Nachwuchskräfte

Generation Y: Die Erwartungen an die Chefs

Junge deutsche Arbeitnehmer durchleuchten ihre Arbeitgeber heute genauer – auch im Gastgewerbe. Mit dicken Gehaltsversprechen lockt man die Generation Y nicht mehr hinterm Ofen hervor.

Mittwoch, 18.01.2017, 12:07 Uhr, Autor: Felix Lauther
Koch mit riesigem Kochlöffel über Schulter

© Major Kord / fotolia

Die „Millenials“ wissen um die Begehrlichkeiten, die sie auf dem Markt wecken. Ihr Preis für potenzielle Arbeitgeber ist hoch. Bei der Berufswahl spielt eine fürstliche Entlohnung für die Jahrgänge der „Generation Y“ längst keine alles entscheidende Rolle mehr. Betriebe im Gastgewerbe müssen neue Impulse bei der Werbung um Auszubildende und der Sicherung von Fachkräften setzen.

Wer als Unternehmen seine Ausbildungsinhalte nicht in Feedback-Runden hinterfragt, keine Abwechslung und Entwicklungschancen bietet, fällt bei den jungen Deutschen durch das Raster. Gastro-Betriebe müssen eine Unternehmenskultur schaffen, die junge Menschen begeistert und Identifikationspotenziale schafft.

7 goldene Regeln für mehr Nachwuchskräfte in Hotels und Restaurants:

1. Entlohnung
Arbeit muss sich lohnen. Die Aussicht auf eine leistungsgerechte Bezahlung macht den Gastro-Betrieb bei Bewerbern attraktiver. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Lünendonk, im Auftrag des Personalunternehmens Orizon, hat ermittelt, dass für 95,8 Prozent der jungen Umfrageteilnehmer eine leistungsgerechte Bezahlung am wichtigsten ist. An zweiter Stelle halten die Millenials abwechslungsreiche Arbeiten und ein sicheren Arbeitsplatz mit jeweils 91,7 Prozent für attraktiv.

2. Attraktive Standorte
Vorteile des jeweiligen Standorts deutlich hervorstellen: Wer ein Hotel oder Restaurant in den Metropolen Berlin, München, Köln oder Hamburg besitzt, hat größere Chancen Nachwuchskräfte zu finden als z. B. im Erzgebirge. 81 Prozent der Befragten entscheiden sich lieber für attraktive Standorte des Betriebs. Für Standorte im Schwarzwald, in der Lüneburger Heide oder in Brandenburg gilt deshalb: Nicht kleiner machen, als man ist und die Vorteile des Ländlichen hervorheben.

3. Sonderzahlungen
Kleine Gesten, große Wirkung: Urlaubsgeld oder andere Sonderzahlungen sind im Gastgewerbe nicht an der Tagesordnung. Auch wenn für 78,8 Prozent der befragten Fachkräfte der Erhalt von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld ein „wichtiges“ oder „sehr wichtiges“ Kriterium bei der Wahl des Unternehmens ist, können Gastronomen und Hoteliers durch kleinere Gesten wie der Übernahme eines Monatstickets für Bus und Bahn, den potenziellen Auszubildenden locken.

4. Betriebliche Altersvorsorge
Hilfe zur Selbsthilfe: 78 Prozent der jungen Deutschen bemessen der betrieblichen Altersvorsorge ein eine große Rolle zu. Erfahrene Gastronomen und Hoteliers kennen sich mit einer Altersvorsorge aus. Sie können jungen Mitarbeitern Tipps und Hilfestellungen bei Anträgen geben. 74,4 Prozent interessieren sich stark für eine betriebliche Gesundheitsvorsorge, wie Lünendonk weiter ermittelt hat. Unternehmer im Gastgewerbe müssen den Bewerbern zeigen, dass Ihnen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter trotz langer Schichten und wenig Schlaf sehr wichtig ist. Die Berufskleidung, Schuhe und Arbeitsmaterialien sollten daher immer modernen Standards entsprechen.

5. Image
Mit dem guten Ruf punkten: Wer als Betrieb ein schlechtes Image hat, der bekommt kaum Bewerbungen. 77,4 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen die Reputation des Unternehmens„wichtig“, beziehungsweise „sehr wichtig“ ist. Hippe Restaurants, coole Hotels mit flachen Hierarchien können ihr Image nutzen, um das Interesse des Bewerbers an dem Gastro-Job zu intensivieren. die Betriebe sollten den entscheidenden Unterschied zum Mitbewerber deutlich machen.

6. Flexible Arbeitszeiten
Freizeit statt Sardinenbüchse: Argumente für eine gesunde Arbeitszeiten-Regelung zu finden, gehört zu den größten Herausforderungen jedes Gastronoms oder Hoteliers. Freizeit in Form von Urlaub ist aber dann am schönsten, wenn die Hochsaison vorbei ist und die Strände leer sind. Wenn die Gäste also im September wieder in ihren Büros sitzen, können Gastro-Mitarbeiter ihre Urlaubsplanung freier gestalten. „9-to-5-Jobs“ sind jedenfalls out. 76,2 Prozent der befragten Umfrageteilnehmer wünschen sich eine „Work-Life-Balance“. Heißt: Wenn es um attraktive Arbeitsplatzbeschreibungen geht, nennen junge Fachkräfte „flexible Arbeitszeiten“ in der Top 10 an achter Stelle.

7. Karitatives Engagement
Gutes Herz zeigen: Restaurants, die übrig gebliebene Lebensmittel an die Tafel spenden oder Hotels, die Spenden für Flüchtlinge sammeln, machen sich bei den potenziellen Bewerbern nicht entscheidend beliebter. Nur 68,7 Prozent lassen dieses soziale Engagement als Entscheidungskriterium in ihre Stellenwahl einfließen. (WirtschaftsWoche / Lünendonk / FL)

 

 

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