branche, sieht es wie folgt: „Ein geglückter Start ist in allen Lebensbereichen von Bedeutung, was besonders auch für die Lehre zutrifft. Wer Wertschätzung erfährt und Kompetenz erlebt, plant seine Zukunft eher in der Branche. Als Perspektive soll Weiterbildung unmittelbar nach Berufseinstieg Thema sein, jedoch bietet eine erste betriebliche ‚Festigungsphase‘ persönliche Entwicklungschancen und verleiht Sicherheit.“ Urs Masshardt, Geschäftsleiter Berufsorganisation Hotel & Gastro Union, sieht es ähnlich: „Wenn der Chef beruflich und menschlich eine Vorbildfunktion inne hat, dann motiviert es junge Berufsleute noch mehr auf dem Beruf zu bleiben.“

Es braucht definitiv kreative Ansätze, dass die jungen, gut ausgebildeten Fachkräfte in der Branche bleiben. Stage-Möglichkeiten im Ausland, Job-Sharing, Teilzeit, höhere Wertschätzung, Weiterbildung, bessere Löhne und Blockzeiten sind Möglichkeiten. Unsere Berufe stehen im Wettbewerb mit branchenfremden Berufen. Die Gastronomie muss die Vorzüge ihrer Berufe noch klarer kommunizieren und auch offen für neue Arbeitsmodelle sein, sonst ändert sich die „Investition ohne Nutzen“ auch in den nächsten Jahren nicht. Irgendwann kann sich das die Branche nicht mehr leisten, ist man bei der Hotel & Gastro Union überzeugt. (CK)

 

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