Personalmangel

Fachkräfte im Gastgewerbe halten

Die Gastronomie- und Hotelbranche hat seit der Corona-Pandemie vermehrt mit Personalmangel zu kämpfen. Die Branchenorganisation Hotel & Gastro Union zeigt in ihrem Manifest vier Wege aus der Krise.

Montag, 20.06.2022, 12:31 Uhr, Autor: Sarah Kleinen
Eine Kellnerin nimmt eine Bestellung auf.

Die Hotel & Gastro Union zeigt vier Wege aus der Personalmangelkrise. (Foto: © Seventyfour/stock.adobe.com)

Die Folgen der Corona-Pandemie sind in der Hotellerie und Gastronomie immer noch zu spüren. Aus einer stabilen Branche ist eine Risikobranche geworden. Mitarbeiter fehlen und die, die noch da sind, stehen vor der Frage, ob sie bleiben oder doch gehen sollen.

Bereits seit einiger Zeit weist die Hotel & Gastro Union die Arbeitgeber und Politiker darauf hin, dass dringend gehandelt werden muss. In ihrem neuen Manifest weist sie Wege aus der Krise. Vier davon sind laut Hotel & Gastro Union entscheidend, wenn die Branche nicht noch mehr Mitarbeiter verlieren will:

An erster Stelle steht der Lohn. Tiefe Löhne verursachen die Abwanderung von Fachkräften. Deshalb gilt es, eine generelle Lohnerhöhungen auf allen Qualifikationsstufen einzuführen. Darüber hinaus sollte in die Bildung und die Suche nach Berufsnachwuchs investiert werden. Drittens sollten die Mitarbeiter mehr Wertschätzung seitens der Arbeitgeber und der Gesellschaft erfahren. Schließlich gilt es, attraktivere Arbeitszeiten einzuführen.

Das Manifest im Überblick:

1. Tiefe Löhne verursachen die Abwanderung von Fachkräften, deshalb:

  • Generelle Lohnerhöhungen auf allen Qualifikationsstufen
  • Würdigung der Berufserfahrung als lohnrelevanter Faktor
  • Mitarbeiter brauchen eine Lohnperspektive
  • Weitergabe der Lohnerhöhungen an die Konsumenten wie in anderen handwerklichen Branchen üblich.

2. Investition in die Bildung, deshalb:

  • Unbefristete Fortsetzung der kostenlosen Aus- und Weiterbildung über 2023 hinaus
  • Steigerung der Anforderungen an die Berufsbildner zugunsten der Lernenden
  • Mehr bezahlte arbeitsfreie Zeit für die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung
  • Mitarbeiter ohne formelle Berufsausbildung sollen verstärkt an Progresso-Kursen teilnehmen
  • Förderung der unternehmerischen Kompetenzen der Arbeitgeber.

3. Bessere Führung, Wertschätzung und ein besseres Arbeitsklima, deshalb:

  • Wer seine Mitarbeitenden nicht achtet und schätzt, schadet der Branche
  • Mitsprache statt Ansprache – Wer im Betrieb mitbestimmen kann, identifiziert sich mit diesem
  • Reden statt schreien – Konfliktlösung, anständige Kommunikation und gelebte Teamarbeit führen zu einem guten Arbeitsklima
  • Förderung von professionellem Human-Resources-Management

4. Einführung von flexibleren und attraktiveren Arbeitszeiten, deshalb:

  • Es braucht dringend ein Überdenken der Arbeitseinteilung und Arbeitsprozesse
  • Förderung der Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Ausbildung und Freizeit durch flexiblere Arbeitszeitmodelle
  • Frühere Bekanntgabe der Dienstpläne und bessere Planung, damit die Einsatzzeit nicht ständig und spontan wechselt

Durchsetzen lassen sich die Maßnahmen laut der Hotel & Gastro Union nur in Sozialpartnerschaft. „Die Probleme lassen sich nur gemeinsam lösen. Solange Gastrosuisse weiterhin L-GAV-Verhandlungen verweigert, wird sich nichts ändern“, sagt Roger Lang, Leiter Rechtsdienst der Hotel & Gastro Union.

(Hotel & Gastro Union/SAKL)

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