Interview

„Man muss sich auf die Lebensumstände der Mitarbeiter einstellen“

Außenansicht des Hotels Aviva im österreichischen St. Stefan am Walde
Außenansicht des Hotels Aviva im österreichischen St. Stefan am Walde; Geschäftsführer Christian Grünbart MMBA MSc. (Fotos: ©Hotel Aviva)
Christian Grünbart MMBA MSc, Geschäftsführer Hotel Aviva, über flexible Arbeitszeitmodelle in der Hotellerie und was ihn dazu bewegte, eine 4-Tage-Woche einzuführen.
Montag, 11.11.2019, 13:55 Uhr, Autor: Kristina Presser

Vor allem junger Arbeitnehmer-Generationen wünschen sich im Beruf immer häufiger verkürzten Wochenarbeitszeiten und eine bessere Work-Life-Balance. Christian Grünbart MMBA MSc, Geschäftsführer des Hotels Aviva im österreichischen St. Stefan am Walde, erzählt im Interview, wie er diesen Bedürfnissen in seinem Unternehmen nachkommt, was Arbeitgeber heutzutage leisten müssen und was ihn dazu veranlasste, das Konzept einer 4-Tage-Arbeitswoche einzuführen.

Herr  Grünbart, wie hat sich ganz allgemein die Arbeitseinstellung von Mitarbeitern bzw. haben sich deren Ansprüche bzgl. Arbeitszeiten in den letzten Jahren gewandelt?
Der Wunsch, gerade von jüngeren Mitarbeitern, nach mehr Freizeit bzw. komprimierter Arbeitszeit und mehr freien Tagen ist erkennbar. Weiters wollen Mitarbeiter viel mehr den Sinn des Unternehmens und der Tätigkeit leben und sich einbringen können. Den Mehrwert sehen viele Mitarbeiter nicht in der Umsatzmaximierung (von der sie in der Regel nichts oder wenig haben), sondern den Dienst an der Gesellschaft, eben den Gästen einen tollen Aufenthalt zu ermöglichen, anderen Menschen eine bestmögliche Erholung vom Berufsalltag zu bieten, Teil einer Unternehmensvision und eines einzigartigen Konzepts zu sein. Weiters ist das Zugehörigkeitsgefühl in einem Team mit einem sehr guten Betriebsklima wesentlicher als früher. In einer unübersichtlichen und hektischen Welt gibt „das in sich einem Team aufgehoben fühlen“ viel Stabilität für das eigene Leben.

Als Hotelier sind wir mittlerweile Beziehungsmanager, „positive Atmosphärenschaffer“, Problemlöser, Freund, Coach und Lebensbegleiter für Mitarbeiter und nicht (nur) Vorgesetzter und Kontrolleur. Wir können auch nicht mehr einen Führungsstil haben, sondern wir müssen uns an die verschiedenen Generationen, Lebensalter, Charaktere und Nationalitäten und deren Gepflogenheiten anpassen können und situativ führen. Eine 17-jährige Mitarbeiterin in Ausbildung ist anders zu führen, als ein 58-Jähriger.

Wie wichtig sind heute flexible Arbeitszeiten und eine ausgewogene Work-Life-Balance als Mitarbeiter-Benefits bzw. Angebote für den potenziellen Mitarbeiter?
Sehr wichtig. Noch wesentlicher ist allerdings, sich auf die unterschiedlichen Lebensumstände der Mitarbeiter einzustellen. Ob berufsbegleitende Ausbildung, Kurzarbeit, da ein Pflegefall in der Familie, Karenz, junge Mütter mit Kleinkindern, Sabbatical, … es sind die vielen unterschiedlichen Lebensszenarien die jeder hat und die wir versuchen müssen mit den Mitarbeitern zu lösen und gemeinsam den Weg zu gehen. Wenn uns das gelingt, erreicht die Beziehung zum Mitarbeiter eine ganz andere zwischenmenschliche Ebene. Das „sich in den Mitarbeiter“ hineinzuversetzen schafft Vertrauen und dies ist eine, wenn nicht die wesentlichste Komponente für den Erfolg und langfristigen Zusammenarbeit. In der Regel vergisst der Mitarbeiter auch das Entgegenkommen nicht und verlässt somit auch nicht so schnell das Unternehmen. Auch mal einen Mitarbeiter in einer kritischen Lebenssituation aus der Patsche zu helfen stärkt ungemein das Vertrauen zueinander.

Das AVIVA ist ein visionsgeführtes Hotel mit einem in Europa einzigartigen Konzept („Make friends“). Was sind Ihre Visionen für Ihre Mitarbeiter, Ihre Unternehmensphilosophie?
Das Hotel AVIVA soll immer ein toller Platz sein für alle Menschen, für Gäste UND Mitarbeiter. Als Eigentümer kann ich die Rahmenbedingungen für eine bestmögliche Arbeitsqualität und Lebenszufriedenheit schaffen und bin ich auch maßgeblich verantwortlich für physische und psychische Gesundheit jeden einzelnen Mitarbeiters. Wenn nur mit Druck geführt wird, dann wird der Mitarbeiter fehleranfällig, verunsichert, es passieren weitere Fehler und es beginnt eine Abwärtsspirale, die schwer zu durchbrechen ist. Wenn die Führungskultur kooperativ und positiv ist, dann entsteht eine positive Stimmung und es kommt eine Leichtigkeit in den Berufsalltag. Der Mitarbeiter geht auch dann positiver in seine Freizeit. Das ist sicher auf Dauer die bessere Lebensqualität und somit der gesündere Weg. Wenn der Mitarbeiter dieses Gefühl hat, dann wird er positiv von seinem Arbeitsplatz erzählen und so schnell auch nicht das Unternehmen verlassen.

Unter anderem haben Vollzeit-Mitarbeiter bei Ihnen die Möglichkeit einer 4-Tage-Arbeitswoche. Was hat Sie dazu veranlasst, diese einzuführen?
Aus mehreren Gesprächen mit Mitarbeitern erkannte ich den Wunsch zu einer Komprimierung der Arbeitszeit. Dann haben wir überlegt, wie wir interne Prozesse so gestalten können, dass es passt. Bewusst habe ich in Kauf genommen, dass die Personalkosten in einzelnen Abteilungen steigen werden. (…)

Mittlerweile haben wir vielen Mitarbeitern verschiedene Arbeitszeitmodelle angeboten.

Hierbei handelt es sich um ein gekürztes Interview für den Beitrag „Mit der Zeit wird Zeit immer wichtiger“, erschienen im HOGAPAGE Magazin, Ausgabe 06/2019. Darin erfahren Sie unter anderem, welche Erfahrungen  Christian Grünbart mit seinen Mitarbeitern und der 4-Tage-Woche gemacht hat, welche weiteren flexiblen Arbeitszeitmodelle im Aviva angeboten werden und welche spannenden Lösungen es sonst noch für Arbeitszeitenregelungen in der Branche gibt (s.Interview mit Jürgen Gangl, GM des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz).

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