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Ausbildungsstart: Chefs locken Azubis mit Autos und Kreuzfahrten

Da ist er wieder, der Personalmangel. Jedes Jahr werden zum Ausbildungsstart mit Spannung die Zahlen bezüglich der Lehrstellen, die erfolgreich besetzt werden konnten, erwartet. Auch dieses Jahr herrscht wieder Ernüchterung. Der Trend der letzten Jahre setzt sich leider weiter fort.

Donnerstag, 03.08.2017, 08:57 Uhr, Autor: Markus Jergler
Koch in Küche erklärt Azubis etwas

Manche Chefs versuchen mit außergewöhnlichen Prämien neue Azubis anzulocken. (Foto: © auremar/fotolia)

Laut DIHK-Präsident Eric Schweitzer sieht die Lage nicht gut aus: „Heute können doppelt so viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen wie vor zehn Jahren“, sagt Schweizer gegenüber der Bild-Zeitung zu einer Umfrage, die unter knapp 11.000 Unternehmen durchgeführt wurde. „Uns geht der Nachwuchs aus.“

Äußerst beunruhigende Worte für die Betriebe. Die nackten Zahlen sind sogar noch beunruhigender. Laut Bild erhält jeder vierte Betrieb mit freien Ausbildungsstellen nicht eine einzige Bewerbung. Bei etwa zwei Drittel aller Unternehmen (68 Prozent) landen lediglich Bewerbungen von ungeeigneten Interessenten.

Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags:

„Konnten Sie alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?“ (Angaben in Prozent)

Online-Umfrage unter 10.561 Unternehmen im April und Mai 2017
Grafik: Info.BILD.de | Quelle: dpa, DIHT | Online-Umfrage unter 10.561 Unternehmen im April und Mai 2017

Unbesetzte Ausbildungsplätze in Prozent

Online-Umfrage unter 10.561 Unternehmen im April und Mai 2017
Grafik: Info.BILD:de | Quelle: dpa, DIHT | Online-Umfrage unter 10.561 Unternehmen im April und Mai 2017

Grob zusammengefasst lässt sich sagen, dass knapp ein Drittel aller deutschen Firmen keine passenden Bewerber für seine zu besetzenden Lehrstellen findet. Für jedes zweite Unternehmen sei der Fachkräftemangel sogar bereits ein Geschäftsrisiko, so die Bild.

Unternehmen locken mit attraktiven Prämien
Die Chefs müssen sich also etwas einfallen lassen im Kampf um die jungen Nachwuchskräfte. Sie bemühen sich zunehmend um Studienabbrecher (42 Prozent), lernschwächere Jugendliche (80 Prozent) und Flüchtlinge (sieben Prozent). Der DIHK fordert vor allem von der Politik mehr Unterstützung. Die Berufsorientierung und die Digitalisierung müsse bereits an den allgemeinen Schulen verbessert werden. Doch einige Firmen versuchen es auch mit ungewöhnlichen, aber dennoch äußerst attraktiven Prämien. Bild hat nachgefragt und die kuriosesten Lockmethoden zusammengestellt:

  • Beim Metzgermeister Steffen Schütze aus Freising bekommen neue Lehrlinge ein iPhone, inklusive Vertrag. Dieses Statussymbol sei den jungen Menschen mehr Wert als 100 Euro mehr im Monat.
  • Eine Kreuzfahrt bekommen Berufseinsteiger bei Peter Terbuyken, Bäckermeister in Erkrath (Nordrhein-Westfalen). Da es kaum noch Jugendliche gibt, die sich für eine Bäckerlehre entscheiden, belohnt Terbuyken Zusagen mit einer einwöchigen Hochseekreuzfahrt durch das Mittelmeer.
  • Der Chef der Restaurant-Gruppe Marché International , Oliver Altherr, vergibt an die drei besten Azubis im dritten Lehrjahr ein Auto. Dieses dürfen die Lehrlinge auch privat fahren. Sprit und Versicherung übernimmt der Chef.

(bild.de/MJ)

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